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25 Jahre Schlaganfall-Hilfe

Familie Menke und ihr neues Leben

25 Jahre Schlaganfall-Hilfe

Zwei süße Kinder, ein junger Hund, der tolle Job und ein schönes Haus – genauso hätte es weitergehen können. Ging es aber nicht, ein Tag im Januar 2017 riss Barbara Menke (36) jäh aus diesem Leben. Dank der guten Schlaganfall-Versorgung in Deutschland geht es ihr heute besser. Dazu trug auch die Schlaganfall-Hilfe bei. Anfang Mai feiert der Rosenball in Berlin das Jubiläum der Stiftung. Dort wird auch Barbara Menke zu Gast sein. Schon jetzt traf sie ihre Gastgeberin Liz Mohn in der Klinik, in der man sie vor schwereren Behinderungen bewahrte.

Zwei süße Kinder, ein junger Hund, der tolle Job und ein schönes Haus – genauso hätte es weitergehen können. Ging es aber nicht, ein Tag im Januar 2017 riss Barbara Menke (36) jäh aus diesem Leben. Dank der guten Schlaganfall-Versorgung in Deutschland geht es ihr heute besser. Dazu trug auch die Schlaganfall-Hilfe bei. Anfang Mai feiert der Rosenball in Berlin das Jubiläum der Stiftung. Dort wird auch Barbara Menke zu Gast sein. Schon jetzt traf sie ihre Gastgeberin Liz Mohn in der Klinik, in der man sie vor schwereren Behinderungen bewahrte.

Ein Sonntag im Januar

 
Frauke Ludowig (Mitte) mit der schlaganfall-betroffenen jungen Mutter Barbara Menke und ihren beiden Töchtern Tilda (3) und Amelie (6)

Ein Sonntagsspaziergang mit der ganzen Familie sollte es werden. Doch Ehemann Sebastian wartete vergeblich mit den beiden Töchtern Amelie (6) und Tilda (3) im Schnee. Barbara Menke war im Haus einfach umgekippt und lag hilflos da. Als Sebastian seine Frau fand, rief er geistesgegenwärtig den Notarzt und äußerte gleich seinen Verdacht: Schlaganfall!

„Wer weiß, ob Sie daran gedacht hätten, wenn es die Schlaganfall-Hilfe nie gegeben hätte", sagt Frauke Ludowig. Die RTL-Moderatorin und Botschafterin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist nach Gütersloh gekommen, ins Elisabeth-Hospital. Dorthin, wo man Barbara Menke binnen weniger Minuten brachte und sie auf der Stroke Unit (Schlaganfall-Station) behandelte. 15 Monate später treffen sie hier mit Liz Mohn, Präsidentin der Schlaganfall-Hilfe, und Verantwortlichen der Klinik zusammen.

Schlaganfall kann jeden treffen

 
Eine Torte zum Jubiläum: Dr. Stephan Pantenburg (r.), Geschäftsführer des Gütersloher Sankt Elisabeth Hospitals, und Dr. Thomas Kloß, Chefarzt der Neurologie (l.), gratulieren Liz Mohn zum 25jährigen Bestehen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Anfang Mai werden Liz Mohn und Bertelsmann mit rund 600 Gästen in Berlin auf dem Rosenball das Jubiläum der Deutschen Schlaganfall-Hilfe feiern. Vor 25 Jahren gründete Liz Mohn die Stiftung. Sie hat durch unermüdliche Aufklärungsarbeit und ein flächendeckendes Netzwerk von über 300 Schlaganfall-Stationen bundesweit dafür gesorgt, dass heute doppelt so viele Patienten einen Schlaganfall überleben. Frauke Ludowig wird den Rosenball gemeinsam mit Guido Maria Kretschmer moderieren. In Gütersloh lässt sie sich gemeinsam mit Liz Mohn den aktuellen Stand der Schlaganfall-Versorgung erklären und lernt das Ehepaar Menke kennen.

