Schluckstörungen gehören zu den häufigsten Folgen von Schlaganfällen.
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Schluckstörungen nach Schlaganfall erkennen und behandeln

Schluckstörungen, in der Fachsprache Dysphagie genannt, gehören zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls und können Essen, Trinken und die Sicherheit beim Schlucken deutlich beeinträchtigen. Etwa jeder zweite Betroffene hat - zumindest zeitweise - Schluckstörungen. Wichtig ist, Anzeichen früh zu erkennen, denn Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel können unbemerkt in die Atemwege gelangen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schluckstörungen werden in der Fachsprache Dysphagie genannt.
  • Schätzungen zufolge entwickelt etwa jeder zweite Schlaganfall-Betroffene zumindest zeitweise eine Schluckstörung.
  • Die Beschwerden können unmittelbar nach dem Schlaganfall oder erst einige Tage später auftreten.
  • Nicht jede Schluckstörung ist auf den ersten Blick erkennbar.
  • Nahrung oder Flüssigkeit können unbemerkt in die Atemwege gelangen.
  • Nach einem akuten Schlaganfall sollten Betroffene zunächst nichts essen, trinken oder oral einnehmen, bis die Schluckfähigkeit geprüft wurde.
  • Eine frühzeitige Diagnostik und Therapie sind wichtig.
  • Bei vielen Betroffenen bessern sich die Beschwerden im Verlauf der Rehabilitation.


Was sind Schluckstörungen nach einem Schlaganfall?

Essen und Trinken wirken für die meisten Menschen selbstverständlich. Tatsächlich ist Schlucken jedoch ein hochkomplexer Vorgang, bei dem zahlreiche Muskeln und Nerven präzise zusammenarbeiten müssen.
 

Ein Schlaganfall kann die Hirnregionen schädigen, die diesen Vorgang steuern. Dadurch kann eine sogenannte Dysphagie entstehen. Der Begriff bezeichnet eine Störung des Schluckens. Manche Betroffene haben Schwierigkeiten, Nahrung oder Flüssigkeit sicher zu schlucken. Andere verschlucken sich häufiger oder haben das Gefühl, dass Essen im Hals stecken bleibt.
 

Wichtig ist: Schluckstörungen sind nicht nur unangenehm. Sie können auch gesundheitliche Risiken mit sich bringen und sollten deshalb frühzeitig erkannt werden.

 

 

Wie häufig sind Schluckstörungen nach einem Schlaganfall?

Schluckstörungen gehören zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls. Schätzungen zufolge ist in der Akutphase etwa jeder zweite Betroffene betroffen. Je nach Untersuchung und Zeitpunkt können die Angaben zur Häufigkeit unterschiedlich ausfallen.
 

Die Beschwerden können unmittelbar nach dem Schlaganfall auftreten oder sich erst in den folgenden Tagen zeigen. Bei vielen Menschen bilden sich die Störungen teilweise oder vollständig zurück. Bei einigen Betroffenen können Schluckprobleme aber auch länger bestehen bleiben.

 

 

Woran erkenne ich eine Schluckstörung?

Eine Schluckstörung ist nicht immer sofort erkennbar. Deshalb sollten Menschen mit einem akuten Schlaganfall zunächst nichts essen oder trinken, bevor die Schluckfähigkeit ärztlich oder logopädisch überprüft wurde. Das gilt auch für Medikamente, die geschluckt werden müssen.
 

Typische Hinweise auf eine Schluckstörung können sein:

  • häufiges Verschlucken
  • Husten während oder nach dem Essen
  • Räuspern nach dem Schlucken
  • Atemnot beim Essen oder Trinken
  • verlangsamte Nahrungsaufnahme
  • Speichelfluss aus dem Mund
  • Rückfluss von Flüssigkeit oder Nahrung aus der Nase
  • Druck- oder Kloßgefühl im Hals
  • veränderte Stimme nach dem Schlucken, zum Beispiel eine feuchte oder belegte Stimme
     

Manche Betroffene bemerken ihre Schluckstörung selbst kaum. Dennoch können kleine Mengen Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangen. Fachleute sprechen dann von einer stillen Aspiration. Gerade diese Form kann gefährlich sein, weil sie häufig unbemerkt bleibt.

 

 

Warum entstehen Schluckstörungen nach einem Schlaganfall?

Damit Schlucken funktioniert, müssen Gehirn, Nerven und Muskulatur eng zusammenarbeiten. Ein Schlaganfall kann die dafür zuständigen Hirnregionen schädigen. Die Folge ist, dass einzelne Phasen des Schluckvorgangs nicht mehr zuverlässig gesteuert werden. Dadurch können Nahrung oder Flüssigkeit im Mund verbleiben, im Rachen hängen bleiben oder in die Atemwege gelangen.
 

Welche Beschwerden auftreten, hängt unter anderem davon ab, welche Hirnregion betroffen ist und wie stark die Schädigung ausgeprägt ist.

 

 

Können Schluckstörungen unterschiedlich stark ausgeprägt sein?

