Das Wichtigste auf einen Blick
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen gehören zu den häufigsten kognitiven Folgen eines Schlaganfalls.
- In einer Befragung pflegender Angehöriger berichteten 68 Prozent, dass Betroffene Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit oder Konzentration haben.
- Viele Betroffene berichten selbst, dass ihnen das Konzentrieren und Erinnern schwerer fällt als vor dem Schlaganfall.
- Bei vielen Menschen verbessern sich diese Schwierigkeiten im Laufe der Zeit, besonders durch Therapie und Training.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen?
Woran erkenne ich Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen?
Was zeigen unsere Befragungen?
Wodurch entstehen diese Störungen?
Welche unterschiedlichen Aufmerksamkeitsstörungen gibt es?
Was ist der Unterschied zwischen Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen?
Welche Auswirkungen können diese Störungen im Alltag haben?
Können sich Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen zurückbilden?
Was kann im Alltag helfen?
Häufige Fragen
Was sind Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen?
Eine Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörung bedeutet, dass es einer Person schwerfällt, sich auf etwas zu konzentrieren. Betroffene können ihre Aufmerksamkeit nicht gut auf das richten, was gerade wichtig ist – zum Beispiel auf ein Gespräch, eine Aufgabe oder eine Wahrnehmung.
Dadurch lassen sie sich schneller ablenken oder verlieren den Fokus. Wann genau eine geringere Aufmerksamkeit als Störung gilt, ist nicht eindeutig festgelegt. Entscheidend ist meist, ob die Schwierigkeiten im Alltag deutlich auffallen oder Probleme verursachen.
Woran erkenne ich Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen?
Wie schnell Störungen der Aufmerksamkeit und Konzentration auffallen, hängt davon ab, wie stark sie ausgeprägt sind.
In der Rehaklinik führen Neuropsychologinnen und Neuropsychologen in der Regel eine neuropsychologische Testung durch. Dabei überprüfen sie unter anderem Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und geistige Belastbarkeit.
Bei manchen Betroffenen wird das Ausmaß der Schwierigkeiten jedoch erst später deutlich – zum Beispiel dann, wenn sie wieder in ihren Alltag oder ins Berufsleben zurückkehren. Dann merken sie, dass sie den früheren Anforderungen nicht mehr in gleicher Weise gewachsen sind.
Typische Anzeichen können sein:
- Schwierigkeiten, sich länger als 20 oder 30 Minuten auf ein Gespräch zu konzentrieren
- schnelle geistige Ermüdung
- Probleme, mehrere Informationen gleichzeitig zu verarbeiten
- Schwierigkeiten, längeren Gesprächen zu folgen
- stärkere Ablenkbarkeit durch Geräusche oder andere Reize
Was zeigen unsere Befragungen?
Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat Betroffene und Angehörige zu unsichtbaren Folgen nach Schlaganfall befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Probleme mit Aufmerksamkeit und Konzentration häufig sind und den Alltag vieler Menschen spürbar beeinträchtigen.
Was Angehörige beobachten
In einer Befragung von 390 pflegenden Angehörigen wurden
- Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörungen mit 68 Prozent am häufigsten genannt. Ebenfalls häufig genannt wurden
- Gedächtnisstörungen (59 Prozent),
- Ängstlichkeit (52 Prozent),
- gestörte Handlungsplanung (51 Prozent) und
- Antriebslosigkeit (51 Prozent).
Was Betroffene selbst berichten
In der Betroffenenbefragung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe wurden 3.375 Schlaganfall-Betroffene angeschrieben. 55 Prozent gaben an, dass ihnen das Konzentrieren seit dem Schlaganfall schwerer fällt. Die Befragung zeigt außerdem, dass sich die Veränderungen im Alltag bemerkbar machen können – zum Beispiel beim Organisieren alltäglicher Aufgaben (21 Prozent), beim selbstständigen Einkaufen oder Kochen (33 Prozent) sowie beim Aufrechterhalten von Freizeitaktivitäten oder sozialen Kontakten (40 Prozent).
Hinweis zu den Daten: Die hier genannten Ergebnisse stammen aus internen Befragungen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Die vollständigen Quellenangaben finden Sie am Ende dieser Seite.
Wodurch entstehen diese Störungen?
Etwa 80 Prozent aller Schlaganfall-Betroffenen haben vorübergehend oder dauerhaft Schwierigkeiten mit der Konzentration und der Aufmerksamkeit – relativ unabhängig davon, welche Hirnregion betroffen ist. Das Gehirn ist ein komplexes, vernetztes System. Wird eine Hirnregion – wie bei einem Schlaganfall – für einige Zeit nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, kann dies verschiedene Funktionen beeinflussen.
Die Aufmerksamkeit ist bei besonders vielen Betroffenen eingeschränkt. Das liegt daran, dass sie von einem Zusammenspiel vieler Hirnareale gesteuert wird.
Welche unterschiedlichen Aufmerksamkeitsstörungen gibt es?
Störungen der Konzentration und Aufmerksamkeit können in unterschiedlichen Formen auftreten und sich auch miteinander kombinieren.
Betroffene berichten zum Beispiel, dass es ihnen schwerfällt,
- sich länger auf eine Tätigkeit zu konzentrieren
- sich nicht von kleinen Störungen ablenken zu lassen
- mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen
- die Aufmerksamkeit kurzfristig auf eine andere Aufgabe zu richten und anschließend wieder zur ursprünglichen Tätigkeit zurückzukehren
- einem längeren Gespräch zu folgen – besonders wenn mehrere Personen beteiligt sind
- einer Fernsehsendung oder einem Vortrag aufmerksam zuzuhören
Was ist der Unterschied zwischen Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen?
Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen werden häufig miteinander verwechselt. Wenn die Aufmerksamkeit nachlässt, können Informationen schlechter aufgenommen werden. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, man habe ein Problem mit dem Gedächtnis. Tatsächlich liegt die Schwierigkeit in vielen Fällen bereits beim Aufnehmen der Informationen.
Wichtig zu wissen:
- Eine eingeschränkte Aufmerksamkeit bedeutet nicht automatisch eine Gedächtnisstörung.
- Auch die Intelligenz bleibt in den meisten Fällen unverändert.
- Eine Verletzung des Gehirns führt normalerweise nicht zu einer generellen Intelligenzminderung.
Welche Auswirkungen können diese Störungen im Alltag haben?
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme gehören zu den sogenannten unsichtbaren Folgen eines Schlaganfalls. Sie können den Alltag und besonders die Rückkehr ins Berufsleben erschweren.
Gerade jüngere Betroffene oder Menschen, bei denen körperlich kaum Einschränkungen sichtbar sind, erleben häufig, dass diese Folgen von Außenstehenden nicht ernst genommen werden.
Besonders schwierig kann dies sein:
- bei der Rückkehr in den Beruf
- bei Gesprächen mit mehreren Personen
- bei komplexeren Aufgaben im Alltag
- bei organisatorischen Tätigkeiten
Viele Betroffene erleben es außerdem als belastend, wenn sie sich geistig nicht mehr so leistungsfähig fühlen wie früher. Manche haben das Gefühl, ihre Persönlichkeit habe sich verändert. Diese Erfahrungen können auch das seelische Wohlbefinden beeinträchtigen und in einigen Fällen depressive Entwicklungen begünstigen.
Wie sich Konzentrationsprobleme nach einem Schlaganfall im Alltag anfühlen können, zeigt auch die Geschichte von Julia.
Zum Erfahrungsbericht: Julia ist nicht richtig bei der Sache
Auch Angehörige berichten über Veränderungen.
Sie merken oft, dass Betroffene schneller erschöpft sind, Gesprächen schwerer folgen oder im Alltag schneller den Überblick verlieren. Das kann zu Missverständnissen führen.
Mehr zu emotionalen Veränderungen nach Schlaganfall
Können sich Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen zurückbilden?
Unmittelbar nach einem Schlaganfall haben viele Betroffene große Schwierigkeiten, sich über längere Zeit zu konzentrieren. Gespräche sind anstrengend, Informationen lassen sich schwer verarbeiten und auch Lesen fällt oft schwer. Ein Teil dieser Probleme kann sich im Laufe der Zeit spontan verbessern. Zusätzlich können gezielte Therapien helfen, Aufmerksamkeit und Konzentration zu trainieren.
Viele Betroffene stellen fest, dass sie durch Therapie und eigenes Training Fortschritte machen. Dennoch erreichen manche Menschen nicht mehr ganz die gleiche Leistungsfähigkeit wie vor dem Schlaganfall. Bei den meisten verbessert sich die Situation jedoch innerhalb von 18 bis 36 Monaten deutlich.
Was kann im Alltag helfen?
Im Rahmen der Rehabilitation lernen viele Betroffene Strategien, um mit Konzentrationsproblemen besser umzugehen. Hilfreich kann zum Beispiel sein:
- Aufgaben möglichst nacheinander statt gleichzeitig zu erledigen
- regelmäßige Pausen einzuplanen
- eine ruhige Umgebung zu schaffen, um Ablenkungen zu reduzieren
- wichtige Informationen aufzuschreiben oder zu strukturieren
Solche Strategien können helfen, vorhandene Konzentrationsressourcen gezielter zu nutzen und Überforderung zu vermeiden.
Häufige Fragen
Ja. Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen gehören zu den häufigsten kognitiven Folgen eines Schlaganfalls.
Typische Anzeichen sind schnelle geistige Ermüdung, Schwierigkeiten, längeren Gesprächen zu folgen, oder Ablenkbarkeit durch Geräusche.
Neuropsychologinnen und Neuropsychologen führen Tests durch, um Aufmerksamkeit, Konzentration und geistige Belastbarkeit zu prüfen.
In der Klinik sind Anforderungen oft geringer; im Alltag oder Berufsleben werden fehlende Ressourcen deutlicher spürbar.
Das ist unterschiedlich. Viele Betroffene machen im Laufe der Zeit Fortschritte, besonders durch Therapie und Training.
Neuropsychologische Therapie, Gedächtnistraining, gezielte Übungen zur Aufmerksamkeitssteuerung und Alltagsstrategien.
Nein. Ein Schlaganfall führt in den meisten Fällen nicht zu einer Intelligenzminderung.
Aufmerksamkeitsprobleme führen oft dazu, dass Informationen nicht richtig aufgenommen werden. Gedächtnisstörungen betreffen die Speicherung oder das Abrufen von Informationen.
Quellen:
- Thomas Guthke: Neuropsychologische Therapie bei Störungen von Kognition und Emotion (Gesellschaft für Neuropsychologie e. V.)
Caroline Kuhn: Ratgeber Schlaganfall, Schädelhirntrauma und MS – Das Leben mit neurologischer Erkrankung gestalten
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe:
- Angehörigenbefragung zu unsichtbaren Folgen nach Schlaganfall (2025)
- Betroffenenbefragung „Needs Survey“ (2021)