„Die erste Idee hatten wir im Dezember 2024, eröffnet haben wir im Februar 2026“, erzählt Matthias Diener. Mit seiner Kollegin Mira Spitkowski leitet er das Neurologische Therapiezentrum (NTZ) St. Georg auf dem Gelände der Asklepios Klinik.
Als die beiden Therapeuten der Geschäftsführung ihre Pläne schilderten, zögerte der Konzern nicht lange. In weniger als sechs Monaten Bauzeit wurde ein kompletter Gebäudeteil entkernt, umgebaut und in ein Therapiezentrum mit rund 1.100 Quadratmetern Fläche verwandelt.
Hohe Therapiedichte nach der stationären Reha
Wir wollen die Qualität aus der stationären Versorgung in den ambulanten Bereich bringen.
Die Nachfrage gibt den beiden recht: Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung musste das Zentrum vorübergehend einen Aufnahmestopp verhängen.
Vorbei die hohe Therapiedichte, die tolle technische Ausstattung, das große neurologische Know-how – in der ambulanten Therapie setzt für viele Betroffene die Ernüchterung ein. Das NTZ will diese Lücke für Menschen aus Hamburg und dem weiteren Umland verkleinern.
Zum Zeitpunkt unseres Besuchs arbeiteten neun Therapeutinnen und Therapeuten im NTZ. Langfristig soll das Team auf 25 Beschäftigte wachsen. Zunächst sind Physio- und Ergotherapie vertreten. Weitere Bereiche wie Logopädie und Neuropsychologie sollen das Angebot ergänzen.
Individueller Therapieplan nach standardisierten Tests
Zu Beginn durchlaufen Patientinnen und Patienten mehrere „Assesments“ - standardisierte Untersuchungen und Tests. Dabei werden unter anderem die Gehfähigkeit, die Arm- und Handfunktion sowie kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit und Gedächtnis erfasst.
Auf Grundlage der Ergebnisse erstellt das therapeutische Team einen individuellen Behandlungsplan. Mit den entsprechenden ärztlichen Verordnungen können gesetzlich Versicherte bis zu vier Stunden täglich trainieren.
Robotik und spielerisches Training
Die klassische Behandlung auf der Therapiebank steht im NTZ nicht im Mittelpunkt. In verschiedenen Reha-Labs trainieren Patientinnen und Patienten ihre Gehfähigkeit, Arm- und Handbewegungen sowie kognitive Fähigkeiten.
Dabei kommen unter anderem Gang- und Armroboter, virtuelle Anwendungen und Bildschirme zum Einsatz. Robotik ermöglicht eine große Zahl gezielter Wiederholungen. Spielerische Elemente, die sogenannte Gamification, können zusätzlich die Motivation und aktive Beteiligung fördern.
Auch die klassische Spiegeltherapie wird im Zentrum virtuell umgesetzt. Dabei sehen Patientinnen und Patienten Bewegungen auf einem Bildschirm, um die Wahrnehmung und Steuerung der betroffenen Körperseite zu unterstützen.
Neue Hoffnung für jüngere Betroffene
Zu den ersten Patientinnen und Patienten gehören Bewohnerinnen und Bewohner des benachbarten „Haus für morgen“. Das Wohnprojekt richtet sich an jüngere Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen und körperlichen Einschränkungen.
Christiane Holtappels, Geschäftsführerin des Wohnprojekts, und ihr Team waren nach einer ersten Besichtigung von den Möglichkeiten des Therapiezentrums überzeugt. Bewohnerin Tina Masuch hat bereits nach dem Aufnahmegespräch ein klares Ziel: „In spätestens einem Jahr will ich wieder laufen“, sagt sie.
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