Ein Leben für den Fußball

Zwei Jahrzehnte lang brannte Kristiane Wolter als Trainerin für den Jugendfußball, bis eine plötzliche Hirnblutung 2025 ihre Karriere an der Seitenlinie abrupt beendete. Heute schreibt sie an einem Fußballbuch für den Nachwuchs, um ihre langjährige Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben.

Wer Fußball liebt, kennt solche Geschichten: Die Gegnerinnen hatten die Meistertrikots schon gedruckt. „Wir waren die ganze Saison hinter ihnen hergelaufen, immer ein Stück zurück, immer in der Rolle der Verfolgerinnen“, erinnert sich Wolter. Doch am letzten Spieltag machten ihre Mädchen aus Glückstadt die Sensation perfekt: Meisterschaft! „Damit habe ich nicht gerechnet“, gesteht die Glückstädterin heute rückblickend.

 

Es sind solche Momente, die Kristiane Wolter vor Augen hat, wenn sie von ihrem Sport erzählt. Sie redet nicht über Taktiken, Aufstellungen oder Trainingspläne. Sie spricht von Kindern und Jugendlichen, die über sich hinauswachsen. Von Spielerinnen und Spielern, mit denen sie bis heute Kontakt hat. Von einer Mannschaft, die am letzten Spieltag doch noch Meister wird. Von dem Gefühl, dass auf einem Fußballplatz vieles möglich ist.

 

Ihr Herz schlägt für den Fußball 

Wer Kristiane Wolter verstehen will, muss ihren Sonntagvormittag kennen. Früher gab es für die heute 57-Jährige nur eine Richtung: Ab auf den Platz. Kabinenluft, die Taktikbesprechung, Coachen an der Seitenlinie. Eigentlich hatte sie einmal Bankkauffrau gelernt, zog zwei Söhne groß und kümmerte sich um die Familie. Doch der Fußball war ihre große Leidenschaft. „Ich war schon immer ein Riesenfan“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. „Ich war nicht die Talentierteste, aber ich habe leidenschaftlich gerne Fußball gespielt.“ Auch mit ihren beiden Jungs spielte sie regelmäßig. 

 

Als in Glückstadt eine Mädchenmannschaft ins Leben gerufen wurde, fragte eine Freundin: „Willst du nicht Trainerin werden?“. Wolter fackelte nicht lange, machte ihre Trainerlizenz und übernahm die Mädchenmannschaft. „Fußball ist der einfachste und komplexeste Sport der Welt“, sagt sie rückblickend über das Spiel, für das sie jahrzehntelang an der Seitenlinie brannte.

 

Sie coachte Jugendteams jeden Alters, Jungs und Mädchen und trainierte sogar die B-Jugend in der höchsten Spielklasse Schleswig-Holsteins. Ihr allererstes Spiel als Trainerin von D-Juniorinnen verlor sie damals noch krachend mit 0:21.Später wechselte sie zum FC St. Pauli, betreute dort drei Jahre lang das Kleinfeld-Projekt „FUNiño“, leitete Fußballcamps und vermittelte Kindern Werte wie Teamgeist, Respekt und Fairplay. „Es ging mir immer um die Kinder. Die Arbeit mit ihnen war das Schönste“, sagt die leidenschaftliche Sportlerin.

 

Die Nacht, die ihr Leben veränderte

Rückblick: Es ist die Nacht auf den 31. Juli 2025. Kristiane Wolter wird um 1 Uhr nachts wach. Die Welt um sie herum schwankt heftig. „Ich schloss die Augen. Das kann nur ein Traum sein“, dachte sie. Als sie die Augen wieder öffnet, schwankt ihre Welt noch immer. Am Tag zuvor war alles wie immer gewesen: Kristiane Wolter hatte eine Präsentation über Fußball erstellt, Sport gemacht, mit ihrem Mann Abendbrot gegessen. Nichts deutete darauf hin, dass wenige Stunden später ihr bisheriges Leben auf den Kopf gestellt werden sollte. 

 

Jetzt, mitten in der Nacht geht nichts mehr: Ihr Gleichgewichtssinn ist weg, „mir wurde übel, ich konnte nicht mehr allein aufstehen“, beschreibt sie die ersten Schreckenssekunden. Sie greift zur anderen Bettseite und sagt zu ihrem Mann: „Du musst einen RTW rufen, ich habe etwas Schlimmes.“

 

Zehn Minuten später ist der Rettungsdienst da. Die Fahrt geht in die Klinik nach Itzehoe. Nach anfänglicher Suche nach der Ursache bringt eine MRT die Gewissheit: Eine Hirnblutung im Kleinhirn. Tag und Nacht folgen Kontrolluntersuchungen, um zu sehen, ob sich die Blutung weiter ausbreitet. Schließlich stoppt sie von selbst, eine Operation bleibt ihr erspart. „Ich habe wenige Schäden behalten“, sagt sie heute voller Erleichterung.

 

Abschied von der Seitenlinie

Nach dem Klinikaufenthalt stellt sich die Frage: Kann sie wieder als Trainerin arbeiten? Sie selbst hatte Zweifel: „Ich hatte im Krankenbett schon die Befürchtung, dass ich als Trainerin nicht weitermachen kann.“ In der Reha bestätigten die Ärzte ihre Befürchtung. Kristiane Wolter darf nie wieder als Fußballtrainerin auf dem Platz stehen, da sie Kopfverletzungen und Stöße durch Kopfbälle oder unbedachte Balltreffer strikt vermeiden muss. Nach zwei Jahrzehnten voller Herzblut muss die engagierte Trainerin ihre Fußballschuhe unfreiwillig an den Nagel hängen.

 

Der Fußball bleibt

Ganz losgelassen hat Kristiane Wolter den Fußball jedoch nicht. Sie schreibt an einem Kinderbuch über den Fußball, in dem sie erste Taktiken kindgerecht erklärt. In dem Werk steckt viel von ihrer Erfahrung als Trainerin. Viele ihrer ehemaligen Spielerinnen und Spieler dienen als Vorbilder für Charaktere wie Bella Bär, Willi Wolf und Freddy Frosch. Zu vielen früheren Aktiven hat „Krissy“, wie sie von ihren Spielern genannt wurde, noch heute engen Kontakt.

Das Buch ist auch ein guter Abschluss für mich mit dem Fußball.
Kristiane Wolter


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