Eine Frau spricht in ein Mikrophone.

Aphasie

Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die nach einer Schädigung der sprachdominanten Hirnhälfte (meistens links) zustande kommt. Unter den Patienten mit einem erstmaligen Schlaganfall weisen etwa 30 Prozent eine Aphasie auf. 

  • Woran erkenne ich eine Aphasie?

Bei einer Aphasie sind die sprachlichen Leistungen beeinträchtigt, also das Sprechen, zum Teil auch das Sprachverstehen, Lesen und Schreiben. Es gibt verschiedene Aphasie-Typen, die unterschiedliche Auswirkungen haben. Betroffene sprechen zum Beispiel nur noch einzelne Wörter; haben Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, sie nutzen Wörter falsch, verwechseln Laute, sprechen nur noch in sehr kurzen Sätzen oder nutzen häufig Umschreibungen oder erfinden neue Worte. Aphasien und Dysarthrophonien  können auch gemeinsam auftreten. Wenn jemand zuvor mehrere Sprachen gesprochen hat, kann es auch sein, dass die Fremdsprachkenntnisse abhandenkommen oder – im Gegenteil – eine Fremdsprache gegenüber der Muttersprache bevorzugt wird.

 

  • Wodurch entsteht eine Aphasie?

Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die durch die Schädigung der sprachdominanten Hirnhälfte entsteht – bei den meisten Menschen ist dies links. Die Schädigung kann unter anderem durch ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Tumor oder einen Schlaganfall entstehen.

 

  • Kann eine Aphasie unterschiedlich stark ausfallen?

Eine Aphasie kann eine große Spannbreite haben. Einige Menschen haben gelegentliche Wortfindungsstörungen, die kaum auffallen, andere können nur noch in einzelnen Worten oder sehr unzusammenhängend sprechen. Ein kompletter Ausfall der Sprachfähigkeit ist selten. 

 

Die vier Standard-Symptome sind:

  1. Globale Aphasie (große Schwierigkeiten mit der Sprachproduktion und dem Sprachverstehen)
  2. Wernicke-Aphasie (Fehler in der Wort- oder Lautwahl, eingeschränktes Sprachverständnis)
  3. Broca-Aphasie (Wortfindungsstörungen, kurze Sätze oder Wortketten, Sprachverständnis relativ gut erhalten.)
  4. Amnestische Aphasie (Wortfindungsstörungen, Nutzen von Umschreibungen und ähnlichen Worten, Sprachverständnis fast ungestört)

 

1. Globale Aphasie 

Die globale Aphasie ist die schwerste Form der Aphasie. Menschen mit einer globalen Aphasie haben große Schwierigkeiten sowohl beim Sprechen als auch beim Verstehen von Sprache. Auch Lesen und Schreiben ist für die Betroffenen oft nicht möglich. Häufig können die Betroffenen nicht mehr als einzelne Wörter sprechen. Das Sprachverständnis ist stark eingeschränkt, sodass oft nur einzelne Wörter verstanden werden können oder diese aus der jeweiligen Situation erschlossen werden. 

 

2. Wernicke-Aphasie 

Menschen mit einer Wernicke-Aphasie sprechen flüssig, produzieren häufig lange, verschachtelte Sätze, in denen sich Satzteile oder ganze Sätze wiederholen. Die Betroffenen haben keine Sprachkontroller. In schweren Fällen kommt es zu einer scheinbar flüssigen Produktion von Sprache, deren Inhalt jedoch wenig oder keinen Sinn ergibt. Die Wahl von passenden Wörtern oder Lauten fällt Menschen mit Wernicke-Aphasie häufig schwer. Ihr Sprachverständnis ist sehr eingeschränkt. 

 

3. Broca-Aphasie 

Menschen mit einer Broca-Aphasie können nur in kurzen, einfachen Sätzen sprechen oder reihen einzelne, inhaltstragende Wörter aneinander. Das Sprechen ähnelt einem „Telegrammstil“.  Betroffene haben Mühe, die passenden Wörter zu finden und sprechen mit großer Anstrengung. Das Verstehen von Sprache ist aber relativ gut erhalten. 

 

4. Amnestische Aphasie 

Menschen mit einer amnestischen Aphasie finden nur schwer die richtigen Wörter. Deshalb verwenden sie oft Umschreibungen, Floskeln oder Ersatzwörter wie zum Beispiel „Dingsda“. Gelegentlich benutzen sie Wörter, die nicht genau passen, aber eine ähnliche Bedeutung wie das gesuchte Wort haben (z.B. Blume statt Baum). Manchmal kommt es auch zu Satzabbrüchen. Ihr Sprachverständnis ist fast ungestört. 



  • Kann sich eine Aphasie zurückbilden?

In einigen Fällen bilden sich die sprachlichen Einschränkungen spontan zurück, in der Regel ist aber ein intensives logopädisches Training notwendig. Früher gingen Fachleute davon aus, dass Betroffene nach einem Schlaganfall nur ein relativ kleines Zeitfenster haben, um ihre sprachlichen Fähigkeiten zurückzuerlangen. Inzwischen ist sich die Forschung allerdings einig, dass sich durch Therapien auch viele Jahre später noch Erfolge erzielen lassen. Übrigens: Vielen Betroffenen fällt Singen einfacher als Sprechen, da dafür eine andere Hirnregion zuständig ist.

 

  • Kann eine Aphasie weitere Folgen haben?

Sich nicht mehr verständigen zu können, hat enorme Auswirkungen auf die Kommunikation und somit das soziale Leben. Das betrifft sowohl die die Kommunikation mit seinem engen sozialen Umfeld als auch mit Außenstehenden. Es kommt zu Verständnisschwierigkeiten und Missverständnissen. Zudem verwechseln fremde Kommunikationspartner die Unfähigkeit, sich sprachlich auszudrücken oft mit einer Intelligenzminderung – was tatsächlich nicht in Verbindung miteinander steht. Das kann zu Frustration und eventuell sogar Depressionen bei den Betroffenen führen.

 

Selbsthilfe

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Logopädensuche

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie e.V. bietet die Möglichkeit einen Therapeuten in Wohnortnähe zu suchen.

www.dbl-ev.de

Aphasiezentren

Eine Liste von regionalen Beratungszentren.

www.aphasiker.de