Therapeutische Disziplinen: Wer macht was?

Egal, ob nach einem Schlaganfall nur ein Taubheitsgefühl in den Fingern zurückbleibt oder schwere körperliche und kognitive Beeinträchtigungen: Therapien benötigt fast jeder Schlaganfall-Betroffene. Doch welcher Therapeut ist für was zuständig? Wie therapieren sie? Wir geben eine Übersicht.

Die Therapeuten legen die notwendigen Anwendungen und Übungen anhand von Leitlinien fest. Experten-Gremien entwickeln die Behandlungs-Leitlinien für verschiedene Krankheitsbilder und orientieren sich dabei an den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Physiotherapie

Der Begriff „Physiotherapie“ umfasst mehrere therapeutische Verfahren. Vor allem unterscheiden sich die aktiven und die passiven Therapien.

  • Aktive Therapie: Der Physiotherapeut leitet den Patienten an, selbst Bewegungen auszuführen.
  • Passive Therapie: Der Physiotherapeut bewegt den Patienten ohne dessen Mithilfe. Zu den passiven Therapien gehören zudem Anwendungen wie Massagen, Wärmetherapie oder Elektrostimulation.

Zu den Hauptaufgaben der Physiotherapie zählt die (aktive) Bewegungstherapie.

Zu den Zielen gehören:

  • Ausdauer verbessern
  • Beweglichkeit fördern
  • Koordination und Geschicklichkeit verbessern
  • Bewegungsmuster verbessern
  • Anspannungen abbauen
  • Körperwahrnehmung schulen
  • Muskeln aufbauen
  • allgemeines Wohnbefinden verbessern

Physiotherapie ist vor allem nach Verletzungen oder Erkrankungen hilfreich, die den Bewegungsapparat betreffen. Teilweise kommen aber auch Physiotherapeuten zum Einsatz, wenn keine konkreten Einschränkungen vorliegen – zum Beispiel im Leistungssport.

Ergotherapie

Die Ergotherapie kann sowohl für Menschen mit psychischen Störungen als auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen hilfreich sein. Ziel ist es in beiden Fällen, den Patienten einen möglichst selbstständigen Alltag zu ermöglichen und dadurch die Lebensqualität zu steigern. In den Therapiestunden werden deswegen in der Regel Handlungen und Bewegungsabläufe geübt, die für eine möglichst selbstständige Bewältigung des Alltags notwendig sind.

Ziele der Therapie können bei neurologischen Patienten zum Beispiel sein:

  • normale Bewegungsmuster erlernen
  • Sinnesreize normal verarbeiten
  • Grob- und Feinmotorik verbessern
  • Gleichgewicht verbessern
  • Konzentration und Gedächtnis verbessern
  • Ersatzfunktionen lernen für nicht vorhandene Fähigkeiten

Logopädie

Kommunikation bedeutet Austausch mit anderen Menschen und Teilhabe in der Gesellschaft. Sind die Sprache, die Stimme oder das Sprechen eines Menschen beeinträchtigt, helfen Logopäden dabei, dies zu verbessern. Auch das Schlucken kann dazu gehören, etwa nach einem Schlaganfall.

Zu den Zielen gehören:

  • Die Sprache verbessern, indem zum Beispiel die Bildung von Lauten, die Bedeutung von Wörtern oder der Satzbau geübt werden. Außerdem wird bei Bedarf das Sprachverständnis geschult.
  • Das Sprechen verbessern, indem zum Beispiel die Koordination verschiedener Muskelgruppen geübt wird, die für ein flüssiges Sprechen notwendig sind.
  • Die Stimme schulen, um unter anderem die Leistung der Stimme zu verbessern, etwa bei längerer Heiserkeit oder eingeschränkter Belastbarkeit der Stimme.
  • Das Schlucken trainieren, um zum Beispiel nach einem Schlaganfall die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme wieder zu ermöglichen.

Neuropsychologie

In der Neuropsychologie stehen die Funktionen des Gehirns im Fokus, zum Beispiel das Denkvermögen, die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, das Sprachvermögen, Persönlichkeits-/Verhaltensänderungen, emotionale Störungen sowie visuelle Wahrnehmungsstörungen. 

Zu den Zielen können unter anderem gehören:

  • Krankheitseinsicht erlangen
  • Konzentrations- und Gedächtnisleistungen verbessern
  • Sinneswahrnehmungen schulen
  • Planungs- und Handlungsfähigkeit verbessern
  • Gefühle und Verhalten besser kontrollieren
  • mit der aktuellen Lebenssituation auseinandersetzen
  • Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt ermöglichen

Im Rahmen der Therapien entwickeln die Neuropsychologen gemeinsam mit Patienten und häufig auch den Angehörigen, Strategien, die individuelle Situation zu verbessern.

Für alle Therapien gilt:

Damit sie erfolgreich sind, ist es wichtig, dass die Betroffenen motiviert sind, mitmachen und gegebenenfalls auch zu Hause üben. Wichtig ist, sich gemeinsam mit den Therapeuten konkrete Ziele zu setzen und daran zu arbeiten. Dazu ist vor allem Geduld erforderlich. Früher wurde oft behauptet: „Alle Folgen, die sich nicht innerhalb eines Jahres zurückgebildet haben, werden für immer bleiben.“ Diese These ist längst widerlegt: Es lassen sich immer Erfolge erzielen, auch Jahre nach dem Schlaganfall.

Quellen:

  • Deutscher Verband für Physiotherapie
  • Deutscher Verband der Ergotherapeuten
  • Deutscher Bundesverband für Logopädie
  • Gesellschaft für Neuropsychologie