Die ehrenamtliche Dauerbrennerin

Petra Gottwald aus Berlin-Marzahn hatte selbst einen Schlaganfall, der sie zunächst halbseitig gelähmt hatte. Lange ist das her: lange 23 Jahre. Seit damals hat sie sich viele ihrer Fertigkeiten zurückerobert – und hilft auch anderen Betroffenen dabei.

Einige Folgen sind geblieben

Ganz ungeschehen aber kann sie den Vorfall von damals nicht machen: „Ich irre mich oft bei Zahlen und Uhrzeiten“, beschreibt sie ein gebliebenes Alltagsproblem, dass sie schon mal eine Stunde später als vereinbart irgendwo erscheinen lässt. „Ich reagiere in manchen Dingen nicht normal“, sagt sie wohl wissend, dass es schlimmer sein könnte.

 

Schnell Kontakt zur Selbsthilfe

Nach der Akut-Behandlung kam Petra Gottwald in eine Ambulanz-Reha: „Mein rechtes Bein, mein rechter Arm, beides funktionierte nicht“, erinnert sie sich an die Zeit. Und sie weiß auch, dass sie damals das erste Mal in der Reha von dieser Selbsthilfegruppe gehört hatte. Dort kam sie bald an, nicht zuletzt, weil sie ein Lebensmotto antrieb: „Du musst dir immer etwas suchen, was Freude macht. Das ist wichtig“, ist sie überzeugt.

 

Petra übernimmt die Leitung

Petra Gottwald ist eine 70-jährige Frau der Zuversicht. Das gehöre zu ihrer Mentalität, diese Absicht, aus dem Negativen möglichst etwas Gutes zu machen. Als die damalige Leitung der Selbsthilfegruppe aufhörte, fragte die noch Neue reflexartig: „Wer macht denn nun den Job?“ Mit der typisch berlinerischen, schroffen Antwort hätte sie rechnen müssen: „Immer der, der fragt…“, hatte irgendwer aus der Gruppe ihr zugerufen – und schon hatte Petra Gottwald ihre neue Aufgabe. 

 

Kürzer treten nach 20 Jahren

Seitdem hatte sie die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe mit dem Namen „Trotz Schlaganfall sinnvoll leben“ geleitet, gute 20 Jahre lang. Erst im vergangenen Jahr legte sie das Ehrenamt nieder, das sie bis dahin mit hohem Anspruch ausfüllte:

Ich möchte immer gute Arbeit machen.
Petra Gottwald

Und sie deutet an, dass es ihr am Ende vielleicht ein bisschen viel war – vollkommen legitim nach der langen Zeit.

 

Unter Corona niemanden vergessen

Teilnehmende berichten, dass Petra Gottwald es war, die die Gruppe immer zusammengehalten hat. Sie gab immer wieder Impulse, führte einen Telefonchat für die Gruppenmitglieder ein, verschickte auch mal Rätselbücher, damit alle etwas hatten, was sie kopfmäßig forderte. Sie sei als Leitung immer voller Empathie gewesen – und das auch in wirklich schwierigen Zeiten: Unter Corona hatte Petra Gottwald selbst intensiv gelitten, die Gruppe aber nicht wirklich aus den Augen gelassen. „Ich wollte nicht, dass jemand auf der Strecke bleibt“, beschreibt sie ihre damalige Motivation. 

 

Gegenseitiger Halt

Daran, dass Selbsthilfegruppen ein ganz wichtiges Instrument für Schlaganfall-Betroffene sind, lässt Petra Gottwald keinen Zweifel: „Man ist unter Seinesgleichen, redet darüber, wie es einem gerade geht – und jeder in der Gruppe weiß sofort, was man meint“, sagt sie. Manchmal sei es eben so, dass man als Schlaganfall-Patient den Mut verliere. Aber wenn man dann sehen würde, was andere durchmachen müssten, dann gehe es erstmal wieder.

 

Glückliches Leben in Marzahn

Dass Petra Gottwald als Gruppenleiterin Langstrecke absolviert hat, ist ihr gar nicht so bewusst. „Die gut 20 Jahre sind so an mir vorbeigehuscht“, lacht sie. Ihr Schicksal hat die 70-jährige längst angenommen - und sie hat es in ihr Leben integriert, wie das private Leben in der Platte. Danach gefragt, sagt sie blitzschnell „WBS 71“, was so nur Menschen aus dem Osten verstehen. WBS 71 ist die Typbezeichnung des 11-stöckigen Plattenbaus, von dem Petra Gottwald sagt: „Wir fühlen uns hier wohl und sind im Grünen.“ 

 

Ihre meist glückliche Welt ist die Welt von Marzahn – und die Selbsthilfegruppe gleich nebenan in Hohenschönhausen, der sie aus ganzem Herzen und lange ihren sehr wohlwollenden Stempel aufgedrückt hat. Wenn der Schlaganfall zum Marathon (ver-)führt…

 



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