Mit der Zeit wird es immer schwerer, Dinge wieder neu zu lernen
Um keine falschen Hoffnungen zu schüren: Neuroplastizität nimmt nach einem Schlaganfall mit der Zeit ab. Das bedeutet, es fällt dem Gehirn immer schwerer, verlorengegangene Fähigkeiten neu zu erlernen. Doch unmöglich, wie man früher dachte, ist das nicht. Der Aufwand wird nur größer, sprich: Für die Betroffenen wird es anstrengender. Eine Antwort könnte in der Intensivtherapie liegen. Einige wenige Praxen und Zentren in Deutschland bieten sie an. Deren Patientinnen und Patienten berichten häufig, dass sie dadurch auch Jahre nach dem Schlaganfall noch Fortschritte machen. Für die Handrehabilitation ist das jetzt auch wissenschaftlich belegt.
Erfolge schon nach kurzer Zeit
In der Hand- und Ergotherapie Laborn (Regensburg) trainierten
- knapp 100 Patientinnen und Patienten
- zwei Wochen lang
- täglich vier Stunden,
begleitet durch Therapeutinnen und Therapeuten. Ergänzend kamen moderne Methoden wie virtuelle Realität und Armroboter zum Einsatz.
Deren Erfolgsgeheimnis heißt „Gamification“. Anstrengende Übungen werden mit spielerischen Elementen verbunden und fallen den Betroffenen plötzlich viel leichter. Ziel war, die Steuerung des Arms im Gehirn zu reaktivieren.
Nach insgesamt 40 Stunden Training verbesserten sich die aktive Bewegungskontrolle und die Gelenkfunktionen deutlich – unabhängig von Alter, Geschlecht, Schwere der Lähmung oder Krankheitsdauer. Auch Spastiken nahmen ab, die Stimmung und die Lebensqualität stiegen.
Das ist ein erstaunliches Ergebnis in so kurzer Zeit.
Der Neurologe vom BDH-Bundesverband gilt als führender deutscher Wissenschaftler auf dem Gebiet der Arm- und Handrehabilitation nach Schlaganfall.
Intensive Betreuung ist wichtig
Begleitet wurde das Programm durch eine App, die zum Üben im Alltag motivierte. Ein Bewegungstracker zeigte, dass der betroffene Arm tatsächlich häufiger eingesetzt wurde. „Das ist letztlich das Entscheidende“, erklärt Praxis-Inhaber Michael Laborn.
Das Training muss dazu führen, dass die Patienten ihren Arm im Alltag wieder gebrauchen.
Etwa die Hälfte der Teilnehmenden berichtete über Müdigkeit oder Muskelbeschwerden – doch niemand brach das Training ab. Die Anstrengung lohnte sich also.
Auch Jahre nach einem Schlaganfall sind Verbesserungen möglich
Die Erkenntnis der Forschenden: Auch Jahre nach einem Schlaganfall lässt sich die Armfunktion noch verbessern – wenn das Training intensiv, individuell und fachlich begleitet ist.
Entscheidend sind laut Prof. Platz vier Faktoren:
- eine krankheitsspezifische Therapie,
- klare Funktionsziele,
- ausreichende Intensität und
- engmaschige Betreuung.
Noch fehlen in Deutschland feste Strukturen, um solche Intensivprogramme zu finanzieren.
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Verstehen & VermeidenBasisinformationen zum Thema Schlaganfall
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