"Schlaganfall kann jeden treffen" lautet ein Credo der Stiftung und ein Leitsatz der neuen Kampagne, die zum Rosenball starten wird. Stellvertretend dafür steht Barbara Menke – eine junge, gesunde Frau ohne erkennbare Risikofaktoren, die von jetzt auf gleich aus dem Leben gerissen wird. Es war wohl eine Dissektion, eine Schädigung der Gefäßinnenwand, die den Schlaganfall auslöste - ein schicksalhaftes Ereignis. „Ein solcher Schlaganfall kommt plötzlich und unvorhergesehen, er lässt sich kaum vermeiden", erklärt Chefarzt Dr. Thomas Kloß.

Neustart aus dem Rollstuhl

Sprachstörungen und eine halbseitige Lähmung waren die Folgen. Im Rollstuhl kommt Barbara Menke in die Rehabilitation, wo sie sich über viele Wochen zurück ins Leben kämpft. Doch auch nach der Rückkehr ins eigene Heim muss sie feststellen, dass sie weiter auf Hilfe angewiesen ist. „Allein den Kindern die Jacke zuzumachen war eine Herausforderung", sagt sie. Das gilt selbst heute noch, doch es wird immer besser. Eine Haushaltshilfe unterstützte in der ersten Zeit, und stundenweise schaffte die gelernte Erzieherin die Rückkehr in ihren Job im Jugendamt der Stadt Oelde.

Geholfen hat ihr dabei auch Schlaganfall-Lotsin Stefanie Feldmann. Ein Jahr lang begleitete sie die Familie, beriet sie in wichtigen Fragen und unterstützte bei Anträgen. „Eine enorm wichtige Hilfe", sagt Barbara Menke, die überzeugt ist von diesem neuen Modell der Deutschen Schlaganfall-Hilfe. Nachdem die Stiftung in den ersten 25 Jahren maßgeblich dazu beigetragen hat, eine vorbildliche Akutversorgung aufzubauen, will sie jetzt auch die Nachsorge deutlich verbessern.

Neue Therapie-Optionen

 
(v.l.n.r.) Dr. Alexej Titschert (l.), leitender Neuroradiologe im Elisabeth Hospital, CTA Rahel Riker, Liz Mohn, Klinikchef Dr. Stephan Pantenburg und Chefneurologe Dr. Thomas Kloß vor der neuen Angiographie-Anlage.

Entwicklungen gibt es aber weiterhin auch in der akuten Behandlung eines Schlaganfalls. „Thrombektomie" heißt die neueste Option, die Medizinern zur Verfügung steht. Dabei wird ein Gefäßverschluss durch einen Katheter entfernt. 1,2 Millionen Euro investierte das Gütersloher Krankenhaus jetzt in eine Angiographie-Anlage, die diesen Eingriff ermöglicht. Ab heute können die ersten Patienten so behandelt werden.

Darüber und über das große Interesse der Medien am Jubiläum der Schlaganfall-Hilfe freute sich Stifterin Liz Mohn besonders. Denn wenn am 5. Mai ihre 600 Gäste beim Berliner Rosenball über den roten Teppich flanieren, geht es nicht nur darum, einen wundervollen Abend zu verbringen. „Das Schöne mit dem Guten verbinden" lautet ihr Motto. Und so hofft die Stifterin auf großzügige Spenden ihrer Gäste, um noch viel mehr Patienten wie Barbara Menke und deren Familien die Rückkehr ins Leben zu ermöglichen.

Weitere Themen

Tag gegen den Schlaganfall 2018

 

Im Jubiläumsjahr der Stiftung lautet das Motto der Aktivitäten zum Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai: "Schlaganfall kann jeden treffen!". Wir wollen Menschen aktivieren, sich zu informieren. Dazu bietet das Netzwerk der Stiftung schon jetzt vielfältige Veranstaltungen an. Besuchen Sie eine in Ihrer Region.

 

Der Slogan "Schlaganfall kann jeden treffen!" ist Motto und Leitmotiv der Aktivitäten zum Tag gegen den Schlaganfall. Gerade im Jubiläumsjahr der Stiftung ist die Chance groß, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und Menschen dafür zu sensibilisieren, dass Schlaganfall auch sie etwas angeht. Sei es als potentiell Betroffener, Angehöriger oder Freunde, als Beobachter oder Ersthelfer, als gesundheitsbewußter Mensch, der sich selbst vor einem Schlaganfall schützen will oder als engagierter Bürger, der mit seiner Spende ein Zeichen setzen will.

