LEX LOTSEN OWL: Patientenlotsen als Blaupause für die Regelversorgung in Deutschland

LEX LOTSEN OWL: Patientenlotsen als Blaupause für die Regelversorgung in Deutschland

Seit Anfang 2024 erprobt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe mit LEX LOTSEN OWL, wie Patientenlotsen in die Regelversorgung überführt werden können. Bei einer Tagung in Bielefeld stellten die Projektpartner neue Entwicklungen und erste Ergebnisse vor.

LEX LOTSEN OWL auf einen Blick

  • Projekt zur Überführung von Patientenlotsen in die Regelversorgung
  • Modellregion: Ostwestfalen-Lippe
  • Beteiligte: Schlaganfall-Lotsen, Cardiolotsen, Lotsenbüros
  • Ziel: bessere Koordination und Versorgung von Betroffenen
  • Stand: erste vorläufige Ergebnisse liegen vor


LEX LOTSEN OWL: Projekt für Patientenlotsen in der Regelversorgung

Unser Ziel ist es, mit dem Projekt eine echte Blaupause für ganz Deutschland zu schaffen.
Dr. Georg Galle, stellvertretender Projektleiter von LEX LOTSEN OWL bei der Schlaganfall-Hilfe

2025 wurden dazu wichtige Fortschritte erzielt: So sind nun in der ganzen Modellregion Ostwestfalen-Lippe (OWL) Patientenlotsen und Lotsenbüros vertreten. Schlaganfall- und Cardiolotsen in LEX LOTSEN OWL arbeiten nach dem gleichen Standard und die ersten Projekt-Ergebnisse liegen vor.

 

Welche Aufgaben Patientenlotsen übernehmen

Prof. Dr. Peter Löcherbach (Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management) fasste noch einmal die zentrale Aufgabe der Lotsen zusammen: „Patientenlotsen „kümmern“ sich als Case Manager darum, dass Menschen die richtige Hilfe zum richtigen Zeitpunkt erhalten.“ 

Der Mehrwert der Lotsenarbeit bestehe in 

  • Kontinuität, 
  • Orientierung, 
  • Koordination, 
  • Entlastung, 
  • Früherkennung, 
  • Verwaltungsbegleitung und 
  • Patientenzentrierung, 

so Johannes Miethe (Schlaganfall-Hilfe). „Grundsätzlich können Lotsentätigkeiten von verschiedenen Berufen des Gesundheits- und Sozialwesens ausgeübt werden, sofern die erforderlichen Kompetenzen entweder in der Ausbildung, dem Studium oder in entsprechenden Fort- und Weiterbildungen erworben wurden“, erklärte Marie Schluttig (figus).

 

Wie Schlaganfall-Lotsen und Cardiolotsen Betroffene begleiten

Es ist wichtig die unterschiedlichen Bedarfe der Betroffenen unterschiedlich zu belotsen.
Anke Siebdrat (Schlaganfall-Hilfe)

Sie stellte die sogenannten Lotsengrade vor, die im Projekt entstanden. Diese beschreiben, wie intensiv Betroffene von ihrem Lotsen begleitet werden müssen. In LEX LOTSEN OWL kommen nicht nur Schlaganfall-Lotsen zum Einsatz. Wie Anica Stürtz (AOK Nordost) berichtete, wurden im letzten Jahr auch Cardiolotsen in OWL etabliert. Durch das Nebeneinander von Schlaganfall- und Cardiolotsen im Projekt sei einiges gelernt worden, so Lisa Schreiber (Schlaganfall-Hilfe). Unter anderem würden die indikationsspezifischen Unterschiede individuelle Lösungen sowie die unterschiedlichen Krankheitsbilder eine zielgerichtete Ansprache erfordern.

 

Lotsenbüros entlasten Patientenlotsen und sichern Qualität

„Bislang fehlte den Lotsen eine übergeordnete Steuerungs- und Koordinationsinstanz. Daher sind sie neben ihrer eigentlichen Fallarbeit zunehmend durch Koordinations- und Abstimmungsaufgaben belastet“, erläuterte Jan Hendrik Schnecke (ZIG OWL). Ein wichtiger Bestandteil von LEX LOTSEN OWL sind daher die Lotsenbüros. „Sie übernehmen übergeordnete Steuerungs- und Finanzierungsaufgaben sowie die Qualitätssicherung“, erklärte Dr. Michael Brinkmeier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Auch bei den Lotsenbüros gab es 2025 neue Entwicklungen: Aufgrund von Projektanforderungen und in Abstimmung mit Projektpartnern änderten sich ihre Aufgaben, so Marie Schluttig. Zum Beispiel wurde die Netzwerkarbeit konkretisiert und die Qualitätszirkel werden nun von den Lotsenbüro-Mitarbeitenden geplant und durchgeführt.

 

Welche rechtlichen Voraussetzungen für die Regelversorgung nötig sind

„Die Vorbereitungen zu einem rechtlichen Rahmen für eine Übernahme des Systems Patientenlotsen in die Regelversorgung sind im Projekt LEX LOTSEN OWL sehr weit gediehen“, erläuterte Prof. Dr. Gerhard Igl. Eine große Herausforderung sei, dass der Bundesgesetzgeber für die Regelungen im SGB V (Leistungsrecht und Leistungsträger) zuständig ist, während die Landesgesetzgeber vor allem für die Gestaltung der Lotsenbüros die entsprechenden Regelungen treffen müssen.

 

Erste Ergebnisse: Lotsen verbessern die Versorgungsqualität

Auch Einblicke in die Evaluation von LEX LOTSEN OWL gab es. So zeigte Elmar Stegmeier (Social Impactor) wie sich mittels der Lotsenprozess-Interaktionsanalyse zum Beispiel die Netzwerkarbeit untersuchen lässt. Und Dr. Matthias Arnold (inav) präsentierte erfreuliche, vorläufige Ergebnisse: Die bisherigen Projekt-Daten deuten darauf hin, dass die Lotsenbegleitung die Versorgungsqualität verbessert.

 

Impressionen von der Tagung