Spastik nach Schlaganfall: Symptome, Behandlung und Hilfe im Alltag

Spastik nach Schlaganfall: Symptome, Behandlung und Hilfe im Alltag

Viele Menschen entwickeln nach einem Schlaganfall eine Spastik. Dabei erhöht sich die Muskelspannung. Arme oder Beine werden steif und Bewegungen fallen schwerer. Die Beschwerden entstehen häufig nicht sofort,  sondern erst Wochen oder Monate später.

Wichtig ist, eine beginnende Spastik früh abklären zu lassen. So können Schmerzen, Fehlstellungen und dauerhafte Bewegungseinschränkungen möglichst vermieden werden.

 



Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Spastik ist eine dauerhaft erhöhte Muskelspannung nach einer Schädigung des zentralen Nervensystems, zum Beispiel nach einem Schlaganfall.
  • Sie entsteht häufig im Verlauf der Rehabilitation oder in den Monaten nach einem Schlaganfall.
  • Die Muskeln werden steif, verkrampfen sich und lassen sich schlechter bewegen.
  • Häufig betroffen sind Arme, Hände, Beine oder Füße. Manchmal ist eine ganze Körperseite betroffen.
  • Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind häufig.
  • Physiotherapie und Ergotherapie gehören zu den wichtigsten Behandlungen.
  • Hilfsmittel, Medikamente und gezielte Injektionen mit Botulinumtoxin können zusätzlich helfen.
  • Ohne Behandlung kann eine Spastik zu Fehlstellungen, dauerhaften Schmerzen und weiteren Einschränkungen im Alltag führen.
     


Was ist eine Spastik nach einem Schlaganfall?

Der Begriff Spastik stammt aus dem Griechischen. „Spasmos“ bedeutet Krampf. Gemeint ist damit eine erhöhte Muskelspannung, die Betroffene nicht bewusst steuern können.
 

 

Nach einem Schlaganfall können Bereiche im Gehirn geschädigt sein, die Bewegungen kontrollieren. Dadurch geraten Signale zwischen Gehirn und Muskeln aus dem Gleichgewicht. Die Muskeln bleiben angespannt und entspannen sich nicht mehr richtig.
 

Oft entwickelt sich die Spastik aus einer zunächst schlaffen Lähmung. Mit der Zeit werden Bewegungen steifer und schwerer kontrollierbar.
 

Häufig betroffen sind Arme, Hände oder Beine. Bei manchen Menschen verkrampft sich eine ganze Körperseite.

 

Wann entsteht eine Spastik nach einem Schlaganfall?

Eine Spastik tritt meist nicht direkt nach dem Schlaganfall auf. Viele Betroffene bemerken die ersten Anzeichen erst nach einigen Wochen oder Monaten. Häufig verändert sich die Muskelspannung im Verlauf der Rehabilitation.
 

Gerade deshalb ist es wichtig, auf neue Beschwerden zu achten. Wenn Arme, Hände, Beine oder Füße zunehmend steif werden oder Bewegungen schwerer fallen, sollte das früh ärztlich oder therapeutisch angesprochen werden.

 

Woran erkenne ich eine Spastik?

Eine Spastik entwickelt sich meist langsam. Viele Menschen bemerken zunächst, dass sich Arme oder Beine steifer anfühlen. Bewegungen fallen schwerer und Muskeln verkrampfen sich schneller.
Typisch ist, dass sich Gelenke nicht mehr gut strecken oder beugen lassen. Manche Betroffene können die Hand nicht mehr richtig öffnen oder den Fuß nur noch eingeschränkt bewegen. Häufig kommen Schmerzen hinzu.
 

Im Alltag zeigt sich die Spastik oft beim Gehen, Greifen, Schreiben oder Anziehen. Die Beschwerden können sich durch Stress, Schmerzen oder körperliche Anstrengung verstärken.

 

Warum entsteht eine Spastik nach einem Schlaganfall?

Bewegungen entstehen im Gehirn. Von dort senden Nervenzellen Signale an die Muskeln. Ein Schlaganfall kann diese Steuerung stören. Die hemmenden und aktivierenden Signale geraten aus dem Gleichgewicht. Die Folge ist eine dauerhaft erhöhte Muskelspannung. Muskeln verkrampfen sich leichter und lassen sich schlechter kontrollieren.
 

