Was tun bei Verdacht auf Schlaganfall?
- Notruf wählen: 112 (Rettungsdienst)
- Symptome kurz beschreiben (z. B. Sprache, Sehen, Lähmung, Schwindel)
- Zeitpunkt nennen: Seit wann besteht das?
- Wenn möglich: Medikamentenliste/Arztbriefe bereithalten
"Irgendetwas stimmt mit Mama nicht" – ein Erfahrungsbericht
Ein Schlaganfall kann jeden treffen – das Alter ist kein Ausschlusskriterium. Und wenn der Ernstfall eintritt, ist die richtige Reaktion entscheidend. Beides zeigt die Geschichte von Susanne Homann.
„Mama, Mama – wach auf. Ich muss zur Schule“, dringt die aufgeregte Stimme ihres jüngsten Sohnes Vincent an Susanne Homanns Ohr. Für die damals 48-Jährige kein Grund zur Beunruhigung. Schließlich ist heute Sonntag – ist sie überzeugt. Zeit also, sich noch einmal die kuschelige Bettdecke über den Kopf zu ziehen.
„Mama“, Vincent lässt einfach nicht locker. Na gut, wenn er so überzeugt ist, zur Schule zu müssen, wird sie ihn eben für heute entschuldigen. Aber – warum kann sie die Schul-App einfach nicht auf ihrem Handy finden? Warum sieht alles so schwammig aus? Und wieso schafft sie es einfach nicht, geradeaus in den Spiegel zu schauen?
Irgendetwas ist komisch.
Schlaganfall ist keine Frage des Alters
Das “irgendetwas” entpuppte sich bei Susanne Homann später als Schlaganfall. Dieser trifft pro Jahr etwa 270.000 Menschen in Deutschland. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Fast 80 Prozent aller Schlaganfälle entfallen auf die Altersgruppe ab 60 Lebensjahren. Doch auch jüngere Menschen wie Homann sind betroffen. Rund 30.000 Menschen unter 55 Jahren erleiden jährlich einen Schlaganfall.
Zu den typischen Symptomen gehören Sehstörungen, Sprach- und Sprachverständnisstörungen, Lähmungen oder Taubheitsgefühle, Schwindel mit Gangunsicherheit und sehr starke Kopfschmerzen. Es kommt jedoch vor, dass ein Schlaganfall keines der genannten Symptome, sondern untypische Beschwerden hervorruft.
Verständigungsprobleme
Es ist ein Montagmorgen im Juli 2024. Das Telefon klingelt bei Luca Homann – sein jüngerer Bruder Vincent meldet sich: „Irgendetwas stimmt mit Mama nicht.“ Gestern war Luca noch bei Mutter und Bruder zu Besuch. Es war ein schöner Abend. Aber jetzt ist seine Mutter kaum zu verstehen.
Ob er einen Rettungswagen alarmieren soll, fragt er sie. Ihre Antwort klingt wie ein Nein.
Luca wählt trotzdem den Notruf: 112.
In der Klinik: schnelle Hilfe auf der Stroke Unit
Susanne Homann erinnert sich ganz anders an diese Situation: Sie ist froh als ihr erwachsener Sohn Luca vorschlägt, einen Krankenwagen zu rufen. Sofort stimmt sie seinem Vorschlag zu. Nach dem Gespräch bleibt sie einfach am Küchentisch sitzen – kurze Zeit später stehen schon die Rettungskräfte neben ihr.
Homann wird in eine Klinik mit Stroke Unit (Schlaganfall-Spezialstation) gebracht. Ihr selbst ist jetzt alles egal. War da nicht noch etwas Wichtiges, was sie der Ärztin erzählen wollte? Aber die scheint sie ohnehin nicht zu verstehen. Egal, dann sagt sie jetzt eben nichts mehr.
Glück im Unglück
An vielmehr kann sich Susanne Homann nicht erinnern. Von ihren Untersuchungen wie dem MRT hat sie nur durch Erzählungen erfahren. Was sie aber weiß: Sie hat großes Glück gehabt. In der Klinik konnte sie erfolgreich behandelt werden.
Nur wenige Tage nach dem Schlaganfall kam Homanns Sprache zurück, mit der Zeit verschwanden auch ihre anderen Einschränkungen. Und nach einem halben Jahr Krankschreibung ist sie mittlerweile zurück in ihrem Job in einer Rechtsabteilung.
Auch die Ursache für ihren Schlaganfall – ein Loch im Herzen, ein sogenanntes Persistierendes Foramen Ovale (PFO) – wurde gefunden und behoben.
Jede Minute zählt – und deshalb ist 112 so wichtig
Susanne Homann hatte auch Glück, rasch zur Behandlung ins Krankenhaus zu kommen. Denn die erste Zeit nach einem Schlaganfall entscheidet über das Ausmaß der Zellschäden im Gehirn. Je schneller nach einem Schlaganfall die Therapie einsetzt, desto geringer sind seine Folgen.
“Time is brain”, heißt es daher auch in der Neurologie: “Zeit ist Gehirn.”
Hätten ihre Söhne nicht so schnell den Notruf alarmiert, Homanns Zustand könnte heute ein ganz anderer sein. Sie weiß: "Die Jungs haben super reagiert."
Notruf 112 bei Schlaganfall: Was sage ich am Telefon?
Wenn Sie den Verdacht haben, dass jemand einen Schlaganfall haben könnte, hilft es, am Telefon kurz und klar zu bleiben:
- Wo sind Sie? (Adresse, Stockwerk, ggf. Türcode)
- Was ist passiert? (Verdacht Schlaganfall / auffällige Symptome)
- Seit wann? (Uhrzeit oder „seit X Minuten“)
- Wer ist betroffen? (Alter, bekannte Vorerkrankungen, Medikamente wenn bekannt)
- Rückfragen abwarten und am Telefon bleiben, bis alles geklärt ist
Wichtig zu wissen: die sogenannten W-Fragen des Notrufs müssen Sie nicht auswendig können. Als Anrufende werden Sie vom Personal durch das Gespräch geleitet.
Häufige Fragen zum Notruf bei Schlaganfall
Bei Verdacht auf Schlaganfall: 112 (Rettungsdienst).
Dann gilt: Im Zweifel 112. Abklären lassen ist genau dafür da.
Bei akuten neurologischen Beschwerden (z. B. plötzlich Sprachprobleme, Lähmung, starke Sehstörung): 112.
In der Regel ist der Rettungsdienst die bessere Wahl: schneller, medizinisch abgesichert und auf Akutsituationen vorbereitet.
Weil frühe Behandlung helfen kann, Folgeschäden zu begrenzen – "Time is brain".
- Verstehen & VermeidenBasisinformationen zum Thema Schlaganfall
- Medien- und WarenkorbInformationsmaterial als Download und zum Bestellen.
- Wissen hilft weiterUnterstützen Sie unsere Arbeit durch Ihre Spende.