Zum Hintergrund: Der Biomarker BD-tau könnte künftig helfen, Hirnschädigungen nach einem Schlaganfall im Blut messbar zu machen. Wie der Blutmarker funktioniert und welche Studienergebnisse vorliegen, erklären wir in unserem Hintergrundartikel: Neuer Bluttest zeigt Ausmaß der Hirnschädigung nach Schlaganfall.
Das Wichtigste aus dem Interview
Der Biomarker BD-tau könnte künftig helfen, Hirnschädigungen nach einem Schlaganfall besser messbar zu machen. Besonders interessant ist er für die Einschätzung des weiteren Verlaufs, für individuellere Reha-Entscheidungen und für die Bewertung neuer Therapien. Noch ist BD-tau aber nicht in der breiten klinischen Anwendung angekommen.
Dr. Steffen Tiedt
Neurologe an der LMU München
Herr Dr. Tiedt, was wollten Sie mit Ihrer Studie herausfinden?
In der Medizin können wir viele Organe sehr gut mit Bluttests überwachen. Beim Gehirn ist das anders: Wir haben bislang keinen etablierten Bluttest, der uns zuverlässig zeigt, wie stark das Gehirn geschädigt ist. Hier setzt unsere Studie an. Unser Ziel war es, einen Biomarker im Blut zu finden, der Gehirnverletzungen nach einem Schlaganfall messbar macht.
Das passiert bisher durch CT oder MRT. Was ist der Vorteil eines Bluttests im Vergleich zur Bildgebung?
Ein Bluttest ist deutlich einfacher, schneller und häufiger durchführbar als eine Bildgebung. In der Medizin ist es normalerweise so: Erst gibt ein Blutwert einen Hinweis, dann schaut man gezielt mit bildgebenden Verfahren nach. Beim Gehirn ist es bisher umgekehrt – wir sind stark auf MRT und CT angewiesen. Das führt im klinischen Alltag zu Engpässen, weil diese Verfahren aufwendig und nicht jederzeit verfügbar sind. Ein Bluttest könnte hier eine wichtige Ergänzung sein.
Viele Patienten erwarten eine Prognose für ihre Rehabilitation. Kann Ihr Biomarker – genannt BD-tau – hier helfen?
Das ist ein zentraler Punkt. Es geht nicht um eine starre Vorhersage, sondern darum, den möglichen Rehabilitationsverlauf besser einschätzen zu können. Unser Ansatz könnte langfristig die Möglichkeit eröffnen, Behandlungen stärker zu individualisieren – also gezielter zu entscheiden, welche Reha-Maßnahmen für wen sinnvoll sind und über welchen Zeitraum.
Wie geht es weiter mit Ihrer Forschung?
Wir stehen noch am Anfang. Zunächst müssen unsere Ergebnisse von anderen Forschungsgruppen weltweit bestätigt werden. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Entwicklung eines Tests, der im Klinikalltag schnell einsetzbar ist – idealerweise innerhalb weniger Minuten. Der Biomarker ist sehr vielversprechend, aber noch nicht in der breiten klinischen Anwendung angekommen.
Welche Bedeutung hat er für die Weiterentwicklung der Schlaganfall-Behandlung?
Das Potenzial ist groß. Bisher fehlt uns ein guter biologischer Marker, um Therapieerfolge im Gehirn direkt zu messen. Mit einem verlässlichen Biomarker könnte man schneller erkennen, ob eine neue Therapie vielversprechend ist. Das würde die Entwicklung erheblich beschleunigen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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