Das Wichtigste auf einen Blick
- Gedächtnisstörungen gehören zu den häufigen kognitiven Folgen eines Schlaganfalls.
- In einer Befragung pflegender Angehöriger berichteten 59 Prozent, dass Betroffene Probleme mit dem Erinnern oder Vergesslichkeit haben.
- Gedächtnisprobleme können verschiedene Gedächtnisbereiche betreffen.
- Besonders das Merken neuer Informationen fällt vielen Betroffenen schwerer.
- Therapien, Gedächtnistraining und einfache Strategien im Alltag können helfen.
- Gedächtnisleistungen können sich im Verlauf von Rehabilitation und Training verbessern.
Inhaltsverzeichnis
- Woran erkenne ich Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall?
- Wie häufig sind Gedächtnisprobleme nach einem Schlaganfall?
- Welche Gedächtnisbereiche können nach einem Schlaganfall betroffen sein?
- Verschiedene Gedächtnisarten kurz erklärt
Was ist das Kurzzeitgedächtnis?
Was ist das Langzeitgedächtnis? - Wie zeigen sich Gedächtnisstörungen im Alltag?
- Warum kommt es nach einem Schlaganfall zu Gedächtnisstörungen?
- Was hilft im Alltag bei Gedächtnisproblemen?
- Wie können Angehörige unterstützen?
- Welche Therapien können bei Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall helfen?
- Können sich Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall zurückbilden?
- Häufige Fragen zu Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall
Woran erkenne ich Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall?
Gedächtnisstörungen können sich ganz unterschiedlich äußern. Wie stark sie auffallen, hängt unter anderem davon ab, welche Gedächtnisfunktionen betroffen sind.
In der Rehaklinik führen Neuropsychologinnen und Neuropsychologen häufig eine neuropsychologische Testung durch. Dabei werden Gedächtnis, Aufmerksamkeit und andere geistige Fähigkeiten systematisch überprüft. Im Alltag zeigen sich Gedächtnisprobleme oft daran, dass Betroffene
- häufiger Termine oder Verabredungen vergessen
- sich an kürzlich geführte Gespräche nicht erinnern
- Dinge verlegen und nicht mehr wissen, wo sie abgelegt wurden
- Schwierigkeiten haben, neue Informationen zu behalten
- häufiger nachfragen müssen, weil Inhalte nicht im Gedächtnis geblieben sind
Manche Betroffene bemerken diese Veränderungen selbst sehr deutlich. In anderen Fällen fallen sie zunächst eher Angehörigen oder anderen Personen im Umfeld auf.
Wie häufig sind Gedächtnisprobleme nach einem Schlaganfall?
Gedächtnisstörungen gehören zu den sogenannten “unsichtbaren” Folgen eines Schlaganfalls. Von außen sind sie oft nicht sofort erkennbar, können den Alltag aber deutlich beeinflussen.
Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein. Manche Betroffene vergessen häufiger Termine oder Gespräche. Andere haben vor allem Schwierigkeiten, neue Informationen zu behalten oder sich an kürzlich Erlebtes zu erinnern.
Für Betroffene und Angehörige sind diese Veränderungen oft belastend, weil sie viele Bereiche des Alltags betreffen – etwa Gespräche, Termine oder organisatorische Aufgaben.
Eine Befragung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe unter pflegenden Angehörigen zeigt: Mehr als die Hälfte (59 Prozent) der Befragten berichtete, dass die betroffene Person Schwierigkeiten mit dem Erinnern hat.
Welche Gedächtnisbereiche können nach einem Schlaganfall betroffen sein?
Gedächtnis ist nicht gleich Gedächtnis. Fachleute verstehen darunter ein komplexes System im Gehirn, das Informationen aufnehmen, speichern und wieder abrufen kann.
Verschiedene Gedächtnisarten kurz erklärt
Das menschliche Gedächtnis besteht aus verschiedenen Systemen, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen und Informationen unterschiedlich lang speichern.
Was ist das Kurzzeitgedächtnis?
Das Kurzzeitgedächtnis – auch Arbeitsgedächtnis genannt – speichert Informationen nur für kurze Zeit. Meist bleiben Inhalte nur einige Sekunden oder Minuten im Gedächtnis.
