Es lohnt sich zu kämpfen

Rund zehn Jahre lang pflegte Rita Winkelmann ihren Vater nach seinem Schlaganfall. Dabei hat sie gelernt: Aufgeben ist keine Option. Und auch als pflegende Angehörige darf das eigene Leben nicht zu kurz kommen.

Der 12. September 2015 verändert das Leben der Familie Winkelmann aus Würselen bei Aachen. Günther Winkelmann erleidet eine schwere Hirnblutung. Danach ist der damals 71-Jährige halbseitig gelähmt, überwiegend auf den Rollstuhl angewiesen und pflegebedürftig. Bis zu seinem Tod Mitte 2025 pflegt ihn seine Tochter.

 

Nach dem Schlaganfall zurück nach Hause

Wirklich bewusst wird Rita Winkelmann ihre neue Rolle in der Reha-Klinik. Drei Monate verbringt ihr Vater dort. Die Ärzte sind der Meinung, dass es besser wäre, wenn ihr Vater in ein Pflegeheim käme. Für ihn, seine Frau Elisabeth und Tochter Rita kommt das nicht infrage. Also bereitet Rita Winkelmann die Rückkehr nach Hause vor: Sie organisiert Therapien, Hilfsmittel, Pflege. „Das war schwieriger als gedacht. Anfangs haben wir nicht einmal einen Pflegedienst gefunden, der unterstützen konnte“, erinnert sie sich.

 

 

Der Alltag als pflegende Angehörige

Zu Hause beginnt der nächste Kraftakt. Ehefrau und Tochter organisieren den Alltag zwischen Pflege, Therapien und täglichem Üben. Sie stellen Anträge, legen Widerspruch ein und fragen immer wieder nach. 

Wir mussten um vieles kämpfen.
Rita Winkelmann

Viele pflegerische Aufgaben übernimmt sie am Ende selbst. Um ihren Vater zu pflegen, besucht sie mehrere Workshops und Schulungen in ihrer Freizeit.

 

„Man darf sich selbst nicht vergessen“

„Bei pflegenden Angehörigen sehen viele nur die Pflege“, sagt Rita Winkelmann. Für sie gehört mehr dazu. Sie arbeitet weiter als Schauspielerin, versucht, sich zu behaupten, und trägt zeitweise nachts Zeitungen aus. Trotz der vielen Aufgaben nimmt sie sich immer wieder bewusst Zeit für sich: Sie trifft Freunde, geht ins Kino oder auf Konzerte. „Diese Auszeiten waren mir wichtig, um Kraft zu sammeln und mich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren.“
 

 

Das klingt einfach. Für pflegende Angehörige ist es oft schwer. Denn „wer gebraucht wird, stellt die eigenen Bedürfnisse schnell zurück“, sagt Rita Winkelmann. Sie hat gelernt: Pausen sind kein Luxus. Sie helfen, weiter da sein zu können. „Man hat ein Anrecht auf ein eigenes Leben“, betont sie.

 

 

Was Angehörige wirklich brauchen

Gefragt, was pflegende Angehörige am dringendsten brauchen, antwortet Rita Winkelmann: die richtigen Ansprechpartner. Viele Angehörige wüssten nicht, was ihnen zusteht. Würde sie heute etwas anders machen? „Nein“, sagt sie. „Man bekommt viele Steine in den Weg gelegt. Aber deswegen sollte man nicht aufgeben. Denn es lohnt sich, zu kämpfen.

 

 

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