Neglect nach Schlaganfall erkennen und im Alltag damit umgehen

Ein Neglect ist eine Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörung nach einem Schlaganfall. Betroffene nehmen eine Seite ihres Körpers oder ihrer Umgebung kaum oder gar nicht wahr.

Was ist ein Neglect?

Eine typische Störung ist der Neglect: Betroffene nehmen eine Seite ihres Körpers oder ihrer Umgebung kaum oder gar nicht wahr. Das Gehirn richtet die Aufmerksamkeit nicht mehr automatisch dorthin. Dadurch werden zum Beispiel nur Teile des Tellers beachtet, Hindernisse übersehen oder beim Lesen immer wieder derselbe Bereich angesteuert.

 

Aufmerksamkeit und Konzentration können ebenfalls beeinträchtigt sein

Auch ohne Neglect berichten viele, dass sie schneller ablenkbar sind, sich nur kurz konzentrieren können oder mehrere Aufgaben nicht gleichzeitig bewältigen. Belastend ist oft, dass diese Veränderungen von außen kaum sichtbar sind und deshalb im Alltag unterschätzt werden.

 

Welche Therapien und Übungen können helfen?

Mit gezieltem Training kann man Aufmerksamkeit und Wahrnehmung unterstützen – oft langsam, aber spürbar über Wochen und Monate. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Spiegeltherapie: Studien geben Hinweise, dass sie neben der Bewegung auch die räumliche Wahrnehmung unterstützen kann; ein Neglect kann sich bei manchen Betroffenen verbessern.
  • Prismen-Anpassung: Dabei wird die Sicht gezielt „verschoben“, damit das Gehirn die vernachlässigte Seite wieder stärker beachtet. Teilweise zeigen sich kurzfristige Verbesserungen, die Ergebnisse sind jedoch nicht immer eindeutig.
  • Aufmerksamkeits-Training (z. B. APT): Strukturierte Übungen können helfen, Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern und den Alltag zu erleichtern.

 

Nach einem Schlaganfall muss sich das Gehirn neu organisieren, das braucht Zeit. Wenn an manchen Tagen weniger geht, ist das oft ein Zeichen dafür, dass das Gehirn Erholung braucht. Hier gilt: „Weniger ist mehr.“ Geplante Pausen und ein langsames, dosiertes Vorgehen sind keine Schwäche, sondern gehören zur Genesung dazu.

 

 

Tipps für Alltag und Angehörige

Bei Neglect hilft es, wichtige Dinge bewusst auf die vernachlässigte Seite zu legen und sie aktiv einzubeziehen: beim Essen den Teller Schritt für Schritt vollständig ansehen, beim Lesen den Zeilenanfang markieren oder die Seite gezielt absuchen.

 

Bei Aufmerksamkeitsproblemen sind kleine, überschaubare Aufgaben oft besser als Multitasking. Eine ruhige Umgebung, eine klare Tagesstruktur und regelmäßige Pausen erleichtern die Konzentration. Kurze Übungen wie Such-, Merk- oder Sortieraufgaben können zusätzlich unterstützen.

 

Für Angehörige ist es wichtig, Betroffene ernst zu nehmen, wenn sie sagen: „Ich kann nicht mehr.“ Dann ist es hilfreicher, eine Pause zu ermöglichen, als zum Weitermachen zu drängen. Entlastend können klare Absprachen sein, zum Beispiel einfache Time-out-Regeln mit einem vereinbarten Zeichen: kurz zurückziehen, zur Ruhe kommen, dann weitermachen. Besonders wichtig ist eine offene Kommunikation über veränderte Belastungsgrenzen, ohne Druck und ohne Scham.