Behandlung bei Sprechstörungen nach einem Schlaganfall ist die logopädische Therapie

Sprechstörungen nach einem Schlaganfall: Symptome, Ursachen und Therapie

Viele Menschen haben nach einem Schlaganfall Schwierigkeiten beim Sprechen. Sie wissen oft genau, was sie sagen möchten, können Wörter aber nicht klar, flüssig oder verständlich aussprechen. Fachleute sprechen dann von Sprechstörungen. Gemeint sind Störungen der Sprechbewegungen, der Artikulation, der Stimme oder der Planung von Sprechbewegungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sprechstörungen sind eine häufige Folge eines Schlaganfalls
  • Betroffen ist vor allem die Aussprache und Verständlichkeit
  • Häufige Formen sind Dysarthrophonie und Sprechapraxie
  • Sprechstörungen können oft gemeinsam mit Aphasie oder Schluckstörungen auftreten
  • Eine Sprechstörung ist keine Denkstörung
  • Eine frühzeitige logopädische Therapie ist wichtig
  • Verbesserungen sind auch Monate oder Jahre nach dem Schlaganfall noch möglich
     




Was sind Sprechstörungen?

Sprechstörungen betreffen nicht in erster Linie die Sprache selbst, sondern das Sprechen. Betroffene wissen meist genau, was sie sagen möchten, haben aber Schwierigkeiten, Laute, Wörter oder Sätze verständlich zu bilden. Besonders nach einem Schlaganfall können Steuerung, Ausführung oder Planung der Sprechbewegungen gestört sein. 
 

Je nach Form der Sprechstörung sind unterschiedliche Bereiche betroffen: 
 

  • die Bewegungen von Lippen und Zunge
  • die Stimme
  • die Sprechatmung oder
  • die Planung der Sprechbewegungen im Gehirn

Dadurch kann die Sprache undeutlich, verwaschen, verlangsamt oder abgehackt klingen.

Wodurch entstehen Sprechstörungen nach einem Schlaganfall?

Ein Schlaganfall kann Hirnareale schädigen, die für die Steuerung von Bewegungen und Sprechabläufen zuständig sind. Davon können Artikulation, Stimme, Sprechatmung und Koordination als auch die Planung von Sprechbewegungen betroffen sein. Je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist, entstehen unterschiedliche Sprechstörungen. Diese treten häufig nicht allein auf, sondern gemeinsam mit anderen Folgen eines Schlaganfalls, wie etwa  Sprachstörungen (Aphasie), Schluckstörungen oder  Lähmungen.

 

Welche Formen von Sprechstörungen gibt es?

  • Dysarthrophonie (häufig auch Dysarthrie genannt)
     

Die Dysarthrophonie  ist die häufigste Sprechstörung nach einem Schlaganfall.  Dabei sind Kraft, Beweglichkeit und Koordination der Sprechmuskulatur beeinträchtigt. Die Sprache kann undeutlich, abgehackt, verwaschen oder schwer verständlich sein.  Auch Stimme und Sprechatmung können mitbetroffen sein.
 

Typische Anzeichen:

  • undeutliche oder verwaschene Aussprache
  • leise oder monotone Stimme
  • verlangsamtes Sprechen
  • unregelmäßiger Sprechrhythmus
  • häufiges Luft holen beim Sprechen

 

  • Sprechapraxie

 

Bei einer Sprechapraxie kann das Gehirn die Bewegungsabläufe fürs Sprechen nicht mehr richtig steuern. Betroffene wissen meist,  welches Wort sie sagen möchten, können die dafür nötigen Bewegungsabläufe aber nicht sicher abrufen.

Dadurch kommt es zum Beispiel zu Lautentstellungen, Lautvertauschungen oder sichtbaren Suchbewegungen mit Lippen und Zunge.
 

Typische Anzeichen:

  • Laute werden vertauscht oder entstellt
  • sichtbare Suchbewegungen mit Lippen und Zunge
  • wechselnde Aussprache desselben Wortes
  • stark angestrengtes Sprechen

 

  • Zusätzliche Stimmveränderungen
     

Nach einem Schlaganfall können zusätzlich Stimmstörungen auftreten. Gemeinsam mit einer Sprechstörung schränken sie die Verständlichkeit weiter ein.
 

Typische Anzeichen:

  • heisere oder raue Stimme
  • sehr leise Stimme
  • schnelle Erschöpfung beim Sprechen

 

Woran erkenne ich eine Sprechstörung?
 

Typische Hinweise sind:

  • Die Sprache klingt undeutlich oder „verwaschen“.
  • Das Sprechen ist anstrengend.
  • Wörter oder Laute werden unvollständig oder falsch ausgesprochen.
  • Die Stimme klingt verändert, zum Beispiel heiser, rau oder sehr leise.
  • Der Redefluss ist verlangsamt oder stockend.
     

Wichtig: Sprechstörungen können allein oder gemeinsam mit einer Sprachstörung (Aphasie) auftreten. Diese Kombination kann die Kommunikation besonders stark erschweren. 
 



