Fast 20 Jahre ist Guido Kiskers Schlaganfall jetzt her. Im August 2006 möchte der damals 43-Jährige gerade den Fernseher ausschalten, als er plötzlich merkt: Er weiß gar nicht mehr, wie das geht. Auch seine Sprache ist von einem Moment auf den anderen verschwunden. Der Meerbuscher kommt sofort ins Krankenhaus. Hier folgt die Diagnose: Schlaganfall, ausgelöst durch einen Nierentumor.
Trotz schneller Behandlung im Krankenhaus und anschließender Reha hat der Schlaganfall bleibende Folgen für Guido Kisker. Besonders beeinträchtigt ihn seine Sprachstörung (Aphasie). Ein Erlebnis ist ihm eindrücklich in Erinnerung geblieben. Als er im Supermarkt an der Fleischtheke Schwierigkeiten bei der Bestellung hat, bekommt er vom Personal zu hören: „Kommen Sie wieder, wenn Sie nüchtern sind.“ Doch Kisker gibt nicht auf. Fortan hat er für ähnliche Situationen einen Zettel mit der Aufschrift „Ich hatte einen Schlaganfall, deshalb habe ich Sprachprobleme.“ dabei. „Das sorgt für ein ganz anderes Miteinander“, beobachtet er.
Gegen seine Aphasie erhält Guido Kisker Logopädie (Sprachtherapie). Und die erweist sich nicht nur für seine Sprechfähigkeit als nützlich. Denn in der Praxis lernt er andere Betroffene kennen. Gemeinsam beschließen sie: „Wir gründen eine Selbsthilfegruppe.“ Im April 2009 legt die Gruppe „Aphasie-Selbsthilfe Meerbusch-Lank“ los. Zunächst sind sie nur zu dritt. Doch nach und nach wächst die Gruppe. Heute zählt sie 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Zweimal im Monat treffen sie sich. Mit der Zeit wird Kisker zum Leiter der Selbsthilfegruppe. Neben der gegenseitigen Unterstützung hat die Gruppe vor allem ein Ziel:
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben hier den Freiraum auszureden, ganz egal wie lange es dauert.
Die Meerbuscher Selbsthilfegruppe ist jedoch nicht Guido Kiskers einziges Engagement. Als er erfährt, dass seine Gruppe die einzige Gruppe zu den Themen Aphasie und Schlaganfall im ganzen Rhein-Kreis Neuss ist, wird er aktiv. Er macht sich auf die Suche nach einem geeigneten Treffpunkt und gründet in Neuss eine weitere Selbsthilfegruppe, dieses Mal für Schlaganfall-Betroffene. Seit 22. April dieses Jahres trifft sich die Gruppe jeden vierten Mittwoch im Monat. Warum Guido Kisker sich so engagiert? „Mein Anspruch ist es, anderen Betroffenen zu helfen“, so Kisker. „Das gibt mir Antrieb, das spornt mich an.“