Spastik ist deshalb kein „falsches Verhalten“ und auch keine Frage von Willenskraft. Sie entsteht durch die Schädigung des Nervensystems nach dem Schlaganfall.

 

Wie wird eine Spastik festgestellt?

Eine Spastik sollte ärztlich oder therapeutisch abgeklärt werden. Dabei wird geprüft, welche Muskeln betroffen sind, wie stark die Muskelspannung erhöht ist und welche Bewegungen im Alltag eingeschränkt sind.

Wichtig ist auch die Frage, ob Schmerzen, Fehlhaltungen, Stürze oder Probleme bei der Körperpflege auftreten. Denn die Behandlung richtet sich nicht nur nach der Muskelspannung, sondern vor allem danach, welche Ziele für den Alltag wichtig sind.
 

Dazu gehören zum Beispiel:

  • sicherer gehen
  • die Hand besser öffnen
  • Schmerzen verringern
  • Körperpflege erleichtern
  • Fehlstellungen vermeiden
  • selbstständiger im Alltag bleiben
     

Aus diesen Informationen entsteht ein Behandlungsplan. Häufig arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Physio- und Ergotherapeutinnen sowie weitere Fachkräfte dabei zusammen.

 

Wann sollte eine Spastik ärztlich abgeklärt werden?

Betroffene sollten ärztlichen oder therapeutischen Rat suchen, wenn Arme, Hände, Beine oder Füße zunehmend steif werden, Schmerzen auftreten, Bewegungen schwerer fallen oder sich Fehlhaltungen entwickeln.
 

Auch Probleme beim Gehen, Greifen, Anziehen oder bei der Körperpflege sollten früh angesprochen werden. Je früher eine Spastik erkannt und behandelt wird, desto besser lassen sich Folgeprobleme häufig vermeiden.

 

Kann eine Spastik unterschiedlich stark ausgeprägt sein?

Ja. Manche Menschen spüren nur eine leichte Muskelsteifheit. Andere leiden unter starken Verkrampfungen, Schmerzen und deutlichen Bewegungseinschränkungen.
Auch bei derselben Person kann die Muskelspannung schwanken. Bei stärkeren Spastiken fällt es vielen Betroffenen schwer, alltägliche Dinge selbstständig zu erledigen – etwa zu gehen, Gegenstände festzuhalten oder sich anzuziehen.
 

Eine Spastik kann einzelne Muskeln, mehrere Muskelgruppen oder eine ganze Körperseite betreffen. Deshalb muss die Behandlung immer zur individuellen Situation passen.

 

Kann sich eine Spastik zurückbilden?

Eine Spastik bildet sich nicht immer vollständig zurück. Die Beschwerden lassen sich aber häufig deutlich lindern. 

 

Regelmäßige Therapie und Bewegung helfen dabei, Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten und Folgeprobleme zu vermeiden. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser lassen sich häufig dauerhafte Schäden verhindern. Wichtig ist, dranzubleiben – auch wenn Fortschritte langsam kommen.

 

Wie wird eine Spastik behandelt?

Die Behandlung richtet sich danach, wie stark die Beschwerden sind und welche Körperbereiche betroffen sind.
Ein wichtiges Ziel ist nicht nur, die Muskelspannung zu senken. Entscheidend ist, dass Betroffene sich besser bewegen können, weniger Schmerzen haben und im Alltag möglichst selbstständig bleiben.

 

  • Physiotherapie

Physiotherapie gehört zu den wichtigsten Maßnahmen. Regelmäßige Übungen helfen dabei, Muskeln beweglich zu halten und Verkrampfungen zu verringern.
 

Auch Dehnungen, Lagerung, Gleichgewichtstraining und Gangtraining können Teil der Behandlung sein. Welche Übungen sinnvoll sind, sollte immer individuell festgelegt werden.

 

  • Ergotherapie 

Auch Ergotherapie spielt eine wichtige Rolle. Dabei geht es darum, alltägliche Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten oder neu zu trainieren. Ergotherapie kann außerdem helfen, Bewegungen im Alltag besser zu planen und Überlastung zu vermeiden.

 

  • Hilfsmittel

Hilfsmittel wie Orthesen, Lagerungsschienen oder Gehstützen können den Alltag zusätzlich erleichtern und Fehlstellungen vorbeugen.
 