Es hilft zum Beispiel dabei,
- sich eine Telefonnummer kurz zu merken
- eine mündliche Anweisung umzusetzen
- Informationen während eines Gesprächs im Kopf zu behalten
Damit Informationen länger gespeichert werden, müssen sie vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis übergehen. Nach einem Schlaganfall kann es passieren, dass Informationen schneller wieder verloren gehen oder nicht richtig gespeichert werden.
Was ist das Langzeitgedächtnis?
Im Langzeitgedächtnis werden Informationen über längere Zeit gespeichert – manchmal ein Leben lang. Hier werden Erfahrungen, Wissen und persönliche Erinnerungen abgelegt. Bei vielen Schlaganfall-Betroffenen bleiben ältere Erinnerungen weitgehend erhalten. Schwieriger ist häufig das Speichern neuer Informationen.
Beispiele, was im Langzeitgedächtnis gespeichert wird:
- persönliche Erinnerungen
- Wissen aus Schule oder Beruf
- erlernte Fähigkeiten
Wie zeigen sich Gedächtnisstörungen im Alltag?
Gedächtnisprobleme können sich im Alltag auf verschiedene Weise zeigen. Zum Beispiel berichten Betroffene häufig, dass sie
- einen Raum betreten und nicht mehr wissen, was sie dort wollten
- neue Namen nur schwer behalten
- eine Nachricht lesen und kurz darauf den Inhalt vergessen
- einen Termin vergessen, obwohl er vorher besprochen wurde
- Dinge häufiger verlegen
Solche Situationen können frustrierend sein. Gleichzeitig sind sie eine häufige Folge einer Hirnschädigung nach einem Schlaganfall.
Warum kommt es nach einem Schlaganfall zu Gedächtnisstörungen?
Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns vorübergehend oder dauerhaft nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dadurch können verschiedene Funktionen beeinträchtigt werden, darunter auch das Gedächtnis.
Wichtig ist: Das Gedächtnis wird nicht von einem einzigen Bereich im Gehirn gesteuert. Vielmehr arbeiten mehrere Hirnregionen zusammen, um Informationen aufzunehmen, zu speichern und wieder abzurufen.
Wenn dieses Zusammenspiel gestört ist, kann es zu Gedächtnisproblemen kommen.
Was hilft im Alltag bei Gedächtnisproblemen?
Viele Menschen entwickeln im Laufe der Zeit Strategien, die ihnen den Alltag erleichtern. In der Rehabilitation lernen Betroffene häufig gezielte Gedächtnistechniken kennen. Dabei spielt der Umgang mit neuen Informationen eine wichtige Rolle. Es kann beispielsweise helfen,
- sich bewusst Zeit zu nehmen, wenn man etwas Neues lernt
- Ablenkungen möglichst zu vermeiden
- Informationen aktiv zu wiederholen
- Inhalte laut auszusprechen oder aufzuschreiben
- feste Routinen im Alltag zu entwickeln
- Aufgaben in kleinere Schritte zu unterteilen
- Termine immer am gleichen Ort zu notieren
Zusätzlich kann es hilfreich sein, neue Informationen mit bereits vorhandenem Wissen zu verknüpfen. Wenn sich etwas gut einordnen lässt, bleibt es oft leichter im Gedächtnis.
Auch emotionale Bezüge spielen eine Rolle: Inhalte, die mit persönlichen Erfahrungen verbunden sind, werden häufig besser behalten.
Um nichts zu vergessen, schreiben sich viele Menschen wichtige Dinge auf. Diese Strategie wird auch von Fachleuten empfohlen. Wichtig ist jedoch, dass die Notizen übersichtlich organisiert sind. Wenn die Zettel überall verteilt sind – etwa am Kühlschrank, am Spiegel oder auf dem Tisch –, geht der Überblick schnell verloren. Hilfreicher ist es, Informationen an einem festen Ort zu sammeln, zum Beispiel in einem Notizbuch, einem Kalender oder einer App. Auch die Erinnerungsfunktionen des Smartphones können dabei unterstützen.
