Man muss Angehörigen einbeziehen
Die Nominierung macht deutlich: Neuropsychologische Störungen wie eine Persönlichkeitsveränderung belasten selten nur die Betroffenen. „Ich habe sehr früh verstanden, dass man Angehörige einbeziehen muss“, sagt die Akademische Direktorin. Dr. Caroline Kuhn leitet die Neuropsychologische Lehr- und Forschungsambulanz der Universität des Saarlandes. Sie ist Klinische Neuropsychologin und Psychologische Psychotherapeutin. Besonders wichtig ist ihr, nicht nur akademisch zu arbeiten, sondern stets auch Patientinnen und Patienten zu behandeln. Seit fast 30 Jahren arbeitet die Psychologin mit neurologischen Patientinnen und Patienten.
Geprägt von der neurologischen Rehabilitation
Acht Jahre war sie in der neurologischen Rehabilitation tätig. „Diese Zeit hat mich sehr geprägt“, berichtet sie rückblickend. Sie arbeitete zum Teil mit schwerbetroffenen Patienten. Und sie hatte das Glück, Mentoren zu haben, die sie förderten. Nach Aus- und Weiterbildung ließ sie sich für kurze Zeit nieder. Dann kam das Angebot, dass sie nicht ausschlagen konnte: Sie übernahm die Leitung der neugegründeten Neuropsychologischen Ambulanz in Saarbrücken.
Ratgeber geschrieben
Damals wie heute gilt ihr größtes Interesse den hirnorganischen Persönlichkeitsveränderungen. Von ihrem profunden Wissen und ihren klinischen Erfahrungen profitieren neben den Studierenden zahllose Patientinnen und Patienten und deren Angehörige. 2018 verfasste sie den Ratgeber „Schlaganfall, Schädelhirntraume und MS – das Leben mit neurologischer Erkrankung gestalten“. Darin beschreibt sie sehr strukturiert alle gängigen Schädigungsbilder und zeigt Wege im Umgang mit der Krankheit auf – für Betroffene, aber auch für Angehörige. Wer sich intensiver mit den Folgen neurologischer Erkrankungen auseinandersetzen muss, kommt an diesem Werk kaum vorbei.
Angehörige sind oft hilflos
Ich habe so oft die Hilflosigkeit von Angehörigen erlebt.
Ihnen und den Betroffenen möchte sie Perspektiven aufzeigen, die es fast immer gibt. „Auch wenn es sich zu Beginn noch ganz anders anfühlt: Vieles verbessert sich über die ersten drei bis fünf Jahre nach einem Schlaganfall, ohne dass Betroffene die Fortschritte sofort bemerken. Aber mit jedem noch so kleinen Schritt geht es immer weiter voran!“
Apps können die Therapie unterstützen
Künftiges Potenzial in der Therapie sieht sie in der Entwicklung Digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGAs). In ihrem Institut kommt bereits ein Neurovisionstraining zum Einsatz, das Patienten mit Gesichtsfeldausfällen unterstützt. Solche störungsspezifischen Apps könnten Betroffene auch im Eigentraining unterstützen, um die Therapie zu verdichten. „Es gibt bereits kleinere Projekte an verschiedenen Standorten“, sagt Caroline Kuhn. Sie würde sich mehr Forschungsmittel für die Entwicklung wünschen. „Dann haben wir vielleicht in zehn Jahren ein größeres Spektrum spezifischer Apps.“