Der Tag gegen den Schlaganfall will Menschen aktivieren, sich zu informieren, zu engagieren und vorzusorgen.

Unterstützung erhält die Stiftung in ihrer Aufklärungs- und Informationsarbeit auch von rund 200 Regionalbeauftragten. Sie sind meist Ärzte aus Kliniken und Rehabilitationseirichtungen. Schlaganfall-Betroffene und Angehörige haben die Möglichkeit, sich in über 440 Schlaganfall-Selbsthilfegruppen austauschen.

Speziell zum Tag gegen den Schlaganfall wird das Netzwerk der Stiftung besonders aktiv - mit verschiedenen Informationsveranstaltungen. In diesem Dokument finden Sie die uns gemeldeten Veranstaltungen () sortiert nach Postleitzahl.

 


Neues Diagnose-Visier im Test

 

Ein Schlaganfall-Verdacht ist schnell getroffen, die Art des Schlaganfalls aber ist von außen nicht erkennbar. Doch ohne eine Diagnose ist keine Behandlung möglich. Eine neue Technik aus den USA könnte die Diagnostik in Zukunft beschleunigen.

 

Ein Schlaganfall-Verdacht ist schnell getroffen, die Art des Schlaganfalls aber ist von außen nicht erkennbar. Doch ohne eine Diagnose ist keine Behandlung möglich. Eine neue Technik aus den USA könnte die Diagnostik in Zukunft beschleunigen.

Wissenschaftler der Universität Tennessee haben eine Art diagnostisches Visier entwickelt. Es führt eine so genannte volumetrische Impedanz-Phasenverschiebungs-Spektroskopie durch, kurz: VIPS. Dabei werden niedrig-energetische Radiowellen durch das Gehirn geschickt. So lässt sich der Flüssigkeitsgehalt in einzelnen Hirnregionen darstellen. Daraus wiederum können Ärzte sich ohne Einsatz eines Computertomographen ein Bild von der Größe des Schlaganfalls machen. In einer Pilotstudie der Amerikaner gelang das mit 92-iger Genauigkeit.

Diese Innovation könnte noch von großer Bedeutung werden. Seit wenigen Jahren wird bei manchen Hirninfarkten in meist größeren Schlaganfall-Zentren die neue Methode der Thrombektomie eingesetzt. Ein Neuroradiologie entfernt dabei das Gerinnsel mittels eines Katheters. Unter bestimmten Voraussetzungen können Ärzte dadurch ein deutlich besseres Ergebnis als bei einer rein medikamentösen Therapie erzielen. Hätte ein Notarzt vor Ort oder auf dem Transport in die Klinik die Möglichkeit, sich ein erstes Bild des Schlaganfalls zu machen, könnte der Patient bei Bedarf gleich in ein spezielles Zentrum gebracht werden. Durch die Zeitersparnis könnten sich schwere Behinderungen vermeiden lassen.

„Noch ganz am Anfang, aber spannend, und wenn es wirklich gut funktioniert auch klinisch relevant", urteilt Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz, der für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe die internationale Forschung beobachtet.

(Kellner C et al Journal of Neurointerventional Surgery 2018; doi: 10.1136/neurintsurg-2017-013690)

 


Beste Beratung bei der Wahl von Hilfsmitteln

 

Egal ob Orthese, Rollator oder Einstiegshilfe in die Badewanne. Die richtigen Hilfsmittel können Schlaganfall-Patienten den Alltag erleichtern. Damit die Hilfsmittel genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind, ist eine intensive Beratung notwendig. Um diese zu gewährleisten, entwickelt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Qualitätskriterien für Sanitätshäuser.

 

Egal ob Orthese, Rollator oder Einstiegshilfe in die Badewanne. Die richtigen Hilfsmittel können Schlaganfall-Patienten den Alltag erleichtern. Damit die Hilfsmittel genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind, ist eine intensive Beratung notwendig. Um diese zu gewährleisten, entwickelt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Qualitätskriterien für Sanitätshäuser.

