Thrombolyse bei Schlaganfall per MRT behandeln

Thrombolyse bei Schlaganfall: Ablauf, Zeitfenster und Ausschlusskriterien

Eine Thrombolyse kann ein Blutgerinnsel nach einem Schlaganfall auflösen. Sie muss möglichst früh erfolgen und ist nicht für alle Betroffenen geeignet. Ob die Behandlung infrage kommt, entscheiden Ärztinnen und Ärzte anhand verschiedener medizinischer Kriterien.

  • Eine Thrombolyse kann bei einem ischämischen Schlaganfall ein Blutgerinnsel medikamentös auflösen.
  • Sie sollte so früh wie möglich beginnen, normalerweise innerhalb von viereinhalb Stunden.
  • In ausgewählten Fällen ist sie mithilfe spezieller Bildgebung auch später möglich.
  • Ob eine Lyse durchgeführt werden kann, entscheiden Ärztinnen und Ärzte nach Bildgebung, Blutuntersuchungen und einer individuellen Abwägung des Blutungsrisikos.


Was ist eine Thrombolyse?

Eine Methode, um die Durchblutung des betroffenen Gehirnbereichs wiederherzustellen, ist die Thrombolyse (auch „Lyse“ abgekürzt).

 

Wie wird eine Thrombolyse durchgeführt?

Dabei wird ein Medikament (entweder Alteplase oder Tenecteplase) verabreicht, das das Gerinnsel auflösen soll – entweder über die Vene in den gesamten Körper (systemische Thrombolyse) oder mittels Katheter direkt in das verschlossene Gehirngefäß.

 

Neben Alteplase steht inzwischen auch Tenecteplase für die Thrombolyse nach einem akuten Schlaganfall zur Verfügung.

Mehr über die Zulassung von Tenecteplase



Wie groß ist das Zeitfenster für die Thrombolyse?

Das Zeitfenster für die Thrombolyse ist eng. Die Therapie sollte möglichst innerhalb von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Schlaganfall-Symptome beginnen. Je früher die Therapie beginnt, desto besser sind in der Regel die Behandlungserfolge.

 

Wichtig: 

Bei Anzeichen eines Schlaganfalls sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden. Betroffene und Angehörige sollten nicht selbst anhand möglicher Ausschlusskriterien abwägen, ob eine Behandlung infrage kommt. Diese Entscheidung kann nur in der Klinik getroffen werden.



Wann ist eine Thrombolyse nicht möglich?

Diese Lysetherapie ist nicht für alle Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten geeignet, denn unter bestimmten Umständen kann sie schwere Blutungen auslösen.

 

Ausschlusskriterien Thrombolyse

Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten, auf die eines der folgenden Kriterien zutrifft, dürfen in der Regel nicht mit einer Thrombolyse behandelt werden:

  • Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung statt Gefäßverschluss)
  • Bereits ausgedehnter Hirninfarkt in der Bildgebung – d.h. ein großer, bereits abgestorbener Hirnbereich, der in CT oder MRT sichtbar ist und kein rettbares Gewebe mehr erkennen lässt
  • Hirnblutung in der Vergangenheit
  • Blutdruck über 185 zu 110 mmHg, der trotz Behandlung nicht sinkt
  • Blutzuckerwert niedriger als 50 mg/dl oder höher als 400 mg/dl
  • Operation am Kopf oder Rückenmark innerhalb der letzten drei Monate
  • Schädel-Hirn-Trauma innerhalb der letzten drei Monate
  • Herzinnenhautentzündung (Endokarditis)
  • Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse
  • Krankhafte Erweiterung der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)
  • Aktuelles Magen-Darm-Geschwür
  • Schwere innere Blutungen innerhalb der letzten 21 Tage
  • Schwere Lebererkrankung
  • Anzahl der Blutplättchen unter 100.000 pro Mikroliter Blut

 

Ist eine Thrombolyse trotz Marcumar möglich?

Bei Einnahme des Gerinnungshemmers Marcumar (Phenprocoumon) ist eine Thrombolyse nicht grundsätzlich ausgeschlossen: Liegt der INR-Wert – ein Maß für die Blutgerinnung – bei 1,7 oder darunter, kann die Therapie trotzdem in Betracht kommen. Erst ein höherer INR-Wert gilt als Ausschlusskriterium.

 

Wann wird individuell über eine Thrombolyse entschieden?

Bei Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten, auf die eines der folgenden Kriterien zutrifft, ist die Entscheidung für oder gegen eine Thrombolyse immer eine Einzelfallentscheidung, die die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in der Klinik treffen müssen:

  • Sehr leichter oder sehr schwerer Schlaganfall
  • Früherer Schlaganfall bei gleichzeitig bestehendem Diabetes mellitus
  • Vorheriger Schlaganfall innerhalb der letzten drei Monate
  • Epileptischer Anfall bei Symptombeginn
  • Größeres Aneurysma oder fehlgebildete Hirngefäße
  • Anzeichen für brüchige Gefäße
  • Verlängerte Blutungszeit
  • Einnahme sogenannter „neuer“ oraler Antikoagulanzien (DOAK – direkte orale Antikoagulanzien) innerhalb der letzten 48 Stunden
  • Größere Operation oder schwereres Trauma innerhalb der letzten drei Monate
  • Einlage eines Katheters in eine schwer komprimierbare Arterie innerhalb der letzten sieben Tage
  • Bösartige Erkrankung mit erhöhtem Blutungsrisiko
  • Schwangerschaft

 

Können Thrombolyse und Thrombektomie kombiniert werden?

In bestimmten Fällen wird die Thrombolyse auch mit einer Thrombektomie kombiniert: Bei einem großen Gefäßverschluss führt die Thrombektomie nicht immer zum vollständigen Erfolg, etwa wenn zusätzlich kleinere, benachbarte Arterien verschlossen sind. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass eine zusätzliche Thrombolyse nach der Thrombektomie in solchen Fällen die Erfolgsaussichten verbessern kann. Unter welchen Voraussetzungen diese Kombinationstherapie sinnvoll ist, wird derzeit noch erforscht.

 



Erst Katheter, dann Medikament?

Kann eine zusätzliche Thrombolyse nach einer Thrombektomie die Behandlungsergebnisse verbessern? Erste Studien liefern vielversprechende Hinweise. Noch ist jedoch nicht abschließend geklärt, für welche Patientinnen und Patienten dieses Vorgehen geeignet ist.

Mehr über die Erkenntnisse zur Kombination beider Behandlungen



Dieser Text ist mit der freundlichen Unterstützung von Dr. med. Peter Grein, Chefarzt der Neurologie mit DSG zertifizierter Stroke Unit an der Ilmtal Klinik in Pfaffenhofen an der Ilm, entstanden.