Unterschied: Sprechstörung vs. Sprachstörung

SprechstörungSprachstörung
Problem liegt beim Sprechen selbst, also bei Aussprache, Stimme, Sprechatmung oder Planung der Sprechbewegungen.Problem liegt in der Sprache, also beim Verstehen, Finden oder Bilden von Wörtern und Sätzen.
Worte sind bekannt,  können aber nicht klar ausgesprochen werdenWorte fehlen, werden verwechselt oder werden nicht richtig verstanden
Dysarthrophonie (Dysarthrie), SprechapraxieAphasie
 

Welche Auswirkungen haben Sprechstörungen auf den Alltag?

Sprechstörungen können das Leben stark verändern. Viele Betroffene erleben, dass Gespräche anstrengender werden und Missverständnisse häufiger entstehen. Manche ziehen sich zurück, weil sie sich unsicher fühlen oder Angst vor Reaktionen anderer haben.
 

Viele Betroffene berichten:

  • Gespräche werden anstrengend
  • Telefonate fallen schwer
  • Missverständnisse entstehen häufiger
  • spontane Kommunikation wird vermieden
     

Wichtig zu wissen:
Eine Sprechstörung ist keine Denkstörung. Außenstehende deuten undeutliches Sprechen manchmal fälschlich als Zeichen für eine geistige Einschränkung. Das ist nicht automatisch der Fall.  Die Schwierigkeiten betreffen in erster Linie das Sprechen.

 

Kann sich eine Sprechstörung verbessern?

Ja, in vielen Fällen ist eine Verbesserung möglich. Viele Betroffene machen im Laufe der Zeit Fortschritte - auch wenn es anfangs sehr schwierig erscheint. Wie stark sich das Sprechen verbessert, hängt unter anderem von der Art der Störung, der Schwere des Schlaganfalls und der Therapie ab. Das Gehirn kann sich anpassen (Neuroplastizität). Das bedeutet:

  • andere Hirnbereiche können teilweise Aufgaben übernehmen
  • Sprechbewegungen können neu geübt und gefestigt werden
  • Kommunikationsstrategien können den Alltag erleichtern

 

Verbesserungen sind oft auch über Monate oder sogar Jahre möglich.
 

Wie häufig sind Sprechstörungen nach einem Schlaganfall?

Sprechstörungen gehören zu den häufigen Folgen eines Schlaganfalls.
 

Die Studien gehen davon aus, dass eine Dysrthrophonie in rund 20 Prozent der Fälle auftritt.

Eine Befragung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe unter 3.375 Schlaganfall-Betroffenen zeigt, dass rund 29 Prozent der Befragten nach dem Schlaganfall Probleme mit dem Sprechen haben. Bei einer Befragung unter 390 pflegenden Angehörigen ergab zusätzlich, dass rund  32 Prozent unter Sprechstörungen leiden.

 

Welche Therapien helfen?

Die wichtigste Behandlung bei Sprechstörungen nach einem Schlaganfall ist die logopädische Therapie. Dabei wird zunächst genau untersucht, welche Bereiche betroffen sind - etwa die Aussprache, die Atmung, die Stimme oder die Koordination und Planung der Sprechbewegungen. Auf dieser Grundlage wird ein individueller Therapieplan erstellt. 

 

In der Therapie üben Betroffene gezielt:

  • Laute wieder klar zu bilden
  • die Atmung beim Sprechen besser zu kontrollieren
  • die Stimme bewusster einzusetzen
  • den Sprechrhythmus zu verbessern
  • die Verständlichkeit im Alltag zu erhöhen
     

Wichtig ist, möglichst früh mit der Therapie zu beginnen. Gleichzeitig gilt: Fortschritte sind auch lange nach dem Schlaganfall noch möglich.
 

Wenn das Sprechen stark eingeschränkt ist, kommen unterstützende Kommunikationsformen zum Einsatz – zum Beispiel Kommunikationstafeln, Apps mit Sprachausgabe oder Gesten. Diese Hilfsmittel helfen, sich im Alltag verständlich zu machen und aktiv am sozialen Leben teilzunehmen.

 

Tipps für Betroffene

Nach einem Schlaganfall braucht das Sprechen oft Zeit und Übung. Es ist völlig normal, dass Wörter nicht sofort gelingen oder Gespräche anstrengend sind. Wichtig ist, sich nicht unter Druck zu setzen und Schritt für Schritt neue Sicherheit zu gewinnen. Hilfreich kann zum Beispiel sein:
 

  • langsam und bewusst sprechen
  • Pausen einlegen
  • wichtige Gespräche vorbereiten
  • regelmäßig üben
  • Hilfsmittel nutzen

     

Tipps für Angehörige

Für Angehörige ist es oft nicht leicht, mit den Veränderungen umzugehen. Gleichzeitig können sie viel dazu beitragen, die Kommunikation zu erleichtern. Geduld, Verständnis und eine ruhige Gesprächssituation helfen dabei, dass sich Betroffene besser ausdrücken können.
 

Hilfreich ist zum Beispiel:

  • geduldig zuhören
  • Zeit lassen
  • nicht unterbrechen
  • Blickkontakt halten
  • in ruhiger Umgebung sprechen
  • kurze, klare Fragen stellen
  • eine Antwort nicht vorschnell erraten
  • Gesagtes zusammenzufassen: "Meinst du…?"
     

     

Quellen:



Häufige Fragen zu Sprechstörungen