KI-App soll Schlaganfall-Warnzeichen früher erkennen

KI-App soll Schlaganfall-Warnzeichen früher erkennen

Wie kann man einen Schlaganfall möglichst früh erkennen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die 14-jährige Anna-Lena Schneider aus Eppelborn im Saarland. Gemeinsam mit ihrem Vater entwickelt sie die App „Stroke Helper“. Die Anwendung nutzt Künstliche Intelligenz, kurz KI, um mögliche Warnzeichen eines Schlaganfalls frühzeitig zu erkennen.

Wie die Idee zur Schlaganfall-App entstand

Auslöser für das Projekt war die “Lange Nacht der Wissenschaften”. Dort hörte Anna-Lena Schneider einen Vortrag des Neurologen Stefan Helwig vom Universitätsklinikum des Saarlandes, kurz UKS. „Das Thema hat mich einfach nicht losgelassen“, erinnert sie sich.

 

Noch auf der Heimfahrt sprach sie mit ihrem Vater Thomas Schneider darüber, wie sich Schlaganfälle früher erkennen lassen könnten. Daraus entstand die erste Idee für „Stroke Helper“. Zunächst entwickelte Anna-Lena das Projekt gemeinsam mit zwei Freundinnen für „Jugend forscht“. Später begann ihr Vater, der als Wirtschaftsinformatiker arbeitet, die App für das iPhone zu programmieren.

 

Neurologe begleitet Entwicklung der Schlaganfall-App

Unterstützung bekommt die Familie von Stefan Helwig. Er ist Facharzt für Neurologie sowie Notfall- und Intensivmedizin am UKS. Seit dem ersten Treffen tauschen sich Anna-Lena und der Arzt regelmäßig über die Weiterentwicklung der App aus.

 

So soll die KI-App Schlaganfall-Warnzeichen erkennen

Die App analysiert verschiedene mögliche Warnzeichen eines Schlaganfalls. Dazu gehören Veränderungen im Gesicht, Auffälligkeiten in der Sprache sowie Gesundheitsdaten aus Apple Health.

 

Beim ersten Start beantworten Nutzerinnen und Nutzer Fragen zu möglichen Risikofaktoren und ihrem Lebensstil. Außerdem erstellt die App ein persönliches Referenzprofil aus Selfie, 3D-Gesichtsscan und Sprachaufnahmen. Spätere Aufnahmen sollen mit diesen Referenzwerten verglichen werden, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

 

„Zusätzlich berechnet die Anwendung einen sogenannten Lifestyle Score, der Hinweise auf persönliche Risikofaktoren geben und das Bewusstsein für die eigene Gesundheit stärken soll“, erklärt Thomas Schneider.

 

Nach Angaben der Entwickler kann die App inzwischen zwischen absichtlichen Grimassen und möglichen Lähmungen unterscheiden. Noch befindet sich das System aber in der Trainingsphase.

 

KI soll Ärztinnen und Ärzte bei der Schlaganfall-Erkennung unterstützen

Einen Punkt betonen Vater und Tochter besonders: Die App soll keine Diagnose stellen und keinen Arztbesuch ersetzen. „Wir geben keine Diagnose, sondern nur Hinweise“, sagt Thomas Schneider.

 

Die KI soll Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen, sondern dabei helfen, mögliche Warnzeichen schneller zu erkennen. Langfristig soll das System deshalb auch mit anonymisierten klinischen Daten weiter trainiert werden.

 

Datenschutz bei Gesundheitsdaten bleibt eine Herausforderung

Weil Gesundheitsdaten besonders sensibel sind, spielt der Datenschutz bei der Entwicklung eine wichtige Rolle. Nach Angaben der Entwickler speichert die App derzeit keine klassischen personenbezogenen Daten. Außerdem fließen die Daten bislang noch nicht automatisch in das KI-System.

 

Langfristig arbeiten Anna-Lena und ihr Vater außerdem an einem sogenannten „Intelligence Lab“. Dort sollen künftig anonymisierte und strukturierte Daten analysiert werden, um die KI-Systeme von „Stroke Helper“ weiter zu trainieren und zu verbessern.

 

„Als Schnittstelle zwischen der App und dem Forschungssystem entsteht zusätzlich eine ‚Clinical Pro‘-Version für den Einsatz im medizinischen Umfeld“, erklären die beiden. Sie richtet sich an Ärztinnen, Ärzte und medizinisches Fachpersonal und soll strukturierte Verlaufsdaten aus dem klinischen Alltag erfassen. „Ziel ist es, die KI mit realen neurologischen Auffälligkeiten weiter zu trainieren, um mögliche Warnzeichen künftig noch präziser und früher erkennen zu können“, so Schneider.

 

Schlaganfall erkennen: Bei diesen Warnzeichen sofort 112 wählen

In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Je schneller Betroffene behandelt werden, desto größer ist die Chance, bleibende Schäden zu vermeiden.

Typische Warnzeichen eines Schlaganfalls sind:

  • plötzliche Sprachstörungen
  • Lähmungen im Gesicht oder Arm
  • Sehprobleme
  • Schwindel
  • starke Unsicherheit beim Gehen

Treten solche Symptome plötzlich auf, sollten Sie sofort den Notruf 112 wählen.

FAST-Test-App: Schlaganfall-Verdacht schnell überprüfen

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bietet bereits eine kostenlose FAST-Test-App an. Mit drei einfachen Fragen zu den häufigsten Schlaganfall-Symptomen können Laien einen Verdacht überprüfen und aus der App heraus direkt den Notruf 112 auslösen.

 

Die App ist in deutscher, englischer und türkischer Sprache verfügbar. Zusätzlich verfügt sie über eine Audiofunktion, mit der die Fragen vorgelesen werden. Die App ist sowohl für iOS als auch für Android erhältlich.

 

Marktstart noch offen

Einen genauen Starttermin gibt es bislang nicht. Anna-Lena und Thomas Schneider würden die App nach eigenen Angaben am liebsten sofort veröffentlichen. Langfristig soll „Stroke Helper“ in mehreren Sprachen verfügbar sein, darunter Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch und Chinesisch.

 

Auch eine Zulassung als DiGA, also als Digitale Gesundheitsanwendung, können sich die beiden vorstellen. Bis zu einer möglichen Zulassung dürfte es zwar noch dauern. Anna-Lena und ihr Vater hoffen trotzdem, die App möglichst bald vielen Menschen zugänglich machen zu können.