Als das geregelte Leben die Regeln verließ

Vorher nahm vieles einen guten Weg. Vorher meint vor dem Schlaganfall: 13 Monate zuvor hatte Andreas Braun, Jahrgang 1981, seine Frau Silke kennen und lieben gelernt. Fünf Wochen vor dem Schlaganfall hatte er seine 15 Jahre dauernde Selbstständigkeit aufgegeben. Stattdessen ließ sich der gelernte Heizungsbauer anstellen – für zeitlich gut geregelte Arbeitstage.

Schlaganfall – Hirnblutung - Koma

Doch dann brachte der Schlaganfall alles durcheinander: Silke hatte ihn morgens gleich erkannt, fühlte sich hilflos, machte aber das einzig Richtige: Sie rief den Notarzt. Am Abend bekam Andreas Braun noch Hirnblutungen dazu; die Odyssee begann mit einer komplizierten Schädeloperation und künstlichem Koma. Als er daraus erwachte, gab es für Andreas nur die Möglichkeit, sich aufzugeben oder aber sein Leben in die Hand zu nehmen, so gut das damals ging. 

 

Neuer Lebensmut in der Reha

Spätestens in der Frühreha habe er den Schalter umgelegt, berichtet seine Frau. Er fand seinen Lebensmut wieder und den Willen, es zu packen. Zunächst kämpfte Silke für ihn, aber dann stieg Andreas Braun wieder ein – mit starker Zeichen-Setzung: Als er aus der Reha nach Hause kam, stellte er den Gehstock direkt in die Ecke, um es möglichst ohne Hilfsmittel zu schaffen. Viel hatte sich geändert in der Zwischenzeit: Silke hatte ihren Job gekündigt, um bei ihrem Mann sein zu können. Später ging sie in einen 20 Stunden-Job, um genügend Zeit zur Begleitung ihres Mannes zu haben.

 

15.000 Schritte am Tag

Der ist mittlerweile wieder so weit zurück im Leben, dass er beeindruckende Leistungen zeigt: 15.000 Schritte macht er jeden Tag mit dem Hund, verlangt sich vieles ab. Geduldig ist er nicht immer, auch wenn die noch holprige Kommunikation das braucht. Wegen seiner Sprachbehinderung meidet er die Öffentlichkeit. Zuhause wird kreativ improvisiert oder gemalt, um sich auszutauschen.

 

Bewegung auch im Haushalt

Die Beziehung ist reicher geworden.
Silke Braun

"Gerade, weil wir uns mehr über die kleinen Dinge freuen.“ Angefeuert durch eine Therapeutin, übernimmt Andreas mittlerweile auch Dinge im Haushalt. Mit dem Staubsauger machte er zunächst Trockenübungen, um zu schauen, ob er das hinbekommt. Und den Aufsitzmäher fährt er auch.

 

Auszeichnung des Sportvereins

Stolz sind die beiden Brauns über eine sinnbildliche Auszeichnung von Andreas: Ein Sportverein hat ihn zum Ehrenmitglied ernannt, weil der Sport ja auch Kämpfer brauche. Andreas Braun ist ganz bestimmt einer, der was erreichen will. Das zeigt er jeden Tag neu. 

 

Am Ende wird er wieder die Regeln bestimmen. 

 



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