Viele Angehörige übernehmen nach einem Schlaganfall regelmäßig Aufgaben in der Pflege, Betreuung und Unterstützung. Wie erleben sie diese Situation? Was gibt ihnen Kraft, was belastet sie – und welche Auswirkungen hat die Pflege auf ihre Lebensqualität, ihre Familie und ihren Beruf?

 

Dazu hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe im Sommer 2025 eine Online-Befragung durchgeführt. Auf dieser Seite stellen wir ausgewählte Ergebnisse vor.

Die Befragung in Kürze

Sommer 2025
Online-Befragung von Angehörigen von Menschen mit Schlaganfall

479 Personen
aus ganz Deutschland haben die Befragung vollständig ausgefüllt.

393 pflegende Angehörige
übernehmen regelmäßig Aufgaben der Pflege, Betreuung oder Unterstützung.

Die auf dieser Seite dargestellten Ergebnisse beziehen sich auf diese 393 pflegenden Angehörigen.

 

Vorgestellt werden ausgewählte Ergebnisse zur Lebensqualität, zu Belastungs- und Entlastungsfaktoren sowie zu den Auswirkungen der Pflege auf Familie und Beruf.

Wer wurde befragt?

Die pflegenden Angehörigen

Die Pflege und Unterstützung wird überwiegend von Ehe- oder Lebenspartnerinnen und -partnern übernommen. 77 Prozent der pflegenden Angehörigen sind Frauen, die Mehrheit lebt mit der betroffenen Person in einem Haushalt. Im Durchschnitt wenden sie 35 Stunden pro Woche für Pflege, Betreuung und Unterstützung auf. Die Pflegesituation besteht durchschnittlich seit 5,8 Jahren.

 

Die Menschen mit Schlaganfall

Die Angaben zu den Menschen mit Schlaganfall wurden von den befragten Angehörigen gemacht. 

Im Durchschnitt waren die Betroffenen 71,5 Jahre alt. Der erste Schlaganfall lag durchschnittlich 6,2 Jahre zurück; die Mehrheit lebte weiterhin in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus.

 

Ergebnisse zur Lebensqualität

Die Lebensqualität der pflegenden Angehörigen wurde mit dem EQ-5D-Fragebogen in fünf Bereichen erfasst:

  • Mobilität
  • Selbstversorgung
  • alltägliche Tätigkeiten
  • Schmerzen und körperliche Beschwerden
  • Angst und Niedergeschlagenheit

 

Die Befragten konnten jeweils angeben, ob sie in diesen Bereichen keine, leichte, mäßige, große oder extreme Probleme haben.

 

Im Vergleich zu Befragungen der deutschen Gesamtbevölkerung zeigen die Ergebnisse, dass pflegende Angehörige häufiger gesundheitlich beeinträchtigt sind und eine geringere Lebensqualität haben.

 

 

„Kraftspender“ und „Kräftezehrer“

Was pflegenden Angehörigen Kraft gibt – und was sie belastet

Die Befragung sollte auch zeigen, welche Faktoren pflegende Angehörige entlasten und welche sie belasten. Dafür wurde ein Fragebogen verwendet, den das Zentrum für Qualität in der Pflege für die Pflegeberatung entwickelt hat.

 

Die Entlastungsfaktoren – die „Kraftspender“ – wurden in den Bereichen innere Haltung und Energiequellen erfasst. Bei den Belastungsfaktoren – den „Kräftezehrern“ – ging es um Schwierigkeiten im Umgang mit der Person mit Schlaganfall sowie um die allgemeine Belastung der Lebenssituation.

 

Zu jedem Bereich bewerteten die pflegenden Angehörigen fünf Aussagen mit „ja“, „eher ja“, „eher nein“ oder „nein“.

 

 

Kraftspender



Kräftezehrer

Ergebnisse zu Familie und Pflege

Nur 9 Prozent der pflegenden Angehörigen berichten, dass sich in ihrer Familie nichts verändert hat.

 

Auswirkungen auf Zeit, Familie und Kontakte

  • weniger Freizeit: 73 %
  • weniger soziale Kontakte: 61 %
  • weniger Zeit für die eigene Familie: 40 %
  • weniger finanzielle Mittel: 39 %
  • weniger gemeinsame Zeit als Familie: 31 %
  • weniger Zeit für die Kinder: 20 %

 

Weitere Veränderungen im Alltag

  • veränderte alltägliche Abläufe: 61 %
  • kein Erholungsurlaub möglich: 43 %
  • Hobbys aufgegeben: 41 %
  • kein Familienurlaub möglich: 24 %
  • Aufgaben müssen andere übernehmen: 22 %
  • negative Auswirkungen auf andere Familienmitglieder: 10 %

 

Ergebnisse zu Beruf und Pflege

Auswirkungen auf das Berufsleben

Mehr als die Hälfte der befragten pflegenden Angehörigen ist neben der Pflege erwerbstätig: 29 Prozent arbeiten in Vollzeit, 24 Prozent in Teilzeit.

 

Die Pflege wirkt sich bei vielen auch auf das Berufsleben aus. 22 Prozent berichten, dass sich beruflich nichts verändert hat. Andere haben ihre Arbeitszeit angepasst oder berufliche Nachteile erlebt:

  • 20 % haben ihre Arbeitszeit dauerhaft reduziert.
  • 11 % arbeiten häufiger von zu Hause aus.
  • 10 % sehen ihren weiteren Karriereweg eingeschränkt.
  • 7 % haben ihre Arbeitszeit zeitweise reduziert.
  • Bei 7 % ist der bisherige Karriereweg beendet.
  • 6 % haben den Arbeitgeber gewechselt.
  • 4 % überlegen, ihre Arbeit aufzugeben.
  • 2 % haben ihre Arbeit bereits aufgegeben.

 

Gesetzliche Regelungen werden kaum genutzt

Vorhandene gesetzliche Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege werden nur selten in Anspruch genommen. Weniger als ein Prozent der Befragten hat eine vollständige oder teilweise Reduzierung der Arbeitszeit nach dem Pflegezeitgesetz genutzt.

 

Unterstützung und Entlastung

Hilfen für pflegende Angehörige

Die Ergebnisse zeigen, wie stark die Pflege das Leben vieler Angehöriger beeinflusst. Verschiedene Leistungen und Angebote können dabei helfen, Aufgaben zu verteilen, Freiräume zu schaffen und die eigene Gesundheit zu stärken.

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