Den Schlaganfall hatte niemand auf der Rechnung
Seit über 30 Jahren kennen sich Tanja Eggers und Jörg Zuber. Beide traten damals am selben Tag in dieselbe Firma ein, um ihre Karrieren zu beginnen. Sie haben damals sehr viel gearbeitet, „getrieben von Ehrgeiz, Leistungsbereitschaft und dem Spaß am Job“, wie Tanja es formuliert. Das Leben lief – und es lief auf Hochtouren: Beide heirateten andere Partner (bevor sie sich später fanden), Jörg wurde Vater von vier Kindern, er arbeitete als Geschäftsführer, sie als Prokuristin, bis dann der in ihr Leben kam, den niemand auf der Rechnung hatte: Jörgs Schlaganfall vor mittlerweile gut zehn Jahren.
Ein Haken an die Vergangenheit
Mit ihm verlor Jörg Zuber sein Sprachvermögen, und auch das Kurzzeitgedächtnis nahm Schaden. Natürlich ist das Paar durch ein Tal der Tränen gegangen, musste begreifen, reflektieren, Neues anstoßen und gestalten. Eine gemeinsame Charaktereigenschaft hat ihnen dabei sehr geholfen: Wie schon auf dem Karriereweg, so auch im Umgang mit dem Schlaganfall hatten und haben sie einen klar fokussierten Blick nach vorn. Sie haben nie daran gedacht, welche Verluste ihnen der Schlaganfall eingebracht hat, machten konsequent einen Haken an ihre Vergangenheit.
Ein Leben mit anderer Qualität
Stattdessen kam Demut in ihr Leben und Dankbarkeit darüber, dass Jörg noch lebt. Jörgs Leben bekam eine andere Qualität: Der frühere tags und nachts praktizierte Job hatte sein Ende durch den Schlaganfall bekommen; ein Hadern mit der beruflichen Vergangenheit aber gab es nicht. Vielleicht war auch da Partnerin Tanja hilfreich: Sie empfiehlt aus ihrer heutigen Perspektive als Business-Coachin ein Ritual des Abschieds, damit Neues entstehen kann.
Eine neue Aufgabe
Jörgs Sicht aufs Leben hat sich verändert: Als Frührentner mit 49 brauchte er eine neue Struktur und Aufgabe für sein Leben danach. Wenn er gefragt wird, was er so macht, antwortet der Mann im Dreiklang und auf den Punkt:
Ich war Geschäftsführer. Ich hatte einen Schlaganfall. Ich bin nun Frührentner und Ehrenamtler.
In diesem Ehrenamt, verbunden mit der Absicht, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, kommt Ginny ins Spiel.
Jörg und Ginny sind ein Team
Die Labrador-Hündin gab zunächst Jörg einfühlsam Tagesstruktur und Wertschätzung. Beide wuchsen zu einem beeindruckenden Team zusammen, wurden professionell mit Besuchshunde-Ausbildung und -Zertifikat und bereichern so nun beispielsweise Kindergärten und Altersheime.
Über den Schlaganfall sprechen
Das Trio ist sehr öffentlich - in Zeitungen, Fachbüchern, Podcasts und im TV, zum Beispiel in der ARD Wissensdoku "Mein Körper. Meine Persönlichkeit - Kann ich mich verändern?". „Einen Schlaganfall versteckt man nicht“, sind sich Tanja und Jörg einig. Es sei gesellschaftlich wichtig, darüber zu reden. Schicksalsschläge sollten sichtbar sein. Weshalb sich das Paar zur Aufgabe gemacht hat, „Leute aus ihrer ersten Welt zu sensibilisieren“. Mit dieser Haltung betreibt Tanja Eggers auch ihre nach dem Schlaganfall entstandene Selbstständigkeit: Die eigene Firma ANCORIS Consulting sei ein Ankerplatz für Führungskräfte und Menschen, die vor besonderen Herausforderungen stehen – beruflich wie persönlich.
Mittendrin im Leben
Privat ist Jörg Zuber zu der Überzeugung gelangt: „Mache es jetzt, verschiebe nichts mehr.“ Gemeinsam mit seiner Frau Tanja Eggers und Hündin Ginny liefert er täglich den Beweis: Das Trio ist mittendrin im Leben. Nach dem Schlaganfall anders. Aber gut.