In diesem Jahr feiert die Rehabilitationsklinik ihr 50-jähriges Bestehen. Seit 2016 läuft sie unter der Flagge der Median-Gruppe. Das bringt Vorteile für alle Beteiligten. Vom fachlichen Austausch der Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte in der großen Klinikgruppe profitieren am Ende die Patienten.
Schlaganfall-Reha auch für jüngere Menschen
Dr. Bernd Hippel kennt noch die alten Zeiten. Seit 2004 ist er Chefarzt der Neurologie. Orthopädie und Kardiologie sind weitere Fachgebiete der Klinik. Für neurologische Patienten durchaus ein Vorteil: Schlaganfallbedingte Lähmungen beispielsweise gehen oft mit orthopädischen Problemen einher. Und bei unklaren Schlaganfällen kann die Kardiologie helfen, die Ursache zu finden. Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern ist etwa für ein Fünftel der Schlaganfälle verantwortlich.
Heute verfügt die neurologische Klinik über 110 Betten in Einzelzimmern. Die wenigen Doppelzimmer werden von Patienten genutzt, die von ihren Partnern begleitet werden. Für einen geringen Aufpreis können Patienten das Programm „Median premium“ in Anspruch nehmen mit zusätzlichen Services. Rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten in der Neurologie hat einen Schlaganfall erlitten. Was auffällt: Viele von ihnen sind relativ jung, 40 bis 50 Prozent sind noch berufstätig.
Nach dem Schlaganfall: Herr P. lernt wieder sprechen
So wie Herr P., der gebürtig aus Russland stammt. Vor 20 Jahren kam er nach Deutschland, lernte die Sprache, machte eine Ausbildung zum Elektriker und gründete seinen eigenen Fachbetrieb. Der lief gut, doch viel Arbeit, viel Stress und ein ungesundes Leben bescherten ihm im November letzten Jahres die Quittung, wie er selbst sagt. Nach seinem Schlaganfall war er rechtsseitig gelähmt und hatte seine Sprache verloren. Er hat versucht, gleich wieder in seinen Job einzusteigen. Doch dabei stieß er schnell an seine Grenzen, auf Baustellen muss man sprechen können. Schließlich hat er eine Reha beantragt und ist heilfroh darüber, nach Bad Tölz gekommen zu sein.
Drei Wochen sind nun vorbei, er hat viele Fortschritte gemacht. Die Lähmung hat sich weitgehend zurückgebildet. Logopädie und Neuropsychologie haben ihn auch bei der Sprache und der Konzentration weit vorangebracht, berichtet P. Sein Gewicht hat er um mehr als 10 Kilo reduziert und das Rauchen hat er aufgegeben. Für morgen ist die Entlassung geplant, die ersten Kundentermine stehen bereits im Kalender. Dennoch will er künftig besser auf sich achten. Bereits sein Vater ist an einem Schlaganfall verstorben.
Weiterführende Rehabilitation in der Phase D
In Bad Tölz werden ausschließlich Patientinnen und Patienten der Phase D (weiterführende Rehabilitation) behandelt. Viele von ihnen kommen auch nach einigen Jahren zur Wiederholungsreha, zum Teil aus allen Teilen Deutschlands. Dabei spielt auch die landschaftlich herausragende Lage am Rande der Alpen eine Rolle.
Digitale Technik und Robotik in der Rehabilitation
Therapien stehen im Mittelpunkt der Rehabilitation. Das Team um Dr. Hippel hat die Digitalisierung und die Robotik vorangetrieben. Im sogenannten SRT-Zirkel (Self-Rehabilitation) läuft motorisches Training für Arme und Beine an modernsten Geräten. Die Patienten erhalten eine intensive Einführung durch ihre Therapeuten und können anschließend über die Therapie-Einheiten hinaus selbstständig trainieren. Unterstützend bietet die Klinik ihren Patienten zwei Apps für das Eigentraining an: NeuroNation MED für das kognitive Training, neolexon für die Sprachtherapie.
Spiegeltherapie ist eine etablierte Methode in der Armrehabilitation. In der neuen, digitalen Variante entfällt der Spiegel, die Patienten sehen ihre gesunde Hand auf einem Bildschirm. Die aufgezeichneten Bewegungen werden digital gespiegelt. So gewinnen die Rehabilitanden den Eindruck, sie bewegen ihre gelähmte Hand. Dr. Hippel und das Therapieteam sind begeistert von der Wirksamkeit.
Bewegung und Vorbereitung auf die Zeit nach der Reha
Für viele Patientinnen und Patienten ist Wasser ein beliebtes Medium. Dabei geht es um mehr als Wohlfühlen. Der Auftrieb ermöglicht Menschen mit körperlichen Einschränkungen Bewegungen, die draußen nicht möglich sind. Das große Therapie-Schwimmbad wird deshalb für viele Therapie-Einheiten genutzt. Außerhalb dieser Zeiten ist es für freies Schwimmen geöffnet.
Die Reha in Bad Tölz ist gut aufgestellt. Wichtig sind Dr. Hippel und seinem Team, dass Patienten seine Klinik gut versorgt verlassen und wissen, wie es weitergeht. Dreimal wöchentlich findet in der Klinik eine Hilfsmittelberatung statt. Und der Sozialdienst kümmert sich darum, dass zur Entlassung alle notwendigen Schritte für die Zeit zu Hause eingeleitet sind.
Schlaganfall-Hilfe für Sie unterwegs
„Welche Rehabilitationsklinik können Sie uns empfehlen?“ So lautet eine der häufigsten Fragen, die unseren Kolleginnen im Service- und Beratungszentrum gestellt wird. Als unabhängige, gemeinnützige Stiftung sind wir zur Neutralität verpflichtet und sprechen keine Empfehlungen aus. Jedoch erreichen uns aus unserem großen Selbsthilfe-Netzwerk viele Erfahrungsberichte von Patienten. Diesen Berichten gehen wir nach und besuchen Kliniken, in denen sich Mitglieder der Selbsthilfegruppen gut behandelt fühlten.
Die unabhängigen Berichte unserer Besuche können Sie regelmäßig in unserem Gesundheitsmagazin Thala und hier auf www.schlaganfall-hilfe.de lesen.
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