Ein Schlaganfall hat medizinische, aber auch soziale Folgen. Er verändert die Rollen von Partnern, Kindern und Eltern. Sie werden zu Begleitern, Organisatoren, Mutmachern – und nicht selten zu Pflegekräften. Was zunächst selbstverständlich erscheint, wird für viele Familien zu einer Aufgabe, die Jahre dauert und das gesamte Leben verändert.
Pflegende Angehörige: eine tragende Säule des Systems
Pflegende Angehörige sind eine tragende Säule unserer Gesundheitsversorgung. Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig.
Etwa vier Millionen dieser Menschen werden zu Hause durch Angehörige versorgt. Ohne ihr Engagement würde das Versorgungssystem nicht funktionieren. Trotzdem bleiben sie meist unsichtbar. Ihre Leistung wird als selbstverständlich angesehen, ihre Belastung erst wahrgenommen, wenn die eigenen Kräfte erschöpft sind.
Eine Befragung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe unter fast 400 pflegenden Angehörigen von Schlaganfall-Betroffenen macht sichtbar, was hinter dieser Verantwortung steckt. Die Ergebnisse erzählen von Menschen, die sich Woche für Woche viele Stunden kümmern – häufig über Jahre hinweg. Sie verzichten auf Freizeit, verschieben berufliche Pläne, stellen die Bedürfnisse ihrer Familie zurück und organisieren gleichzeitig Arzttermine, Therapien, Anträge und den Alltag eines geliebten Menschen.
Wenn aus Liebe eine Lebensaufgabe wird
Bemerkenswert ist dabei die Haltung der Angehörigen. Die überwältigende Mehrheit hat die Pflege aus eigener Überzeugung übernommen. Nicht Pflichtgefühl, sondern Verbundenheit und Liebe sind für viele die stärksten Beweggründe. Gleichzeitig berichten zahlreiche Befragte, dass die gemeinsame Bewältigung der Erkrankung ihre Beziehung sogar vertieft hat. Pflege bedeutet deshalb weit mehr als Hilfe im Alltag – sie ist Ausdruck von Verantwortung, Nähe und Zusammenhalt.
Doch selbst die größte Kraft braucht Unterstützung. Viele Angehörige fühlen sich körperlich und seelisch belastet. Ihre Lebensqualität ist deutlich geringer als die der Allgemeinbevölkerung. Besonders belastend empfinden viele den Weg durch ein unübersichtliches Hilfesystem: Komplizierte Anträge, unklare Zuständigkeiten und lange Wartezeiten rauben Zeit und Energie – genau die Ressourcen, die eigentlich für den Menschen gebraucht werden, den sie begleiten.
Die Ergebnisse der Befragung zeigen: Pflegende Angehörige brauchen Anerkennung, verständliche Informationen und verlässliche Entlastungsangebote. Und sie brauchen gute Ratgeber, die sie rechtzeitig darauf hinweisen, auf sich selbst zu achten.
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