Seit 40 Jahren steht Frank Wiemann auf der Bühne. Er gründete vor 30 Jahren das „Stattgespräch“ – ein erfolgreiches Amateurtheater im lippischen Lemgo. Das Theater ist Wiemanns Leben. „Ich bin Intendant, Regisseur, Schauspieler und mache die Toiletten sauber“, scherzt er. All das tut der Lemgoer in seiner Freizeit. Oder besser: tat es. Denn seine Passion kann Frank Wiemann derzeit ebenso wenig ausüben wie seinen Beruf im Lemgoer Sozialamt. Am 17. April 2025 setzte ein Schlaganfall seinen Ambitionen ein abruptes Ende. Die Kollegen reagierten gut, schnell kam Wiemann auf die nächstgelegene Stroke Unit (Schlaganfall-Station).
Totale Überforderung – doch die Schlaganfall-Lotsin hilft
Schon am zweiten Tag stand Meike Finkler an seinem Bett. Sie ist eine von zwölf Schlaganfall-Lotsinnen in Ostwestfalen, die Betroffene und Angehörige ein Jahr lang mit Rat und Tat begleiten. Das ist dank eines Modellprojekts der Schlaganfall-Hilfe möglich.
Die Lotsen sind eine klasse Sache. Man ist ja anfangs hoffnungslos überfordert.
"Ich bin sehr dankbar, dass Frau Finkler für uns da war“, sagt Wiemann rückblickend. Auch dessen Ehefrau Katrin Brakemeier ist froh über die Unterstützung. „Anfangs konnte Frank nur Ja oder Nein sagen. In den ersten Tagen haben wir viel geweint“, erinnert sie sich.
Die unsichtbaren Folgen bleiben
Nach der Stroke Unit folgte eine stationäre Rehabilitation. Die anfängliche körperliche Lähmung wich nach und nach. Wer Frank Wiemann heute trifft, sieht ihm den Schlaganfall nicht an. Was geblieben ist, sind die neuropsychologischen – die unsichtbaren – Folgen.
Was man nicht sieht, kann man nur schwer erklären. Darunter leide ich sehr.
Manchmal sucht er nach passenden Worten, die ihm früher mühelos einfielen. Auch sein Kurzzeitgedächtnis ist betroffen und die Bedienung der Computertastatur überfordert ihn.
Frank Wiemann will zurück auf die Bühne
„Mein sehnlichster Wunsch ist, wieder auf der Bühne zu stehen“, sagt der passionierte Schauspieler. Schon diesen Herbst möchte er wieder spielen. Neben seinen Therapie-Einheiten setzt er dafür auf viel Eigentraining. Für das Sprachtraining nutzt er zum Beispiel Monologe aus Stücken, die er früher gespielt hat. Im Langzeitgedächtnis ist vieles noch vorhanden.
Trotz vollem Fokus auf die eigene Genesung, denkt Wiemann auch an andere Betroffene. Zuletzt brachte sein Theater die Wiederaufnahme des Stücks „Eine Bank in der Sonne“ auf die Bühne. Die Eintrittsgelder einer Zusatzvorstellung im März spendete das „Stattgespräch“ an die Schlaganfall-Hilfe.
Die Schlaganfall-Hilfe setzt sich für so viele Menschen ein, die wie ich nach dem Schlaganfall wieder ins Leben zurückwollen. Darum war es mir eine Herzensangelegenheit, mit dieser Spende etwas zurückzugeben. Ich hoffe, dass viele andere Menschen meinem Beispiel folgen.
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