Neun Monate Krankenhaus und Reha
Der selbstständige Heizungsbauer ohne Vorerkrankungen wurde durch einen sehr massiven Schlaganfall 2012 förmlich umgehauen. Er lag lange im Koma, erlitt eine halbseitige Lähmung. Seine Überlebenschance wurde anfangs im einstelligen Prozentbereich gesehen. Nach neun Monaten Krankenhaus und Reha durfte er wieder nach Hause – und alles war anders als zuvor.
Jürgen Baur bekam viele Therapien, pflegende Unterstützung und einen Rollstuhl. Seine Firma musste er aufgeben. Untätig wollte er aber nicht werden, „von 150 Prozent auf null“, wie er es beschreibt, das war nicht Jürgen Baurs Ding auf Dauer. Doch der Versuch, über die Arbeitsagentur beziehungsweise das Jobcenter in eine Beschäftigung zu kommen – er scheiterte kläglich. Nach Schilderungen des Betroffenen beschränkte sich das Amt darauf, die finanziellen Verhältnisse der Familie zu erfahren und zu erfassen. Als thematisiert wurde, dass zunächst das Vermögen verwertet werde, bevor das Job-Center in die Leistung ginge, da stieg Jürgen Baur mit Zustimmung seiner Familie auf die Bremse.
Eine neue Firma mit dem Sohn
Gemeinsam mit Frau und Sohn entschied er sich für einen anderen Weg, den Baur-Weg. Der konnte nur funktionieren, weil Familie Baur großartig zusammenhält. Als der Sohn seine Ausbildung zum Heizungsbauer absolviert hatte, machten sich Vater und Sohn gemeinsam wieder selbstständig. Die neue Firma, sie besteht seit 2015, managen die beiden Unternehmer arbeitsteilig: Während der Sohn den operativen Part macht, macht der Vater bis zu vier Stunden täglich die Arbeit am Schreibtisch – und darauf Aufträge, Angebote, Bestellungen und alle anderen Verwaltungsaufgaben.
Der Familie hat er viel zu verdanken
Ohne die Familie wäre ich irgendwo im Heim.
Dankbar ist er auch darüber, „dass der Kopf einigermaßen normal blieb“. Der Mann bekommt weiter physiotherapeutische Anwendungen, er geht in die logopädische Behandlung und seine Atemtechnik wird trainiert. „Die Rehaklinik war mein Glücksfall“, sagt er, wohlwissend, dass weitere Menschen um ihn herum besondere Bedeutung für seine Genesung und seinen Lebensmut haben.
Monica Lierhaus macht Mut
So hatte er zum Beispiel Kontakt zur ebenfalls durch Schlaganfall betroffenen Fernsehmoderatorin Monica Lierhaus. „Sie hat mich sehr motiviert zum Weitermachen“, sagt er über die Begegnung. „Man darf sich nicht verstecken, man muss sich den Leuten zeigen“, ist Jürgen Baur überzeugt.
1000 Kilometer im Rollstuhl nach Kroatien
Im vergangenen Jahr hat er seine Tatkraft eindrucksvoll bewiesen. Er machte sich auf die Reise auf die kroatische Insel Murter, seiner zweiten Heimat, wie er sagt. Nicht mit dem Auto, sondern in seinem E-Rollstuhl. Eine abenteuerliche Fahrt über 1.000 Kilometer, die nach 11 Tagen und mancher Panne glücklich am Ziel endete.
Noch ein paar Jahre Arbeit
Der Mann beeindruckt eh durch seine Entschlossenheit: Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen – ja, „das könnte mein Lebensmotto sein“, sagt er. Wie lange der 1961 Geborene denn noch in der Familienfirma arbeiten wolle, wird er gefragt. Die Antwort kennzeichnet seinen intensiven Lebenswillen: „Noch ein paar Jahre. Solange ich noch gesund bin.“