Eric, Max, Lars und Daniel beim Erfahrungsaustausch der Deutschen Schlaganfall-Hilfe für junge Betroffene in Duisburg.

Junger Mensch und Schlaganfall: Er trifft härter

Ein Schlaganfall kommt wie aus heiterem Himmel. Je jünger die Betroffenen sind, desto unerwarteter trifft er sie. Und die Herausforderungen für alle Beteiligten sind in jungen Jahren besonders groß.

„Einen Schlaganfall bekommen nur alte Leute – so ab 29." Vor mehr als zehn Jahren sorgte dieser Slogan der Deutschen Schlaganfall-Hilfe für Aufmerksamkeit. Wer Wirkung erzielen will, muss pointieren und Dinge auf die Spitze treiben. Natürlich ist das Alter nach wie vor der größte Risikofaktor für einen Schlaganfall. Natürlich sind 80 Prozent der Betroffenen über 60 Jahre alt. Natürlich liegt das Durchschnittsalter der Betroffenen um die 70. Doch wer seinen Blick nur auf Mehrheiten lenkt, lässt viele andere im Stich. Rund 30.000 Menschen unter 55 Jahren trifft der Schlaganfall jährlich in Deutschland. Das ist eine beachtliche Zahl.

Schlaganfall bei jungen Menschen im Blickpunkt

Die Mediziner der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) rückten das Thema zum Welt-Schlaganfalltag im vergangenen Oktober in den Fokus. Für Ärzte stellt ein Schlaganfall bei einem jungen Menschen oft eine besondere Herausforderung dar. „Der juvenile Schlaganfall ist komplexer und schwieriger zu diagnostizieren", sagte Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz auf der Pressekonferenz der DSG. „Wichtig ist deshalb eine sorgfältige Diagnostik." Studien aus den USA belegen, dass die Schlaganfall-Zahlen bei jungen Menschen zunehmen. „Ein Grund für das vermehrte Auftreten liegt vermutlich in dem Anstieg der typischen Gefäßrisikofaktoren, die zu einem Schlaganfall führen können. Dazu zählen beispielsweise ein hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen und Übergewicht", sagt Prof. Schäbitz. Bislang seien diese Faktoren bei den jüngeren Erkrankten als weniger relevant angesehen worden. Ob die Zahlen in Deutschland ebenfalls ansteigen, lässt sich derzeit noch nicht nachweisen. Viele Forscher gehen davon aus.

Menschen bewegen sich weniger

Seit Jahren warnen die Epidemiologen, dass unser veränderter Lebensstil zwangsläufig Folgen haben muss. Allein die Veränderung der Arbeitswelt hat gravierende Konsequenzen für die Gesundheit der Menschen. In den vergangenen 25 Jahren stieg der Anteil der Menschen, die im Dienstleistungsbereich tätig sind, von 61 auf 74 Prozent. Das sind Menschen, die wenig körperlich arbeiten und häufig sitzende Tätigkeiten ausüben. Ihnen fehlt es schlicht an Bewegung, sofern sie nicht für einen Ausgleich in ihrer Freizeit sorgen.

 

Weshalb auch immer der Schlaganfall sie trifft, junge Menschen trifft er besonders hart. Trotz guter Therapiemöglichkeiten bleibt etwa ein Drittel von ihnen dauerhaft arbeitsunfähig. Ganze Familien sind betroffen. Dieser Themenschwerpunkt soll einen kleinen Einblick geben.

Sandra Rösemeier

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