Neuer Bluttest zeigt Ausmaß der Hirnschädigung nach Schlaganfall

Neuer Bluttest zeigt Ausmaß der Hirnschädigung nach Schlaganfall

Forscherinnen und Forscher haben einen neuen Blutmarker entdeckt: Er zeigt, wie stark das Gehirn nach einem Schlaganfall geschädigt ist – und wie sich diese Schädigung in den Stunden und Tagen danach entwickelt.

  • Was ist BD-tau? Ein neuer Blutmarker, der Schäden an Nervenzellen nach einem Schlaganfall im Blut sichtbar macht.
  • Bedeutung: Zeigt nicht nur eine Momentaufnahme wie CT oder MRT, sondern die Entwicklung der Hirnschädigung über Stunden und Tage.
  • Aussagekraft: Bereits wenige Stunden nach dem Schlaganfall liefert BD-tau Hinweise auf Infarktgröße, mögliche Komplikationen und die voraussichtliche Erholung nach 90 Tagen.
  • Besonders relevant bei: Ischämischem Schlaganfall (Hirninfarkt durch Gefäßverschluss).
  • Behandlungsbewertung: Nach einer Thrombektomie steigen die Werte deutlich weniger, wenn das verschlossene Gefäß erfolgreich geöffnet wurde.
  • Perspektive: Ein direkter Einsatz auf Stroke Unit könnte die Verlaufskontrolle verbessern und Therapien gezielter anpassen.


BD-tau: Neuer Blutmarker nach Schlaganfall

Bisher beurteilen Ärztinnen und Ärzte Schlaganfälle vor allem mit CT- und MRT-Aufnahmen. Diese Aufnahmen zeigen jedoch nur eine Momentaufnahme. Wie sich die Schädigung in den Stunden und Tagen danach entwickelt, lässt sich damit nur schwer abschätzen.

 

Wie das Ärzteblatt berichtet, gibt es jetzt einen neuen Ansatz: Forschende am LMU Klinikum München und internationale Partner haben einen Blutmarker entdeckt, der Schäden im Gehirn sichtbar macht: Brain-derived Tau (BD-tau).

 

Dieses Eiweiß kommt ausschließlich im zentralen Nervensystem vor. Wenn Nervenzellen im Gehirn geschädigt werden, gelangt BD-tau ins Blut. Laut den Forschenden können die gemessenen Werte bereits wenige Stunden nach einem Schlaganfall Hinweise auf die Größe des Infarkts und den weiteren Verlauf geben.

 

 

Was ist ein ischämischer Schlaganfall?

Die häufigste Form des Schlaganfalls ist der ischämische Schlaganfall – auch „Hirninfarkt“ genannt. Dabei verschließt ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn. Das Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Nervenzellen sterben ab. Je länger dieser Zustand anhält, desto größer ist der Schaden.

 

 

Langjährige Forschung zahlt sich aus

Privatdozent Dr. Dr. Steffen Tiedt vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am LMU Klinikum arbeitet seit 2013 an einem Bluttest, der Hirnschäden über Tage messbar macht.
 

  • In einer großen Studie am LMU Klinikum wurde BD-tau vom Aufnahmezeitpunkt bis zum siebten Tag nach dem Schlaganfall regelmäßig gemessen. 
  • An der Studie nahmen über 1.200 Patientinnen und Patienten aus mehreren Studienzentren teil.
     

Den Ergebnissen der Studie zufolge erweist sich BD-tau als zuverlässiger Marker. Die Werte zeigen, wie groß die Hirnschädigung ist, welche Komplikationen drohen und wie die Erholungsaussichten nach 90 Tagen aussehen.

 

Behandlungserfolge im Blut sichtbar

Besonders spannend: Laut den Studienautorinnen und -autoren zeigte der Blutwert auch, ob eine Therapie erfolgreich war.

 

Nach einer Thrombektomie – dabei wird das Blutgerinnsel aus dem Gefäß mittels Katheter entfernt – stieg der BD-tau-Wert deutlich weniger an, wenn das verschlossene Gefäß wieder vollständig geöffnet wurde. Der Blutwert macht also sichtbar, ob das Gehirn von der Behandlung profitiert hat, wie die Forschenden erläutern.

BD-tau könnte zum ‚Troponin fürs Gehirn‘ werden.
PD Dr. Dr. Steffen Tiedt

Troponin ist ein Blutwert, der bei einem Herzinfarkt zeigt, wie stark der Herzmuskel geschädigt wurde. Ähnlich könnte BD-tau künftig zeigen, wie stark das Gehirn betroffen ist.

Perspektive für die Zukunft

Bevor der Test in Praxis eingesetzt wird, sind weitere Studien nötig. Nach Einschätzung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler könnte der BD-tau-Test künftig direkt auf der Stroke Unit, also der Schlaganfallstation, zum Einsatz kommen. So ließen sich der Krankheitsverlauf besser beobachten, Komplikationen früher erkennen und Behandlungen gezielter anpassen.

 



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