Begleiter verdienen Anerkennung
Ihr Ehemann Benedikt ist der Ge- und Betroffene. Doch nicht nur für ihn war mit einem Schlag alles anders – die Metaphorik ist hier gelebte Realität, weshalb die engagierte Frau den Blick weitet: auf sich selbst als Partnerin, auf die Familie, auf die Freunde. „Der Schlag hat uns alle getroffen“, sagt Cornelia von Ammon. Sie bewirbt sich stellvertretend für den Motivationspreis 2026 als Anerkennung für ihren Mann, „der sein schweres Schicksal mit großer Demut und mit Würde erträgt - und als Dank für unsere Begleiter, unsere Freunde, die mit unerschütterlicher Treue begleiten – leise, verlässlich, ohne jedes Aufhebens.“ Diese Form von Stärke verdiene öffentliche Anerkennung und Wertschätzung.
Kommunikation ist herausfordernd
Die kommunikative Beschränkung von Mann Benedikt auf „ja“ und „nein“ und das damit verbundene Unwissen, ob Wünsche richtig „gelesen“ und interpretiert werden, das sei sehr schwierig für alle. Größtes Leid für ihn sei seine ausgeprägte globale Aphasie: „Seine aktive Sprachproduktion ist auf zwei Worte reduziert: „ja“ und „nein“. Buchstaben und Zahlen sagen ihm nichts mehr. Sein Geist ist wach, seine Artikulation verstummt, er ist in sich gefangen“, beschreibt die Ehefrau die Situation.
Auszeit im Urlaub
Cornelia von Ammon sagt nicht: „Seht her, was ich alles schaffe.“ Ihr Leben ist viel komplexer, ihre Botschaften sind fordernd, ihre Ansagen lassen an Klarheit in manchen Situationen nichts vermissen. Der Sommerurlaub mit den beiden Kindern – er sei eine notwendige Oase, während der Mann sich in einem Heim aufhielt. Die Ausübung des Berufs, vielleicht ist auch sie eine Oase, weil sie gerne arbeitet, Dinge ausgestaltet.
Neuer Lebensinhalt nach Schlaganfall
Natürlich ist sie dankbar für die nun alltagsbegleitende Unterstützung: Der Pflegedienst sei unverzichtbar, die Beschäftigung ihres Mannes in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, einer Einrichtung der Diakonie, gebe ihrem Mann eine Tagesstruktur. Der frühere Rechtsanwalt lasiert dort Keramik – mit seiner linken, nicht gelähmten Hand. Handwerklich begabt und kunstinteressiert, wie er immer war, ist das für den Fan von „Bares für Rares“ ein Stück neuen, wesentlichen Lebensinhaltes.
Unterstützung aus dem Umfeld
Den caritativen Einrichtungen ist Cornelia von Ammon für deren Leistungen ausgesprochen dankbar. Besonders erwähnt sie Christian Wolff, den aus Düsseldorf stammenden Pfarrer, der die letzten 22 seiner Berufsjahre an der Thomaskirche zu Leipzig war – und der die Familie seelsorgerisch begleitet. Und da sind die Freunde, die sich als wirkliche Freunde erweisen und immer noch da sind, Hilfe anbieten, in Gesprächen begleiten, nachfragen und nachhaken, sich interessieren.
Erfahrungen mit der Bahn
Dass die Deutsche Bahn die von Ammons in ihrer Lebensbewältigung eher behindert als befördert, bleibt hier eine Randnotiz – weil sie kaum noch überrascht. Kurzfristige Ausfälle der behindertengerechten Toilette zerschießen die ohnehin mühsame Organisation. Ebenso wie Zugverspätungen, die den geplanten Umstieg platzen lassen und eine Neuorganisation der Weiterreise erfordern.
Schlaganfall trifft nicht nur Patienten
Cornelia von Ammon liegen zwei Punkte sehr am Herzen:
Die Wahrnehmung dreht sich oftmals einzig um den Schlaganfall-Patienten. Aber ein Schlaganfall trifft nie nur den Patienten allein.
erklärt sie den Wunsch nach Sichtbarkeit des ganzen Ausmaßes von Schlaganfällen. Ihre klare Überzeugung: „Stärkt man das Umfeld des Patienten, stärkt man ihn.“
Es fehlt an Orientierung
Und dann seien da unzählige Entlastungen und Möglichkeiten für Betroffene. „Die große Kunst ist aber, diese zu identifizieren“, sagt Cornelia von Ammon. Für Menschen in der Not wünscht sie sich einen professionellen Guide. Es müsse synergetisch zusammengetragen werden, was es alles gibt – „sozusagen als Auffangnetzwerk für die Zeit nach der Schicksals- und individuellen Zeitenwende.“ Ein Netzwerk für alle, die der eine Schlag traf.