Dr. Becker Klink in Thüringen
© Dr. Becker-Kliniken

Erholung finden - Perspektiven entwickeln

Zu den unsichtbaren Folgen eines Schlaganfalls zählt die Depression. Eine Klinik in Thüringen macht Betroffenen ein besonderes Angebot.

Die Zahlenangaben in der Fachliteratur gehen auseinander. Selbst vorsichtige Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass etwa 25 bis 30 Prozent der Schlaganfall-Betroffenen eine Depression entwickeln. Die Post-Stroke-Depression zählt damit zu den häufigen Folgen eines Schlaganfalls – und zu den besonders komplexen. Denn eine Depression kann mit Antriebslosigkeit, Rückzug und Erschöpfung einhergehen. Das kann auch die Rehabilitation erschweren.

 

Ein Schwerpunkt für die Zeit nach dem Schlaganfall

Dr. Holger Süß kennt diese Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven. Er hat Schlaganfall-Patienten in neurologischen Kliniken behandelt. Seit rund 20 Jahren kümmert er sich aus einem anderen Blickwinkel um sie. Der Neurologe ist auch Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Psychiater. In der Dr. Becker Burg-Klinik in Stadtlengsfeld hat der Chefarzt einen Schwerpunkt für die Behandlung von Menschen mit Post-Stroke-Depression mitentwickelt.

 

Beim akuten Schlaganfall spielt die Depression noch keine Rolle. Meist entwickelt sie sich in den Monaten danach, über die Rehabilitation hinweg, in der Nachsorge. Wenn den Betroffenen immer bewusster wird, dass sich ihr Leben unwiederbringlich verändert hat. Aber nicht nur die Trauer über verlorene  Fähigkeiten führt in die Depression.

 

Die Depression ist nicht nur eine psychische Reaktion auf die Behinderungen, sie kann auch biologische Folge des Schlaganfalls sein.
Dr. Holger Süß

Der Schlaganfall ist eine Verletzung des Gehirns, das wird oft vergessen. 

 

„Dies erklärt, warum Depressionen nach einem Schlaganfall häufiger sind als bei orthopädischen Erkrankungen mit vergleichbarem Behinderungsgrad.“ Eine gute Diagnostik ist deshalb unverzichtbar. Bei der Behandlung biologischer Ursachen liegt der Fokus neben den psychotherapeutischen Maßnahmen auf der Medikation.

 

Realistische Reha-Ziele als wichtiger Teil der Behandlung

Wenn Patienten in Stadtlengsfeld eintreffen, ist das Klinikteam bereits gut informiert. Betroffene senden im Vorfeld alle ärztlichen Berichte an die Klinik und füllen einen umfangreichen Fragebogen aus. Die Dr. Becker Burg-Klinik behandelt Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen. Fünf Wochen dauert eine stationäre Rehabilitation, Verlängerung ist möglich. Das Basisprogramm ist für alle Patientinnen und Patienten ähnlich, es besteht aus Entspannung, Bewegung, Ernährung und Psychotherapie. Alles darüber hinaus passiert individuell und orientiert sich an den Reha-Zielen.

 

Beim Therapieplan kommt den Bezugstherapeuten eine zentrale Rolle zu. Sie sind „Kümmerer“, sind nah dran an den Patientinnen und Patienten und haben regelmäßig Einzeltherapien. In der Psychotherapie verfolgt die Klinik, je nach Bedarf, unterschiedliche Methoden und arbeitet psychoanalytisch, tiefenpsychologisch, gesprächspsychotherapeutisch oder verhaltenstherapeutisch.

 

Damit Patienten nicht an ihren eigenen Ansprüchen scheitern, vereinbaren Team und Patient in den ersten Tagen gemeinsam die Reha-Ziele. „Heilbar“ sind Depressionen häufig nicht, erst recht nicht, wenn sie biologisch bedingt sind und eine Hirnschädigung vorliegt. Aber die Akzeptanz dieser Schädigung ist die Grundlage für einen guten Umgang mit ihr – dieses Ziel ist realistisch.

 

Abstand vom Alltag, Zeit für die Reha

Die Burg-Klinik ist zum Teil in der historischen Burg Lengsfeld untergebracht. Die besondere Umgebung prägt den Aufenthalt, wichtiger ist für die Behandlung jedoch der Abstand zum gewohnten Alltag. Für viele Patientinnen und Patienten ist es entlastend, sich für eine Zeit ganz auf die eigene Stabilisierung und Rehabilitation konzentrieren zu können.

 

Bewegungstherapie gehört dabei fest zum Konzept. Ergänzt wird das therapeutische Angebot durch weitere Aktivitäten im Wochenverlauf. Auch für Patientinnen und Patienten mit Kindern gibt es unterstützende Angebote: Im klinikeigenen Kindertreff „Löwenzahn“ werden Kinder betreut, außerdem ist ein Schulbesuch in der nahegelegenen Grund- und Regelschule möglich. Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit der Rehabilitation mit Begleithund in einem eigenen Bereich der Klinik.

 

Patientinnen und Patienten kommen aus ganz Deutschland nach Stadtlengsfeld. Dass die Klinik einen besonderen Schwerpunkt auf die Behandlung von Menschen mit Post-Stroke-Depression legt, macht sie zu einer spezialisierten Anlaufstelle innerhalb der psychosomatischen Rehabilitation.

 

 

Mehr zum Thema Post Stroke Depression haben wir in unserem Gesundheitsmagazin für Sie zusammengetragen.

 

 

Schlaganfall-Hilfe für Sie unterwegs

„Welche Rehabilitationsklinik können Sie uns empfehlen?“ So lautet eine der häufigsten Fragen, die unseren Kolleginnen im Service- und Beratungszentrum gestellt wird. Als unabhängige, gemeinnützige Stiftung sind wir zur Neutralität verpflichtet und sprechen keine Empfehlungen aus. Jedoch erreichen uns aus unserem großen Selbsthilfe-Netzwerk viele Erfahrungsberichte von Patienten. Diesen Berichten gehen wir nach und besuchen Kliniken, in denen sich Mitglieder der Selbsthilfegruppen gut behandelt fühlten.

Die unabhängigen Berichte unserer Besuche können Sie regelmäßig in unserem Gesundheitsmagazin Thala und hier auf www.schlaganfall-hilfe.de lesen.