Manche Menschen merken sich Informationen außerdem leichter, wenn sie diese bildlich vorstellen oder mit persönlichen Erfahrungen verbinden.
Solche Strategien ersetzen das Gedächtnis zwar nicht vollständig. Sie können aber helfen, vorhandene Gedächtnisressourcen besser zu nutzen und den Alltag übersichtlicher zu gestalten.
"Ich habe vergessen, dass ich etwas vergessen habe"
Andre beschreibt, wie sich Gedächtnisprobleme nach einem Schlaganfall auf seinen Alltag ausgewirkt haben.
Wie können Angehörige unterstützen?
Gedächtnisprobleme nach einem Schlaganfall fallen im Alltag oft zuerst Angehörigen oder anderen Personen im Umfeld auf. Umso wichtiger ist es, Veränderungen ernst zu nehmen und den Alltag gemeinsam so zu strukturieren, dass die betroffene Person entlastet wird.
Hilfreich können zum Beispiel klare Absprachen, Geduld und feste Routinen sein. Auch ein einheitlicher Ort für Termine, Notizen oder wichtige Informationen kann dabei unterstützen, den Überblick zu behalten. Erinnerungsfunktionen im Smartphone, Kalender oder Notizbücher können zusätzlich helfen. Wichtig ist außerdem, Informationen möglichst ruhig und ohne Ablenkung zu vermitteln. Viele Betroffene profitieren davon, wenn Inhalte wiederholt, aufgeschrieben oder in kleine Schritte gegliedert werden.
Welche Therapien können bei Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall helfen?
Wenn Gedächtnisstörungen den Alltag deutlich beeinträchtigen, können verschiedene therapeutische Maßnahmen unterstützen.
- Neuropsychologische Therapie
In der neuropsychologischen Therapie werden Gedächtnisfunktionen gezielt trainiert. Gleichzeitig lernen Betroffene Strategien, um mit Einschränkungen im Alltag besser umzugehen.
- Gedächtnistraining
Gedächtnistraining kann dabei helfen, die Aufmerksamkeit zu verbessern, Informationen besser zu strukturieren und individuelle Merktechniken zu entwickeln.
Können sich Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall zurückbilden?
Unmittelbar nach einem Schlaganfall haben viele Betroffene Schwierigkeiten, sich neue Informationen zu merken. Ein Teil dieser Probleme kann sich im Laufe der Zeit wieder verbessern. Das Gehirn besitzt eine gewisse Fähigkeit zur Anpassung und Neuorganisation. Durch Rehabilitation, Therapie und eigenes Training können sich Gedächtnisleistungen häufig verbessern. Viele Betroffene berichten, dass sie im Laufe der Zeit sicherer im Umgang mit ihrem Gedächtnis werden – auch wenn nicht immer das frühere Leistungsniveau erreicht wird.
Quellen
- Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Wie ist die Lebenssituation und Lebensqualität von Angehörigen von Personen mit einem Schlaganfall?, August 2025.
- Kuhn, Caroline: Ratgeber Schlaganfall, Schädelhirntrauma und MS. Springer, 2018.
Häufige Fragen zu Gedächtnisstörungen nach einem Schlaganfall
Ja. Sie gehören zu den häufigen kognitiven Folgen eines Schlaganfalls.
Häufig ist vor allem das Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis beeinträchtigt. Ältere Erinnerungen bleiben dagegen oft erhalten.
Im Alltag müssen viele Informationen gleichzeitig verarbeitet werden. Dadurch werden Schwierigkeiten oft deutlicher sichtbar.
Neuropsychologinnen und Neuropsychologen führen entsprechende Tests durch.
Ja. Klare Kommunikation, Geduld und feste Strukturen können den Alltag erleichtern.
Neuropsychologische Therapie, Gedächtnistraining, Ergotherapie und alltagsnahe Strategien.
Weil sie das Gedächtnis entlasten und weniger neue Informationen verarbeitet werden müssen.
Zum Beispiel Kalender, Erinnerungsfunktionen im Smartphone, Notizbücher oder feste Ablageorte.