Koma statt Karriere
Mai 2004: Nico ist 29. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag steht er am Beginn einer vielversprechenden Karriere. Doch von einer Sekunde auf die andere ändert sich alles in seinem Leben. Die Ursache seiner so genannten Subarachnoidalblutung ist bis heute ungeklärt. Die Blutung führt zu einem Hirnstamminfarkt. Nico Mohr fällt ins Koma, wird beatmet, vier Wochen lang ist er bewusstlos. Die Prognose sieht düster aus. „Nach den vier Wochen war ich ein Pflegefall – davon ging man aus“, erinnert er sich.
Die Lähmung ist geblieben
Doch der Hallenser hat sich über viele Jahre mühsamer Rehabilitation zurück ins Leben gekämpft. Auch wenn ihn die halbseitige Lähmung bis heute, mehr als 20 Jahre später, stark behindert. Was ihn antreibt, ist seine eigene Erfahrung. Er hat erlebt, wie schwer der Weg nach der Akutversorgung für Betroffene und Angehörige sein kann. Aus dieser Erfahrung ist eine Aufgabe gewachsen, die jetzt sein neues Leben prägt.
Nico kümmert sich um die Nachsorge
Als Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt der Schlaganfall-Selbsthilfe hat er gemeinsam mit vielen Mitstreitern ein Netzwerk geschaffen, das Betroffene nicht allein lässt. 2017 entstand die Schlaganfall-Allianz Sachsen-Anhalt – ein Zusammenschluss von Ärzten, Therapeuten, Selbsthilfe und weiteren Akteuren. Ziel ist es, die Versorgung nach dem Klinikaufenthalt zu verbessern und Versorgungslücken zu schließen. „Ich kümmere mich darum, dass da ein gescheiter Pfad für die Nachsorge aufgebaut wird“, sagt er.
Die Fragen kommen nach der Reha
In Kooperation mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bildet der Landesverband regelmäßig ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer aus. Zweimal wöchentlich ist Nico jetzt auf den beiden Stroke Units (Schlaganfall-Stationen) in Halle, im Klinikum Bergmannstrost und im Christlichen Klinikum. Dort bietet er den Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten und deren Angehörigen die Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer in der Nachsorge an.
Beratung und Vermittlung von Hilfen
„Meist werden wir mit Anrufen bombardiert, sobald die Leute aus der Reha kommen“, erklärt Nico. Viele Fragen stellen sich erst bei der Rückkehr nach Hause, angefangen bei Arztbriefen, die kaum jemand versteht. Gemeinsam mit seinem Team berät er Betroffene, vermittelt Kontakte zu Schlaganfall-Helfern und ebnet den Weg in die Selbsthilfe. Allein in der Klinik in Halle-Dölau hatte er im vergangenen Jahr rund 500 Patientenkontakte. „Bisher erhalten wir nur positives Feedback“, freut sich Nico Mohr.
Nico hält Vorträge an der Uni
Sein Wissen gibt er auch an künftige Fachkräfte weiter. Gemeinsam mit Prof. Wohlfahrt vom Klinikum Bergmannstrost hält er Vorträge vor Medizinstudierenden und berichtet aus der Praxis, was Schlaganfall-Betroffene brauchen. Darüber hinaus ist Nico Mohr ein wichtiges Gesicht der Selbsthilfe in Sachsen-Anhalt. Er vertritt den Verband in der Öffentlichkeit, organisiert Veranstaltungen und bringt Betroffene zusammen.
Anerkennung für einen Teamplayer
Heute ist Nico Mohr 51 Jahre alt, Vater von drei Kindern und in zweiter Ehe verheiratet. Er ist ein Teamplayer, das macht er immer wieder deutlich. Dass er für den Motivationspreis der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert wurde, sieht er vor allem als Anerkennung der gemeinsamen Arbeit vieler Engagierter. „Ich bin prinzipiell kein Mensch, der nach solchen Preisen strebt“, sagt er.
Aber ich freue mich, wenn ich mit meiner Geschichte ein bisschen zur Aufklärung und Verbesserung der Versorgung beitragen kann.