Digitale Lebenshilfe kostenlos auf Rezept

Es ist eine dieser Gründergeschichten. Apple hat in der Garage angefangen – RTL auch. Bei Limedix war es keine Garage. Aber sonst könnte es ganz ähnlich weitergehen.

Limedix/Neolexon

Idee im Urlaub auf Sizilien

Bei der Firma Limedix aus München war es ein Urlaub auf Sizilien, den die Firmengründerinnen Dr. Hanna Jakob und Dr. Mona Späth miteinander verbrachten – zunächst nicht wissend, dass sie dort den gedanklichen Grundstein für ein sehr hilfreiches Unternehmen legen würden. Beide kamen aus der Sprachtherapie, wussten um die Themen in der ambulanten Praxis und hatten schnell festgestellt, dass es digital kaum Hilfreiches für Schlaganfallpatienten gab.

 

„Wir sind einfach losgelaufen“

Im Urlaub wurde aus der Mangelfeststellung ein Plan, der später verfeinert werden sollte: Es müsse doch möglich sein, den Aphasie-Patienten Tablets an die Hand zu geben, mit denen sie eigenständig üben können, um Verlorengegangenes wiederzuerlangen. „Dann sind wir einfach losgelaufen, haben ein Team gebildet, einen Businessplan geschrieben, ganz ohne BWL-Kenntnisse übrigens – ja, und 2017 ging dann unsere App an den Start“, beschreibt Mona Späth die Aufbruchstimmung.

 

Vielen Praxen einbezogen

Wichtig war den Gründerinnen, dass sie mit „neolexon Aphasie“ (so der Name der Anwendung) eine App schaffen, die sich für alle Patienten eignet – ganz unabhängig von ihren Leidens- oder Schädigungsgraden. Ausprobiert hatten sie das, indem sie eine Reihe von Praxen kontaktiert und gebeten haben, die App auszuprobieren. Die hatten dankbar mitgemacht und geholfen, dass die App eine möglichst einfache Bedienbarkeit bekam.

 

App ergänzt die Therapeuten

Die App kann eine Menge – den Therapeuten oder Logopäden ersetzen aber, das kann und soll sie nicht. „Die Therapeuten sind die Experten mit der Beziehung zu den Patienten. Therapeuten stellen die App für ihre Patienten ein und nutzen so die mögliche große Individualität der Anwendung, die über eine riesige Datenbank verfügt“, erklärt Mona Späth.

 

Kostenlos für Betroffene

Der digitale Segen musste reichlich administrative Hürden nehmen, bevor er als Medizinprodukt anerkannt und im DiGA-Verzeichnis aufgenommen wurde. „Wir haben die Wirksamkeit nicht zuletzt mit einer umfassenden Studie mit 196 Patienten belegt“, so Mona Späth.

Deshalb erstatten die Krankenkassen die Kosten der App nun.
Dr. Hanna Jakob und Dr. Mona Späth

Aus der Praxis war den Gründerinnen die Unterschiedlichkeit von Aphasie-Patienten bekannt. Deshalb war es ihnen ein besonderes Anliegen war, die App für Betroffene kostenfrei zu halten. 

 

Echte Lebenshilfe für Patienten

Die Gründerinnen der Firma Limedix und der „neolexon Aphasie“-App sind ethisch anspruchsvoll. Das Unternehmen aus der Hand geben wollen sie nicht – weil nicht der schnelle Euro im Vordergrund steht, sondern eine echte Lebenshilfe. Hanna Jakob, Mona Späth und ihrem Team macht die Arbeit sehr viel Spaß. Und sie macht stolz, dass ihre App derzeit die einzige Anwendung für Aphasie-Patienten ist, die den DiGA-Status hat, also flächendeckend erstattet wird. Weil es darum geht: Möglichst unkompliziert soll ein kostenloser Weg angeboten werden, um zurück zu den früheren Fähigkeiten zu gelangen. Auf Rezept.

 



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