Schnell die 112 gewählt
2021 im September hatte sie ihren Schlaganfall - in einer Zeit, in der Corona allein das Leben schon schwierig machte. Damals wollte Karla Schnabel ihrem Mann neue Schuhe vorführen, seine Meinung hören. Der guckte genau hin, fragte: „Warum ziehst du den linken Schuh an den rechten Fuß?“ Und er ahnte schnell, dass ab da jede Minute wichtig war. Als Ausbilder für Erste Hilfe hatte er die richtige Einschätzung, wählte den Notruf.
Sprachlos und gelähmt
Als Karla Schnabel zu sich kam, wunderte sie sich über alle möglichen Leute, die um sie herumstehend etwas von ihr wollten. Dann erklärten ihr diese Menschen, dass sie im Krankenhaus sei wegen eines Schlaganfalls. Das Sprechen fiel aus, Bewegungen waren nicht möglich. Eine Halbseitenlähmung sorgte dafür, dass rechts Bein, Arm und Hand nicht funktionierten. Alles wurde zur Qual – und Corona machte die Sache noch anstrengender. Auf die Anschlussheilbehandlung musste Karla Schnabel drei Wochen zuhause warten – eine Zeit, in der sich die Tochter mit ergotherapeutischen Kenntnissen um ihre Mutter kümmerte.
Plötzlich sind beide betroffen
Viel hat sie sich wiedererkämpft, vieles ist noch zu tun. Das weiß Karla Schnabel. Ihr Sprechvermögen hat sie sich wieder erarbeitet, indem sie zum Beispiel im Wörterbuch las. Ihr Mann hatte sie anfangs oft nach Berlin reingefahren, bis – ja, bis er selbst einen Schicksalsschlag erlitt: Seit einer Hirnblutung im Dezember 2025 sitzt er im Rollstuhl, muss selbst umkümmert werden.
Reha wird zur Doppelbelastung
Karla Schnabel zeigt bei aller Doppelbelastung Biss: Mittlerweile fährt sie wieder ein Stück mit dem Auto durch die Serpentinen in der Nähe, stellt das Auto dann ab, schnallt den Rucksack auf, um wenigstens ein paar Schritte zu ihrer Physio-Behandlung zu laufen.
Nominierung eigentlich anders gedacht
Für all ihren Eifer wollte ihr Mann Karla Schnabel für den Motivationspreis 2026 vorschlagen. Durch das eigene Handicap eingeschränkt, hat er dann aber seine Frau gebeten, die Bewerbung selbst vorzunehmen. Miteinander leben ist eben auch, wenn man sich mental etwas zu geben hat.
Man hält zusammen im Ort
Zusammenhalt ist in der brandenburgischen Fläche eh ein Wert an sich: Bei allen Alltagsschwierigkeiten sieht Karla Schnabel auch das Positive: Dass der Seniorenausschuss es möglich gemacht hat, dass der „Pflege vor Ort“-Bus direkt vor der Haustür der Schnabels hält, ist im wahren Wortsinn Glück im Unglück.