Ein Tag im Februar 2025. Bei der Arbeit wird plötzlich Melanies linke Körperseite taub, die Sprache bricht weg. Die Sozialarbeiterin ahnt gleich: Das könnte ein Schlaganfall sein! Die Kollegen reagieren schnell, rufen den Notruf und ihren Mann. Schnell ist der Rettungswagen vor Ort, es geht in die Klinik.
Plötzliche Taubheitsgefühle, Lähmungen oder Sprachstörungen gehören zu den typischen Warnzeichen eines Schlaganfalls. Im Verdachtsfall gilt: sofort 112 wählen.
Wenn Migräne den Blick auf den Schlaganfall verstellt
Auf dem Weg dorthin kann Melanie wieder etwas sprechen – und macht, wie sie heute sagt, „einen Riesenfehler“: Sie erwähnt ihre Migräne-Anfälligkeit. Die Rettungssanitäter dokumentieren das und übergeben die Patientin an die Klinik.
Bei der Untersuchung hat Melanie den Eindruck, dass sich der Neurologe früh auf die Diagnose Migräne festlegt, sagt sie. Obwohl sie selbst erneut ihren Schlaganfall-Verdacht äußert. Die Computertomografie zeigt zunächst keinen Befund. Melanie wird stationär aufgenommen.
Frauen sind von Migräne deutlich häufiger betroffen als Männer. Insbesondere die Migräne mit Aura, also mit neurologischen Symptomen, betrifft viele Frauen im mittleren Alter.
Migräne mit Aura kann einem Schlaganfall ähneln, weil sie ebenfalls neurologische Beschwerden auslösen kann – etwa Seh-, Sprach- oder Gefühlsstörungen. Umgekehrt muss bei plötzlich auftretenden oder ungewohnten Beschwerden immer auch ein Schlaganfall abgeklärt werden. In Verbindung mit anderen Faktoren kann Migräne mit Aura auch das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen, vor allem wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen, etwa Rauchen oder eine östrogenhaltige hormonelle Verhütung.
Erst fast 24 Stunden später ordnen die Neurologen ein MRT an. Jetzt ist der Schlaganfall eindeutig sichtbar. Doch das Zeitfenster für eine wirksame Behandlung ist längst verstrichen.
In der Klinik versucht man, sie zu beruhigen: Es sei nicht so schlimm, es seien kaum Folgen zu erwarten, so erlebt Melanie die Situation. Eine Reha wird ihr zunächst nicht verordnet.
Die Ursache ist schnell gefunden: ein offenes Foramen ovale, kurz PFO. Das ist eine Öffnung zwischen den beiden Herzvorhöfen, die sich nach der Geburt normalerweise schließt, bei manchen Menschen aber offen bleibt. Es kann dazu führen, dass Blutgerinnsel ins Gehirn gelangen und dort Gefäße verschließen. Ein PFO ist nicht immer krankhaft, kann aber insbesondere bei jüngeren Menschen mit ungeklärtem Schlaganfall eine Rolle spielen.
Geblieben sind Erschöpfung und Wut
Für Melanie ändert das wenig. Nach und nach zeigen sich die Folgen: schnelle Erschöpfung, auch Fatigue genannt, Panikattacken, depressive Verstimmungen, Gefühlsstörungen in Arm und Bein. Ihren geliebten Basketballsport muss sie aufgeben. Das Leben der vierköpfigen Familie gerät aus dem Gleichgewicht.
Schließlich erhält sie doch noch eine vierwöchige stationäre Rehabilitation, die ihr spürbar hilft. Heute arbeitet sie wieder – mehr als halbtags geht jedoch nicht. Und ihre Wut ist geblieben.
Ich bin mir sicher: Wäre ich ein 50-jähriger Mann gewesen, hätte man mich ernster genommen und sofort genauer hingeschaut.
Aktuell denkt Melanie darüber nach, ein Gutachten erstellen zu lassen. Sie möchte wissen: Hätte man den Schlaganfall mit größerer Sorgfalt früher feststellen können oder müssen? Ihre Krankenkasse unterstützt sie dabei.
“Es geht mir nicht um Schadenersatz. Aber dass das einfach so stehen bleibt, das kann ich nicht akzeptieren.”
*Die Redaktion hat den Namen von Melanie geändert und auf die Nennung von Orten verzichtet.
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Dieser Artikel gehört zu unserem Gesundheitsmagazin-Schwerpunkt „Frauen und Schlaganfall“. Auf der Übersichtsseite finden Sie alle Beiträge zu Symptomen, Risikofaktoren, Vorbeugung, Behandlung und persönlichen Erfahrungen.