Wichtig ist, dass Hilfsmittel gut angepasst werden. Unpassende Hilfsmittel können Beschwerden verstärken oder im Alltag eher behindern als helfen.

 

  • Medikamente und Botulinumtoxin

Bei stärkeren Beschwerden können zusätzlich Medikamente helfen. Häufig kommt dabei Botulinumtoxin zum Einsatz, vielen besser bekannt als Botox. Das Medikament wird gezielt in verkrampfte Muskeln gespritzt und kann die Muskelspannung für mehrere Monate senken. Besonders häufig wird Botulinumtoxin eingesetzt, wenn einzelne Muskeln oder Muskelgruppen besonders stark betroffen sind.
 

Dadurch können Bewegungen leichter fallen, Schmerzen nachlassen oder Pflege und Lagerung einfacher werden. Die Wirkung hält nicht dauerhaft an. Deshalb muss die Behandlung bei Bedarf wiederholt und mit Therapie kombiniert werden.

 

  • Behandlung bei schwerer Spastik

Bei sehr starker oder komplexer Spastik kann eine spezialisierte Behandlung sinnvoll sein, zum Beispiel in einer neurologischen Praxis, Reha-Einrichtung oder Spastik-Sprechstunde. Dort kann geprüft werden, welche Kombination aus Therapie, Hilfsmitteln und Medikamenten geeignet ist.
 

 

Welche Folgen kann eine unbehandelte Spastik haben?

Ohne Behandlung kann eine Spastik langfristig weitere Probleme verursachen. Muskeln können sich verkürzen und Gelenke in Fehlstellungen geraten. Dadurch nehmen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen häufig weiter zu.
 

Viele Betroffene haben dann zunehmend Schwierigkeiten beim Gehen, Greifen oder bei der Körperpflege. Dauerhafte Schmerzen und Einschränkungen im Alltag belasten viele Menschen außerdem psychisch.
Auch Angehörige sind häufig betroffen, wenn Pflege, Lagerung oder Transfers schwieriger werden. Eine frühzeitige Behandlung kann deshalb Betroffene und Angehörige entlasten.

 

Wie verändert eine Spastik den Alltag?

Eine Spastik beeinflusst viele Bereiche des täglichen Lebens. Bewegungen dauern oft länger und kosten mehr Kraft. Manche Menschen brauchen mehr Zeit für das Anziehen oder die Körperpflege. Andere fühlen sich beim Gehen unsicher oder vermeiden längere Wege aus Angst vor Stürzen.
 

Mit Therapie, passenden Hilfsmitteln und regelmäßigem Training gelingt es jedoch häufig, Beweglichkeit und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.

 

Was können Betroffene und Angehörige tun?

Tipps für Betroffene
 

  • Bleiben Sie möglichst regelmäßig in Bewegung
  • Führen Sie Übungen konsequent durch
  • Nutzen Sie Hilfsmittel im Alltag 
  • Sprechen Sie Schmerzen oder Veränderungen frühzeitig an
  • Vermeiden Sie längere Fehlhaltungen
  • Achten Sie auf Auslöser, die Ihre Spastik verstärken können, zum Beispiel Stress, Schmerzen oder ungünstige Lagerung.
  • Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Fortschritte langsam kommen 
     

Tipps für Angehörige
 

  • Unterstützen Sie bei Übungen und Bewegung
  • Achten Sie auf eine gute Lagerung von Armen und Beinen
  • Helfen Sie dabei, Stürze zu vermeiden
  • Nehmen Sie Schmerzen ernst
  • Ermutigen Sie zu möglichst viel Selbstständigkeit
  • Sprechen Sie Veränderungen frühzeitig im Behandlungsteam an.
  • Achten Sie auch auf Ihre eigene Belastung

 

Quellen:

Häufig gestellte Fragen



Weitere Informationen

Mehr zum Leben nach einem Schlaganfall, zu Rehabilitation, Hilfsmitteln und Unterstützung für Angehörige finden Sie auf den weiterführenden Seiten der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Mehr zum Thema Spastik finden Sie außerdem in unserem Gesundheitsmagazin Thala. In Ausgabe 3/2024 geht es unter anderem um Behandlungsmöglichkeiten, Botulinumtoxin, Hilfsmittelversorgung und Fragen von Betroffenen.

Thala-Ausgabe 3/24 - Spastik