Nach Sepsis und Schlaganfällen: Heike Spreter-Krick gibt Betroffenen eine Stimme

Eine Sepsis reißt Heike Spreter‑Krick aus Aying mitten aus dem Leben und löst mehrere Schlaganfälle aus. Heute gibt sie anderen Betroffenen eine Stimme.

Heike Spreter-Krick

Es ist 2021, ein Donnerstagmorgen als das Unheil seinen Lauf nimmt. Heike Spreter-Krick sitzt beim Frühstück in der Hütte der Schweizer Alm, auf der sie während der Corona-Pandemie arbeitet. Plötzlich sind da diese starken Schluckbeschwerden. Dazu kommt das Gefühl: „Ich komme gar nicht mehr richtig in die Pötte“, erinnert sich Spreter-Krick. Und ihr Zustand wird von Tag zu Tag schlechter. Zunächst kommt noch Schüttelfrost hinzu, am Samstag kann sie schließlich nicht mehr stehen und ihr Arm schmerzt. Hier endet Spreter-Kricks Erinnerung fürs Erste: „Ich bin dann in ein schwarzes Loch gefallen.“

 

Per Hubschrauber wird sie von der Alm ins Krankenhaus nach Luzern geflogen. Erst dort kommt Heike Spreter-Krick wieder zu sich – und erhält die Diagnose „Sepsis“, im Volksmund auch als Blutvergiftung bekannt. Für die damals 51-jährige beginnt damit ein Marathon aus Reha und Therapien. Sie ist so beschäftigt, dass sie erst bei einem Besuch in der Schweizer Klinik ein Jahr nach den Ereignissen von den Schlaganfällen erfährt, die die Sepsis ausgelöst hat.

 

Die Folgen von Sepsis und Schlaganfall sind für Heike Spreter-Krick dafür umso präsenter. Mühsam lernt sie wieder laufen und kämpft gegen ihre Schluckstörungen. Als besonders hartnäckig erweisen sich bei ihr ausgerechnet unsichtbare Folgen, wie unter anderem Erschöpfung und Wortfindungsstörungen. Sie wollen einfach nicht verschwinden. Da es für Sepsis keine strukturierte Nachsorge gibt, dauert es lange bis Spreter-Krick einen Neurologen findet, der ihre dauerhaften Einschränkungen durch einen Test bestätigt. Die Ergebnisse sind eine Erleichterung für sie: „Endlich hatte ich es schwarz auf weiß.“ 

 

Gleichzeitig wird Heike Spreter-Krick klar: „Ich muss da jetzt etwas aufbauen.“ Anderen Betroffenen soll ihr Leidensweg erspart bleiben. Dazu möchte sie das Thema Sepsis sichtbarer machen, Betroffenen eine Stimme geben und Akteure rund um die Erkrankung miteinander vernetzen. Der erste Schritt: Ihr Buch „Überlebenskampf Sepsis“. 

 

Daraus entsteht die Plattform „Sepsishelden“. Auf dieser möchte Heike Spreter-Krick Betroffenen Mut machen und zeigen, dass das Leben auch nach einer Sepsis und trotz aller Einschränkungen absolut lebenswert ist. Einen Podcast, einen monatlichen Expertentalk und eine Community für Betroffene, den Sepsishelden-Club, hat sie schon ins Leben gerufen. Perspektivisch soll daraus ein digitales Nachsorgeprojekt einstehen. 

Ich denke, das ist nicht nur für mich, sondern auch für andere Betroffene wertvoll.
Heike Spreter-Krick

Auch politisch bringt Heike Spreter-Krick das Thema Sepsis voran. Mit ihrem Verein „Team Stop Sepsis“, der sich derzeit in Gründung befindet, initiierte sie zusammen mit dem Abgeordneten Bernhard Seidenath am 16. Juli den ersten Bayerischen Sepsis Gipfel im Bayerischen Landtag.  Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Krankenkassen kamen dort zusammen. Das Ziel: Bayern soll zum Vorreiter für den Nationalen Sepsis-Plan werden.

 



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