Schlaganfall-Lotsen begleiten Betroffene und ihre Angehörigen bis zu 12 Monate lang nach ihrem Schlaganfall. Sie unterstützen Betroffene vom Klinikaufenthalt über die Reha bis hin zur häuslichen Nachsorge. Dabei navigieren die Lotsen betroffene Menschen durch die oft komplexe Welt der Therapie, Rehabilitation und Sozialleistungen. Das erste Schlaganfall-Lotsen-Projekt Deutschlands startete 2011 am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.
Uwe Helbig war von Anfang an dabei. Der gelernte Anästhesie- und Intensivpfleger arbeitete bereits vor Projektstart auf der anästhesiologischen Intensivstation der Uniklinik. Weil er außerdem zuvor eine Weiterbildung im Case Management (Arbeitsweise der Lotsen) absolviert hatte, wählte ihn sein Arbeitgeber als ersten Lotsen aus. Ein weiterer Vorteil: Mit der Akutversorgung von Schlaganfall-Betroffenen war Helbig durch seine Zeit auf der Intensivstation bereits vertraut. „Die Nachsorge war aber völliges Neuland für mich“, erinnert er sich an die Anfangszeit.
Das Dresdener Lotsen-Projekt gibt es bis heute – auch dank der Unterstützung der Klinikdirektion. Denn seit Auslaufen der ersten Fördergelder finanzieren sich die Dresdener Schlaganfall-Lotsen über Drittmittelprojekte oder eigene Mittel des Uniklinikums. Seit 2015 gibt es zudem einen sogenannten Selektivvertrag mit der AOK PLUS. Aktuell ist das Lotsen-Team um Uwe Helbig zu viert. Und sie betreuen nicht nur Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten aus Dresden. „Wir haben verschiedene Kooperationen mit Kliniken in Ost- und Mittelsachsen“, erklärt Helbig. So können die Lotsen Betroffene aus einem Umkreis von bis zu 40 Fahrtminuten um die Landeshauptstadt herum begleiten.
Was ist für ihn das Reizvollste an seinem Beruf?
Ein Unterstützungsnetzwerk für Schlaganfall-Betroffene zu initiieren und wachsen zu sehen, das bis heute Bestand hat.
Zu diesem Netzwerk gehören neben Fachleuten aus Medizin und Therapie auch Selbsthilfegruppen und ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer. Sie begleiten Betroffene und ihre Angehörigen ehrenamtlich im Alltag. Mehrere dieser Angebote gäbe es ohne Helbig gar nicht. Zum Beispiel war er an der Umsetzung des Dresdener Helfer-Projekts, ebenfalls eine Kooperation mit der Schlaganfall-Hilfe, beteiligt.
Außerdem gründete Uwe Helbig 2012 eine Selbsthilfegruppe für Schlaganfall-Betroffene. Die Idee entstand auf der Rückreise von einer Austauschveranstaltung für Betroffene. Nach dem Helbig Aufbauarbeit geleistet hat, organisiert sich die Gruppe mittlerweile selbstständig. Der Dresdener findet: „Es ist eine der schönsten Erfahrungen während meiner Zeit als Schlaganfall-Lotse, dass die Gruppe jetzt auf eigenen Füßen steht.“