Hunde sind hervorragende Co-Therapeuten

Motivator auf vier Beinen

Hunde sind hervorragende Co-Therapeuten – wenn sich die Rasse für die Aufgabe eignet, sie gut ausgebildet sind und einen Besitzer haben, der sich auskennt.

Ein Patient steht breitbeinig auf einem großen Wackelbrett und übt, das Gleichgewicht zu halten. Hündin Allisson nähert sich dem Brett, schleicht sich von hinten durch die Beine. Sie bringt das Brett ins Schwanken, der Patient lächelt – und schafft es, stehen zu bleiben, ohne sich festzuhalten. Die Freude ist auf beiden Seiten groß.

Solche Szenen erlebt Pawlitzki oft. Sie ist Ergotherapeutin und Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Therapie- und Behindertenbegleithunde. "In meiner Praxis wollen die Patienten immer mit Allison arbeiten. Wenn sie zum Beispiel über das Wackelbrett läuft, hat das einen ganz anderen Effekt, als wenn ich das Brett anstupse", erzählt sie lachend. "Sie motiviert die Patienten auf eine besondere Weise, entsprechend gut sind bei vielen auch die Fortschritte."

Patient und Therapie-Hund müssen zusammen passen

Pawlitzki kann sich ihre Arbeit ohne Hunde kaum noch vorstellen. Doch längst nicht jeder Hund eignet sich als Therapie-Hund. Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, erklärt die Expertin:

  1. Der Hund muss gesund sein, einen stabilen Charakter sowie Spaß am Lernen haben und menschenbezogen sein. Meist werden bereits neugeborene Welpen auf ihre Eignung getestet und speziell für die Ausbildung ausgewählt.
  2. Der Hund muss die richtige Größe und Rasse für die jeweilige Aufgabe haben. Ein großer Hund eignet sich zum Beispiel für Gangübungen, weil er den Patienten Sicherheit vermittelt. Ein kleiner Hund kann Patienten besser zum Streicheln auf den Schoß gelegt werden, um den Tonus bei spastischen Bewegungsstörungen zu reduzieren.
  3. Besitzer und Hund sollten gemeinsam eine intensive Ausbildung absolvieren und ein eingespieltes Team sein.

Vorab informieren

"Wer Begleitung mit einem Therapie-Hund anbietet, ist bestenfalls selbst von Fach und kennt sich in dem vorgesehen Einsatzgebiet aus – egal, ob als Arzt, Therapeut, Sozialpädagoge oder in einem anderen Bereich", erklärt Pawlitzki. Ihr Verein bildet auch Quereinsteiger mit ihren Hunden aus, doch bei den Therapie-Stunden sind dann meist zusätzlich Fachleute dabei. "Leider ist die Ausbildung in diesem Bereich nicht gesetzlich geregelt. Wer ein Mensch-Hund-Team sucht, sollte sich deswegen eingehend über deren Qualifikation und Hintergrund informieren."

Hunde-Besuche buchen

Die Teams werden oft von Reha-Kliniken oder stationären Einrichtungen gebucht, einige Fachleute arbeiten in ihrer eigenen Praxis mit Hunden. Aber auch Privatleute können einen Besuch vom tierischen Therapeuten buchen. "Eine Tochter hat zum Beispiel ihrem kranken Vater zehn Hunde-Besuche zu Weihnachten geschenkt, weil sie sicher ist, dass ihm das gut tut", erzählt Pawlitzki.

„Therapie mal anders“ stellt Therapiemethoden vor, die nicht immer wissenschaftlich belegt sind, aber von Schlaganfall-Betroffenen häufig als hilfreiche oder angenehme Ergänzung zu den klassischen Therapien empfunden werden.