Welche Kriterien Kliniken erfüllen müssen, um als regionale oder überregionale Stroke Unit zertifiziert zu werden, steht schon lange fest. Auch die Qualitätsanforderungen für Rehabilitationskliniken sind klar definiert. Doch wie können Schlaganfall-Patienten sicher sein, dass sie in Sanitätshäusern optimal beraten und ausgestattet werden? Die Antwort: Bisher gar nicht. Das möchte die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nun ändern. Langfristiges Ziel es, ein Qualitätssiegel für Sanitätshäuser zu vergeben.

„Die Qualitätssicherung der Hilfsmittelversorgung muss in Zukunft stärker berücksichtig werden", sagt Christina Habig, gelernte Physiotherapeutin und Projektleiterin bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. „Die Hilfsmittelversorgung ist ein Prozess, bei dem eine intensive Beratung und eine langfristige Betreuung nötig sind." Denn: Entscheidend ist nicht nur die Qualität des Produkts. Wichtig ist es, den Patienten einzubeziehen, seine individuellen Lebensumstände zu berücksichtigen und gemeinsam herauszufinden, welches Hilfsmittel für ihn optimal geeignet ist. „Nur so ist gewährleistet, dass der Patient das Hilfsmittel auch wirklich nutzt. Und nur so kann eine Über-, Unter- oder Fehlversorgung vermieden werden", betont Habig.

Um eine Grundlage für die Qualitätskriterien zu erarbeiten, stimmt sich die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe eng mit ausgewählten Sanitätshäusern ab. Sie trafen sich nun bei der Stiftung zum ersten Qualitätszirkel, um sich über die bisherigen Erfahrungen auszutauschen. "Wir freuen uns sehr, dass wir so engagierte Partner gefunden haben, die die Entwicklung unterstützen", sagt Habig. Zwei weitere Treffen sollen im Laufe des Jahres folgen, die Zahl der teilnehmenden Sanitätshäuser steigen.

Das Projekt baut auf zwei Grundsteinen auf: Zum einen auf einer fachlichen und inhaltlichen Qualifizierung der Mitarbeiter, zum anderen auf einem Qualitätsmanagement, das die Prozesse für die Versorgung beschreibt, umsetzt, überwacht und verbessert.

Die teilnehmenden Sanitätshäuser haben ihre Mitarbeiter bereits intern geschult. Auf dem Rezept steht nur, was der Patient benötigt, aber keine Diagnose. Deswegen ist wichtig, dass jeder Mitarbeiter die Symptome und Auswirkungen von Schlaganfällen kennt. Wie kann sichergestellt werden, dass der Kunde alles versteht, was gesagt wird? Soll die Informationen noch einmal aufgeschrieben werden, falls das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt ist? Ein einheitlicher Fragebogen kann den Mitarbeitern helfen, im Gespräch mit dem Patienten alle wichtigen Information zu erhalten. Doch welche Fragen müssen auf jeden Fall gestellt werden? Welche sind optional? Diese und viele weitere Punkte werden die Vertreter der Sanitätshäuser gemeinsam mit der Schlaganfall-Hilfe erörtern.
„Wenn der Qualitätszirkel Einigkeit über die sinnvollen Kriterien erzielt hat, wird die Stiftung diese noch mit den entsprechenden Fachgesellschaften abstimmen. Es liegt also noch ein langer Weg vor uns, bis das Qualitätssiegel vergeben werden kann", erklärt Habig.

Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe und die teilnehmenden Sanitätshäuser stehen erst am Anfang eines langen Prozesses. Doch das Ergebnis haben sie fest im Blick: Dass Schlaganfall-Patienten dank Siegel künftig sicher sein können, bei der Auswahl der Hilfsmittel gut beraten zu sein.
 


Das Schicksal akzeptieren lernen

Mutmach-Geschichten von Betroffenen bei den 21. Würzburger Aphasie-Tagen

Sie waren unten. Tief unten. Viel tiefer geht es womöglich nicht. Doch sie schafften es, das alte Leben abzustreifen, sich neu zu orientieren – und das neue Leben sogar als etwas Bereicherndes, ja, phasenweise fast als etwas Abenteuerliches zu begreifen. Zum Abschluss der 21. Würzburger Aphasie-Tage erzählten vier Menschen mit Aphasie, wie es ihnen gelungen ist, ihre krankheitsbedingte Lebenskrise zu überwinden.

