Der bundesweite "Tag gegen den Schlaganfall" am 10. Mai 2021 steht unter einem besonderen Motto.

Aktionstag

Auch in diesem Jahr wird der Tag gegen den Schlaganfall Corona-bedingt nicht so stattfinden können wie in früheren Zeiten, mit großen Patientenveranstaltungen und Infoständen.

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe macht aus der Not eine Tugend und stellt ein Thema in den Mittelpunkt des Aktionstages, für das ganz Deutschland in diesen Zeiten sensibilisiert ist: die Einsamkeit. „Einsamkeit ist die Todesursache Nummer eins in den westlichen Ländern“, sagt der bekannte Neurowissenschaftler, Psychiater und Bestsellerautor Manfred Spitzer.

Erst einsam, dann krank? Das muss nicht sein, denn: „Kümmern schützt vor Schlaganfall!“ Wir erklären Ihnen die Zusammenhänge und zeigen, wie Sie sich engagieren können.

 

Einsamkeit

Was ist Einsamkeit?

Wer auf eigenen Wunsch kurz- oder längerfristig allein ist, ist nicht unbedingt einsam. Dieses Gefühl entsteht erst, wenn dieser Zustand nicht selbst gewählt und nicht gewünscht ist. Und: Auch inmitten der eigenen Familie oder anderen Menschen kann man sich alleingelassen, unverstanden und einsam fühlen.

Einsamkeit ist eine Herausforderung – nicht nur für die Betroffenen, sondern für die gesamte Gesellschaft. Die Zahl der einsamen Menschen wächst. Die gute Nachricht: Jeder Einzelne kann sich gegen die Einsamkeit einsetzen. Gegen seine eigene, aber auch gegen die Einsamkeit seiner Mitmenschen.

Einsamkeit entsteht dann, wenn es eine Diskrepanz zwischen dem persönlich erwünschten und dem tatsächlichen Grad sozialer Eingebundenheit gibt.
Mazda Adli - Stressforscher und Psychiater

Wer kann einsam werden?

Einsamkeit kann jeden treffen. Kinder, die von ihren Eltern vernachlässigt werden. Jugendliche, die sich von Gleichaltrigen ausgeschlossen fühlen. Erwachsene, die umziehen oder eine Trennung durchleben. Ältere Menschen, deren Freunde versterben. Menschen mit Behinderung, die weniger mobil sind.

Es gibt viele Gründe für Einsamkeit.

Warum macht Einsamkeit krank?

Einsamkeit löst Stress aus, Stress fördert wiederum chronische Erkrankungen. Diese Zusammenhänge sind wissenschaftlich längst belegt. Akuter, kurzfristiger Stress löst im Köper Reaktionen aus, die einem im Notfall das Leben retten können. Andauender Stress bewirkt das Gegenteil: Die Hormone – vor allem das Stresshormon Cortisol – spielen verrückt, der Blutzuckerspiegel steigt. Dies kann unzählige Folgen haben, zum Beispiel:

  • Bluthochdruck
  • erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Depressionen
  • Sucht
  • unterdrückte Verdauung und Magengeschwüre
  • Abnahme der Knochendichte
  • anfälliges Immunsystem
  • Entzündungen

Stress entsteht vor allem, wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihnen die Kontrolle über ihr Leben fehlt. Wer sich langfristig äußeren Umständen ohnmächtig ausgesetzt sieht, erlebt dauerhaften Stress. Studien zeigen: Je besser sich Probanden in ein soziales Netzwerk integriert fühlen, desto sicherer und entspannter agieren sie in stressigen Situationen – und produzieren weniger Cortisol.

Einsamkeit vermeiden

Erst einsam, dann krank – das muss nicht sein!

Die gute Nachricht ist: Einsamkeit ist vermeidbar – und jeder Mensch kann einen Teil dazu beitragen, dass sich andere Menschen nicht einsam fühlen.

  • Nehmen Sie Kontakt zu Ihren Mitmenschen auf.