Schluckstörungen können sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Menschen haben nur leichte Beschwerden. Andere können vorübergehend kaum sicher essen oder trinken. Oft hängt die Schluckfähigkeit auch von der Konsistenz der Nahrung ab. Viele Betroffene können breiige Speisen leichter schlucken als dünnflüssige Getränke oder feste Lebensmittel.
 

Besonders schwierig können sein:

  • Wasser und andere dünnflüssige Getränke
  • trockene Kekse
  • Knäckebrot
  • krümelige Speisen
  • faseriges Fleisch
     

Deshalb wird die Ernährung häufig individuell angepasst. Welche Lebensmittel und Getränke geeignet sind, sollte immer mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.

 

 

Warum können Schluckstörungen gefährlich sein?

Schluckstörungen können weitreichende Folgen haben. Zum einen besteht die Gefahr, dass sich Betroffene verschlucken und Nahrung in die Atemwege gelangt. Zum anderen können kleine Mengen Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel wiederholt in die Lunge gelangen. Dies kann zu Entzündungen und schweren Lungeninfektionen führen. Fachleute sprechen dann von einer Aspirationspneumonie.
 

Für viele Betroffene verändert sich außerdem der Alltag. Essen und Trinken, die früher selbstverständlich waren, können plötzlich Unsicherheit auslösen. Manche Menschen vermeiden gemeinsame Mahlzeiten oder ziehen sich aus Angst vor dem Verschlucken zurück.
 

Deshalb betrifft eine Dysphagie oft nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch die Lebensqualität.

 

 

Können sich Schluckstörungen zurückbilden?

Diese Frage beschäftigt viele Betroffene und Angehörige. Die gute Nachricht ist: Bei vielen Menschen bessern sich Schluckstörungen im Verlauf der ersten Wochen und Monate nach dem Schlaganfall.
Das Gehirn kann verlorene Funktionen teilweise neu organisieren. Zusätzlich können gezielte Übungen dabei helfen, den Schluckvorgang zu verbessern. Manche Betroffene benötigen nur vorübergehend Unterstützung. Andere profitieren über einen längeren Zeitraum von einer logopädischen Therapie.
 

Eine Ernährung über eine Sonde ist häufig nur vorübergehend notwendig. Ob und wie lange sie gebraucht wird, hängt vom Schweregrad der Schluckstörung und vom Verlauf der Rehabilitation ab.

 

 

Wie werden Schluckstörungen festgestellt?

Eine frühzeitige Diagnostik ist wichtig, um Komplikationen zu vermeiden. Häufig prüfen Ärztinnen, Ärzte oder Logopädinnen und Logopäden zunächst mit einem standardisierten Schluckscreening, ob eine Schluckstörung vorliegt. 
 

Bei auffälligem Ergebnis folgt meist eine genauere klinische Schluckuntersuchung durch speziell geschulte Fachkräfte. Je nach Situation können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel eine endoskopische Schluckuntersuchung, kurz FEES, oder eine videofluoroskopische Untersuchung.

 

 

Wie werden Schluckstörungen behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Art und Schwere der Beschwerden. Ziel ist es, die Nahrungsaufnahme möglichst sicher zu machen und die Schluckfähigkeit zu verbessern.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • logopädische Therapie
  • Schluckübungen
  • Anpassung der Nahrungskonsistenz
  • Anpassung der Trinkmenge und Trinktechnik
  • Hilfsmittel für die Nahrungsaufnahme
  • vorübergehende Ernährung über eine Sonde
     

Welche Maßnahmen geeignet sind, entscheidet das Behandlungsteam individuell. Betroffene sollten Schluckübungen oder Veränderungen bei Essen und Trinken nicht ohne fachliche Anleitung ausprobieren.

 

 

Tipps für Betroffene

Eine Schluckstörung kann verunsichern. Viele Betroffene haben Angst vor dem Essen oder Trinken.
 

Das kann helfen:

  • Nehmen Sie Beschwerden ernst.
  • Essen Sie langsam und ohne Zeitdruck.
  • Vermeiden Sie Ablenkungen während der Mahlzeiten.
  • Halten Sie die empfohlenen Konsistenzen ein.
  • Führen Sie logopädische Übungen regelmäßig durch.
  • Sprechen Sie bei Problemen frühzeitig mit Ihrem Behandlungsteam.
     

Wichtig ist: Schluckstörungen sind eine häufige Folge eines Schlaganfalls. Sie sind kein persönliches Versagen und oft behandelbar.

 

 

Tipps für Angehörige

Angehörige möchten häufig helfen und Sicherheit geben.
 

Das kann unterstützen:

  • Drängen Sie Betroffene nicht zum Essen oder Trinken.
  • Beachten Sie die Empfehlungen von Ärztinnen, Ärzten und Logopädinnen oder Logopäden.
  • Sorgen Sie für eine ruhige Essenssituation.
  • Achten Sie auf Husten oder Verschlucken während der Mahlzeiten.
  • Achten Sie auch auf eine veränderte Stimme, Räuspern oder Atemnot nach dem Schlucken.
  • Nehmen Sie Veränderungen ernst.
  • Holen Sie bei Unsicherheiten fachlichen Rat ein.
     

Gerade in den ersten Wochen nach einem Schlaganfall können Angehörige dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen.

 

 

Häufige Fragen zu Schluckstöungen



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Quellen: