Robotik in der Gangtherapie: Schneller laufen lernen

Seit einigen Jahren halten robotikgestützte Gangtrainer Einzug in die Therapie. Was bewirken sie bei Patienten? Wir besuchten zwei Therapiezentren, die mit der neuen Technik arbeiten.

Lokomat

„Es fühlt sich an, als wenn ich gehe"; sagt Karl S.. 45 Minuten täglich übt der Hamburger im Lokomat. Unter anderem dafür ist der Schlaganfall-Patient eigens ins Zentrum der Rehabilitation in Pforzheim gekommen. Mit Gurten gesichert steht er auf einem Laufband. Elektrisch betriebene Führungshilfen unterstützen die Bewegungen seiner Gelenke. Wie viel Kraft er selbst investieren muss oder wie schnell er geht, bestimmt der Therapeut, der die Maschine programmiert. 

 „Das Gehen ist ein Automatismus, den viele Schlaganfall-Patienten verloren haben", erklärt Ruth Dorschner-Gerloofs, Geschäftsführerin des Zentrums. „Genau diesen Automatismus können sie im Lokomat wieder einüben." Patienten legen große Wegstrecken zurück, gewöhnen sich eine größere Schrittlänge an und finden ihre Balance. Eine Grafik auf dem Bildschirm zeigt ihnen, ob ihre Bewegungen dem gewünschten Muster entsprechen. Bei Bedarf lässt sich der Trainingsehrgeiz durch spielerische Aufgaben zusätzlich steigern.

Seit 2011 arbeitet das Zentrum mit dem Lokomat, mittlerweile bereits mit zwei Geräten. Die Erfahrungen sind durchweg positiv. Auch Patienten, bei denen der Schlaganfall länger zurückliegt, machen durch das Training Fortschritte. Es dauere oft nur länger, weil sie sich bereits falsche Bewegungsmuster angewöhnt hätten, so Dorschner-Gerloofs.

Bis zu 10 Stunden täglich sind die zwei Pforzheimer Lokomaten im Einsatz. Das Training wird durch speziell fortgebildete Therapeuten geleitet. Darauf legt Ruth Dorschner-Gerloofs besonderen Wert: „Das Gerät ist kein Allheilmittel. Es ersetzt keinen Therapeuten, sondern ist eine sinnvolle Ergänzung", sagt die erfahrende Physiotherapeutin. Alle ihre Patienten erhalten zusätzlich zum Lokomat auch klassisches Gangtraining mit einem Physiotherapeuten. Dazwischen benötigen Patienten wie Herr S. Pausen. Selbst das geführte Training im Lokomat bedeutet für ihn schwere Anstrengung.

THERA-Trainer lyra

Noch mehr in Schweiß gerät Jürgen H. im 80 Kilometer entfernten Kirchheim unter Teck. 30 Jahre liegt sein Schlaganfall zurück, seitdem ist er Patient in der Praxis Lamprecht. Seit kurzer Zeit steht er regelmäßig auf dem neuen Gangtrainer "THERA-Trainer lyra". „Muskulär mache ich damit weiterhin Fortschritte, und man gewinnt mehr Sicherheit", sagt der Patient. Mit einem Gehtempo von 3,2 Kilometer ist er bereits recht gut unterwegs, nach einer halben Stunde ist die Einheit beendet und Jürgen H. erschöpft.

Der THERA-Trainer lyra ist ein so genanntes Endeffektor-Gerät. Im Gegensatz zum Lokomat führt es lediglich die Füße, die Gelenke bleiben frei. Praxisinhaberin Sabine Lamprecht glaubt, dass dieses Prinzip Schlaganfall-Patienten eher entgegenkommt. Positive Studienergebnisse gibt es für beide Methoden. Auch hier wird der Patient, je nach Behinderung, mit Gurten gesichert. „So können wir im THERA-Trainer lyra mit Patienten trainieren, die sehr schwer betroffen sind, aber auch mit solchen, die gehen können und lediglich etwas mehr Sicherheit benötigen", sagt Sabine Lamprecht.

Der THERA-Trainer lyra arbeitet nicht mit einem Laufband, stattdessen werden die Füße des Patienten durch Pedale geführt. Mobile Patienten wie Jürgen H. „gehen" freihändig im Gerät und schulen so besonders ihre Balance. Der Schlüssel zum Erfolg liegt wie immer in der häufigen Wiederholung, am besten in kurzen Zeiträumen. „Drei Einheiten pro Woche wären gut, noch besser fünf", sagt Sabine Lamprecht. Ob Krankenkassen die Therapie bezahlen, muss im Einzelfall entschieden werden. Viele Sachbearbeiter kennen das neue Gerät noch gar nicht.

Die Praxis Lamprecht ist eine von bisher zehn ambulanten Einrichtungen in Deutschland, die den Gangtrainer Lyra einsetzen. Für Sabine Lamprecht ist die neue Trainingsmöglichkeit ein großer Gewinn. Die Rüstzeit ist vergleichsweise kurz und „in dieser Intensität könnten wir konventionell mit dem Patienten gar nicht trainieren." Hat der Patient unter diesen Laborbedingungen eine gewisse Sicherheit und das notwendige Gehtempo erreicht, folgt der nächste Schritt. Sabine Lamprecht: „Dann üben wir in der Realität, auf Kopfsteinpflaster und an Bordsteinkanten".

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