Mit Musik geht alles besser
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Mit Musik geht alles besser

Schlaganfall-Rehabilitation ist harte Arbeit für die Patientinnen und Patienten. Da liegt es nahe, alles zu versuchen, ihnen diese Arbeit zu erleichtern. Immer stärker in den Fokus gerät dabei der Einsatz von Musik.

An Musik scheiden sich die Geister, unzählige Stilrichtungen bedienen jeden Geschmack. Gibt es eigentlich Menschen, die Musik gar nicht mögen? Wohl kaum. Musik ist ein Phänomen, mit dem sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen beschäftigen, seit einigen Jahren zunehmend auch die Neurowissenschaften.

Musik schafft Vernetzungen

Musik wirkt nachweisbar auf unser Gehirn. So zeigen die Gehirne von Musikerinnen und Musikern neuroplastische Unterschiede gegenüber Nicht-Musikern. Offensichtlich führt musikalisches Training, also das Üben eines Instruments, zu langanhaltenden Veränderungen im Hirn. Warum sollte es nicht auch möglich sein, diesen Effekt für die Rehabilitation nutzbar zu machen? Musik als Heilmittel für das kranke Gehirn – eine schöne Vorstellung.

Was genau wie und warum im Gehirn vorgeht, wenn es Musik hört oder der Mensch selbst Klänge erzeugt, ist noch nicht umfassend erforscht. Sicher ist aber, dass Musik die Vernetzung von Nervenzellen fördert und die sogenannte Neuroplastizität anregt, also die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst neu zu organisieren. Eben die ist Voraussetzung für zum Beispiel motorisches Lernen – etwa wenn der Teil des Gehirns, der für die Steuerung eines Armes zuständig war, nach einem Schlaganfall ausfällt und das Gehirn diese Funktion in einem anderen, gesunden Areal nur erlernen muss.

Neben den komplexen physiologischen Vorgängen im Gehirn löst Musik ganz basale Reaktionen aus, die wir täglich spüren. Musik spricht emotionale Zentren und das Belohnungssystem des Gehirns an. Wir pfeifen oder singen Lieder mit, die wir im Radion hören, wippen mit dem Fuß im Takt oder schwelgen glückselig in Erinnerungen. „Mit Musik geht alles besser, mit Musik wird alles leicht“, hieß es schon in einem Schlager der 1940er-Jahre.

Musik erzeugt Stimmungen

Musik weckt Emotionen, sie hat starken Einfluss auf unsere Stimmung. Das kann besonders bedeutsam sein, wenn Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten eine Depression entwickeln. Musik aktiviert auch Bewegungsmuster, sie kann Aufmerksamkeit, Entspannung und Erregungszustände beeinflussen, ja sogar das Gedächtnis trainieren, und sie hat Auswirkungen auf unser soziales Verhalten in Gruppen.

Es gibt heute neben der klassischen Musiktherapie zahlreiche Ansätze, die vielseitige Wirkung von Musik in der Neurorehabilitation zu nutzen.

Wir geben einen kleinen Einblick in ein Therapiefeld, das sich gerade neu erfindet. Lesen Sie mehr über den „Alleskönner Musik“.