Sie waren unten. Tief unten. Viel tiefer geht es womöglich nicht. Doch sie schafften es, das alte Leben abzustreifen, sich neu zu orientieren – und das neue Leben sogar als etwas Bereicherndes, ja, phasenweise fast als etwas Abenteuerliches zu begreifen. Zum Abschluss der 21. Würzburger Aphasie-Tage, die jährlich vom unterfränkischen Zentrum für Aphasie & Schlaganfall veranstaltet werden, erzählten vier Menschen mit Aphasie im vollbesetzten Audimax-Hörsaal der Uni Würzburg, wie es ihnen gelungen ist, ihre krankheitsbedingte Lebenskrise zu überwinden.

Neues Berufsziel durch den Schlaganfall

Da ist zum Beispiel Marina Fraas aus Oberfranken. Mit 20 Jahren erlitt die junge Frau einen Schlaganfall. Der riss sie, das ist nun siebeneinhalb Jahr her, aus ihrem Alltag. Fraas hatte gerade begonnen, internationales Management zu studieren. Mit besten Karriereaussichten. Doch die Träume platzten jäh. 18 Monate war Fraas auf Reha. Mühsam lernte sie wieder, zu sprechen. Inzwischen ist die Oberfränkin Masterstudentin. Allerdings nicht mehr in einem ökonomischen Studiengang. Die Restaphasikerin orientierte sich, bedingt durch ihre Erfahrungen, komplett um: „Mein Ziel ist es, Psychotherapeutin zu werden."

Mehr Zeit für die Enkel

Während Marina Fraas gerade dabei war, sich für einen Beruf zu qualifizieren, hatte sich Michael Kessmann bereits weit hochgearbeitet, als er mit 53 Jahren einen Schlaganfall erlitt. Der heute 61-Jährige war Vorstand einer regionalen Bank. Er hatte eine Menge Verantwortung, war höchst aktiv, leitete Sitzungen und hielt Reden. Plötzlich nicht mehr sprechen zu können, war für den gebürtigen Münsteraner ein kaum verkraftbarer Alptraum. „Am schlimmsten war die Reha", berichtete er. Er habe nächtelang geheult. Wie geht es weiter? Was kann ich überhaupt noch erreichen in meinem Leben? Diese Gedanken drehten sich unaufhörlich in seinem Kopf.

Auch Michael Kessmann schaffte es, sich zu stabilisieren. Die Erkrankung, entdeckte der Rentner allmählich, befreite ihn von Zwängen. Sie gibt ihm Freiräume für Dinge, die zu seiner aktiven Berufszeit auf der Strecke blieben. „Heute sehe ich meine Enkelkinder regelmäßig", sagt er. Das sei früher meist nur an Ostern und Weihnachten der Fall gewesen. Damals habe er auch nichts vermisst. Heute weiß er Dinge zu schätzen, die gesellschaftlich nicht mit Geld und Erfolg belohnt werden. Kessmann: „Zeit zu haben und selbst zu entscheiden, was man tun möchte, das ist Luxus".

Selbstständig und flexibel arbeiten

So ähnlich sieht das auch Matthias Beck aus Heidelberg: „Im Urlaub kam mir die Erkenntnis, wie sehr ich zuvor im Hamsterrad war." Der heute 34-Jährige erlitt vor zwölf Jahren eine Hirnblutung. Damals absolvierte er das dritte Semester seines Informatik-Studiums. Er war extrem schwer beeinträchtigt. Als es ihm besser ging, sah sich Beck mit uneinsichtigen Behördenmitarbeitern bei der Rentenversicherung und der Arbeitsagentur konfrontiert. „Die dortigen Fachleute waren ignorant, sie konnten sich nicht hineindenken in einen Menschen mit Aphasie", kommentierte der renommierte Kognitionsforscher Walter Huber, der die Gesprächsrunde mit vorbereitet hatte.

