Kindlicher Schlaganfall: Er trifft die ganze Familie

Wenn Kinder einen Schlaganfall erleiden, können sie oft noch gar nicht wissen, was ihnen da geschehen ist. Anders ergeht es Eltern und Geschwistern. Sie müssen die Krankheit mittragen. Viele drohen unter dieser Last zu zerbrechen.

Fabian erlitt schon einen Schlaganfall im Bauch der Mutter. Jule kippte mit 6 Jahren im Kindergarten einfach um. Und bei Jesko passierte es im Alter von 11 Jahren auf der Rutsche im Freibad. Das ist alles nicht alltäglich, und niemand muss deshalb in Panik verfallen. Und doch ist jederzeit möglich, was sich die betroffenen Familien vorher nie hätten vorstellen können. 

Den Schlaganfall haben die meisten Deutschen als Alte-Leute-Krankheit einsortiert. In der Tendenz stimmt das, doch die Statistik gibt ihnen nur bedingt recht. Es gibt Studien, wonach in westlichen Ländern der Schlaganfall unter jüngeren Menschen zunimmt. Zurückgeführt wird das auf veränderte Lebensgewohnheiten: weniger Bewegung im Alltag, ungesündere Ernährung.

Eine Ungewissheit endet, um der nächsten Platz zu machen

Mit Kindern hat das alles nichts zu tun. Die Ursachen ihrer Schlaganfälle sind andere, angeborene Herzfehler oder Gefäßerkrankungen zum Beispiel. Einige Experten gehen von etwa 300 Fällen jährlich in Deutschland aus. Doch das sind Schätzungen, die Dunkelziffer dürfte höher sein. Die richtige Diagnose wird oft erst viel später, manchmal wohl nie gestellt. Meist sind die Grundleiden vorher nicht bekannt, Eltern und Ärzte stehen dann vor einem Rätsel. Mit der Diagnose endet eine Ungewissheit, um der nächsten, oft viel quälenderen Platz zu machen. Welche Lebensperspektive das Kind einmal entwickeln kann mit seinem unheilbar verletzten Hirn, vermag niemand vorherzusagen. Der Schock weicht der Ohnmacht und diese nach einiger Zeit häufig dem Trotz. Denn welche Eltern wollen nicht das Beste für ihr Kind? Erst recht dann, wenn es mit solch einer Bürde durch das Leben gehen muss.

Doch was ist eigentlich das Beste für das Kind? An dieser Frage entzweien sich Paare oft das erste Mal. Es gibt nicht den Königsweg, erst recht keine pauschalen Ratschläge. Maximale Therapie oder Akzeptanz der Behinderung? Die Pole können weit auseinanderliegen. Fragen, Diskussion, Auseinandersetzungen, Untersuchungen und Therapien bestimmen zunehmend den Alltag der Familien.

Gesunde Geschwisterkinder müssen ihre Rolle finden

Gesunde Geschwisterkinder leiden mit. Sie müssen ihre Rolle finden, können dabei zu selten auf die Hilfe ihrer Eltern zählen. Die Zahl der Beziehungen, die über dieser Belastung in die Brüche gehen, ist nicht dokumentiert. Aus den Erfahrungen der Aktion Kinder Schlaganfall-Hilfe kann man sicher sagen, dass sie weit über dem Durchschnitt liegt. Höchste Zeit also, das Netz der Hilfe auszubauen. Unser Titelthema beleuchtet die Probleme, zeigt bestehende Hilfen auf und erklärt, woran es noch fehlt.

Sandra Rösemeier

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