Viele Menschen kennen selbst ihre Nachbarn kaum. Vielleicht würde sich die ältere Dame nebenan über eine Einladung zum Kaffee freuen? Oder der neu zugezogene Mann sucht einen Jogging-Partner? Kommen Sie ins Gespräch. Regelmäßige Kontakte helfen, sich in seinem sozialen Umfeld weniger einsam zu fühlen.

  • Zeigen Sie anderen Menschen Möglichkeiten für neue Kontakte auf.

Beispiel: Ihre Mutter ist verwitwet und lebt in einer anderen Stadt. Sie wissen, dass sie oft einsam ist, können sie aber nur selten besuchen. Bieten Sie von Einsamkeit betroffenen oder bedrohten Personen Möglichkeiten an, die Situation zu verändern – durch passende Aktivitäten vor Ort, einen Besuchsdienst oder auch virtuelle Angebote. Übrigens: Manchmal braucht es einige Versuche und viel Unterstützung, bis sich jemand auf eine neue Erfahrung einlassen kann. Bleiben Sie geduldig.

  • Werden Sie selbst ehrenamtlich aktiv.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, ehrenamtlich zu arbeiten. Bei den Ehrenamtsbörsen der Städte und Gemeinden, Wohlfahrtsverbänden, Vereinen und Initiativen findet jeder die passende Aufgabe für sich. Und: Nicht jedes Ehrenamt ist mit viel Zeit und Aufwand verbunden. Wie wäre es mit einer Brieffreundschaft mit einem Seniorenheim-Bewohner?

Angebote gegen Einsamkeit

Erst dann einsam, dann krank – nicht mit uns!

Schlaganfall-Betroffene sind besonders von Einsamkeit bedroht. Der Verlust von Mobilität und Sprachstörungen führen oft dazu, dass sie sich zurückziehen. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe setzt sich für die Betroffenen ein. Sie hilft mit ihren Angeboten, Einsamkeit zu verhindern und somit das Risiko für Folge-Schlaganfälle zu reduzieren. Werden auch Sie aktiv:

ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer

: Ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer

In vielen Regionen Deutschlands bietet die Schlaganfall-Hilfe eine Ausbildung für ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer an. Lokale Kooperationspartner organisieren die Schulungen und vermitteln Helfer und Betroffene. Auch online können Sie die Ausbildung absolvieren. Die Helfer unterstützen die Betroffenen in ihrem Alltag, gehen mit ihnen zum Beispiel spazieren, helfen beim Einkaufen oder absolvieren Gedächtnisübungen. Helfer kann jeder werden, der Freude an Kontakt mit anderen Menschen hat.

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Selbsthilfegruppen

: Selbsthilfegruppen

Die Stiftung begleitet mehr als 350 Selbsthilfe-Gruppen in ganz Deutschland. Dort sind über-wiegend Betroffene und Angehörige aktiv – aber nicht nur. Viele Gruppen freuen sich über Ehrenamtliche, die Fahrdienste übernehmen oder bei der Organisation von Veranstaltungen unterstützen. Fragen Sie mal nach – vielleicht wird auch in Ihrer Nähe eine helfende Hand benötigt.

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Schlaganfall-Lotsen

: Professionelle Schlaganfall-Lotsen

Sie begleiten Patienten ein Jahr lang nach dem Schlaganfall. Verbreiten Sie unsere Idee in Ihrem Netzwerk und über soziale Medien, damit Patienten ein Recht auf Begleitung erhalten.

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Ab 30. April werden Sie auf dieser Aktionsseite weitere Inhalte finden:

  • Pressemeldung zum Tag gegen den Schlaganfall 2021
  • Hörfunkbeitrag
  • Videobotschaft von Liz Mohn, Präsidentin der Schlaganfall-Hilfe
  • Interview mit einer Psychologin
  • Geschichten von Menschen, die sich kümmern
Jens Hughes

Kontakt zu Jens Hughes