2017 beschloss Beck, sich als Softwareentwickler selbstständig zu machen. Nun kann er, was aufgrund seiner Erkrankung unabdingbar ist, flexibel arbeiten. Diese Flexibilität, kritisierten die Teilnehmer der Gesprächsrunde, auf die nicht nur Menschen mit einer Behinderung angewiesen sind, schrumpft in einer Welt, die immer enger getaktet ist und immer größere Anpassungsbereitschaft verlangt. Als Inklusionsbotschafterin setzt sich vor allem Marina Fraas politisch dafür ein, dass das Menschenrecht auf Inklusion auch in der Arbeitswelt erfüllt wird. Was jedoch, weiß die junge Frau, nur gelingen wird, wenn die Gesellschaft das rein auf Leistung und Konkurrenz ausgerichtete Denken aufgibt.

Inklusion bleibt ein wichtiges Thema

Aus dem Berufsleben katapultiert zu werden, das ist für Aphasiker mit am schlimmsten, bestätigte Allgemeinärztin Ulrike Steinhöfel. 1995 erlitt sie mit damals 32 Jahren einen Schlaganfall. Danach zeigte sie äußerst gravierende Störungen, weshalb eine langwierige Reha erforderlich war. Ulrike Steinhöfel machte eine sehr schwere Depression durch: „Ich habe so viel geweint, dass ich das selbst kaum mehr ertragen konnte." Nur ganz allmählich gewann die Rentnerin neuerlich psychische Stabilität: „Peu à peu habe ich mich aus dem Sumpf gezogen."

 

 
v.l.n.r. Prof. Dr. Walter Huber (Podiums-Moderation), Dipl.-Psych. Beate Hechtle-Frieß (Zentrum für Aphasie & Schlaganfall) zusammen mit den Podiumsteilnehmern Marina Fraas, Dr. Ulrike Steinhöfel, Matthias Beck und Michael Kessmann / Bild: Thomas Hupp

Ulrike Steinhöfel, Marina Fraas, Matthias Beck und Michael Kessmann engagieren sich heute für Menschen mit Aphasie. Sie erzählen von ihrer Erfahrung, dass es möglich ist, Schicksalsschläge zu überwinden und einen neuen Sinn im Leben zu finden. Gleichzeitig machen sie darauf aufmerksam, dass auch die Gesellschaft ihren Teil dazu betragen muss, dass Menschen mit einer Behinderung nicht länger außen vor bleiben. Diesbezüglich hat sich in den letzten Jahren zwar einiges verbessert, so Huber: „Doch es bleibt noch immer viel zu tun."


Projekt STROKE OWL

Projekt geht an den Start

 

 

Hier informieren!

STROKE OWL ist ein Meilenstein in der deutschen Gesundheitspolitik. Unter diesem Projektnamen will die Stiftung den Beweis antreten, dass die Betreuung von Schlaganfall-Patienten durch Schlaganfall-Lotsen in der Nachsorge die Lebensqualität der betroffenen Patienten erhöht.

Testen Sie Ihr Risiko!

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Unser Schlaganfall-Risikotest basiert auf medizinisch-wissenschaftlichen Grundlagen und dient der Aufklärung über Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
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Ob Geburtstag, Hochzeit oder Einweihungsparty - es gibt viele schöne Anlässe, um mit Freunden und Familie zu feiern. Verbinden Sie doch das Angenehme mit dem Nützlichen und sammeln Sie in diesem Rahmen Spenden. Rufen Sie schon in Ihrer Einladung zu Spenden statt Geschenken auf oder stellen Sie bei Ihrer Feier ein Sparschwein bereit, um Spenden zu sammeln.

 

Es gibt im Leben viele schöne Anlässe, die man feiern möchte, wie Geburtstag, Hochzeit, Ehejubiläum, der Eintritt in den Ruhestand o.ä. Was es auch sei: In jedem Fall können Sie die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe mit einer Spende oder einer Spendensammlung unterstützen.

Starten Sie doch im Rahmen Ihrer Feier einmal die Aktion „Spenden statt Geschenke"! Sie helfen damit Schlaganfall-Betroffenen und ihren Angehörigen. So wird geteilte Freude zur doppelten Freude.

 

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