Auf einen Blick
- Ein Schlaganfall kann auch unsichtbare Folgen hinterlassen.
- Diese zeigen sich oft erst nach der Rückkehr in den Alltag.
- Häufig sind Konzentration, Gedächtnis, Belastbarkeit und Reizverarbeitung betroffen.
- Neuropsychologische Diagnostik und Therapie können helfen.
- Auch Kompensationsstrategien erleichtern vielen Betroffenen den Alltag.
Wer auf einen Rollator angewiesen ist oder Mühe hat, ein Glas zu halten, kann seine Erkrankung kaum verbergen. Solche sichtbaren Einschränkungen sind für viele Betroffene belastend. Doch ein Schlaganfall kann auch unsichtbare Spuren hinterlassen. Sie sind oft ebenso einschneidend – werden vom Umfeld aber häufig nicht erkannt. Denn viele Betroffene wirken äußerlich gesund. Umso öfter müssen sie erklären, warum dennoch vieles nicht mehr so funktioniert wie früher.
Unsichtbare Schlaganfall-Folgen fallen oft erst im Alltag auf
Ein Beispiel: Ein jüngerer Mann erleidet einen Schlaganfall und erholt sich äußerlich gut. Nach dem Krankenhausaufenthalt kehrt er scheinbar vollständig genesen in den Alltag zurück und nimmt seine Arbeit wieder auf. Kolleginnen und Kollegen freuen sich über seine Rückkehr, nach kurzer Zeit scheint alles wieder normal.
Doch Wochen später folgt der Zusammenbruch. Konzentrationsprobleme, Erschöpfung und Überforderung machen den Alltag zunehmend schwer. Nichts geht mehr. Die Folge: erneute ärztliche Abklärung und eine stationäre Rehabilitation.
Ein Einzelfall ist das nicht. In neurologischen Rehabilitationskliniken gehören solche Verläufe zum Alltag. Oft wird Betroffenen erst im gewohnten Umfeld bewusst, dass sich etwas grundlegend verändert hat – ohne dass sie ihre Beschwerden zunächst richtig einordnen können.
Welche unsichtbaren Folgen auftreten können
Viele Schlaganfall-Betroffene leiden unter neuropsychologischen Funktionsstörungen. Dazu zählen neben Sprachstörungen wie einer Aphasie unter anderem:
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme
- Gedächtnisstörungen
- verringerte Belastbarkeit
- schnelle Reizbarkeit
- Überforderung in komplexen Alltagssituationen
Selbst ein Einkauf im Supermarkt kann dann zur Herausforderung werden. Viele Reize gleichzeitig, Zeitdruck, Entscheidungen oder Gespräche können dazu führen, dass Betroffene sich überfordert fühlen.
Was hinter diesen Beschwerden steckt
Die Neuropsychologie beschäftigt sich mit Veränderungen, die nach einem Schlaganfall das Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen können. Durch gezielte Tests und Beobachtungen lassen sich viele dieser Störungen erkennen und einordnen.
In stationären Rehabilitationskliniken ist die Neuropsychologie fest etabliert. Im ambulanten Bereich gibt es dagegen noch Versorgungslücken: Es gibt zu wenige niedergelassene Neuropsychologinnen und Neuropsychologen.
Viele Fachleute gehen davon aus, dass mindestens 80 Prozent Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten in der ersten Zeit von neuropsychologischen Ausfällen betroffen ist. Manche dieser Beeinträchtigungen bilden sich zurück, andere bleiben bestehen – manchmal über lange Zeit.
Therapie und Kompensation können helfen
Trotzdem gibt es Hoffnung. Einige Therapien können auch längere Zeit nach dem Schlaganfall noch Verbesserungen bringen. In anderen Fällen helfen Kompensationsstrategien, den Alltag besser zu bewältigen.
Dazu kann zum Beispiel gehören, Reize bewusst zu reduzieren, Aufgaben klar zu strukturieren, Pausen fest einzuplanen oder Unterstützung im Alltag anzunehmen. Welche Strategien helfen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Wichtig ist vor allem, unsichtbare Folgen eines Schlaganfalls ernst zu nehmen. Konzentrationsprobleme, mentale Erschöpfung oder Reizüberflutung sind keine Einbildung. Sie können den Alltag stark einschränken – auch wenn andere das nicht sofort sehen.
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