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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Was Sie wissen sollten

Die Patientenverfügung hieß einst „Patiententestament". Dieser Name wurde zurecht geändert. Trifft doch die Patientenverfügung Regelungen für die Zeit vor dem Tod, das Testament für die Zeit danach.

Durch Krankheit oder Unfall geraten in Deutschland täglich Menschen in Situationen, in der sie ihren Willen nicht mehr äußern können. Wenn Ärzte oder Pflegepersonal Patienten nicht befragen können, handeln sie allein nach eigener Einschätzung und Überzeugung bzw. befragen den gesetzlichen Vertreter des Patienten. Was viele nicht wissen: Dies ist, wenn der Patient volljährig ist, nicht zwangsläufig ein naher Angehöriger. Ein gesetzlicher Betreuer – früher „Vormund" – wird durch ein Gericht bestimmt. Wer als Angehöriger die Betreuung übernehmen möchte, muss dies beantragen. Mit einer Vorsorgevollmacht können Menschen selbst bestimmen, wer im Falle eines Falles die rechtliche Stellvertretung für sie übernehmen soll.

Wie Sie sich selbst einen Überblick verschaffen und dem Thema nähern

Das Bundesministerium der Justiz hat eine Broschüre mit einer umfangreiche Sammlung von Textbausteinen veröffentlicht: Patientenverfügung. Leiden - Krankheit - Sterben: Wie bestimme ich, was medizinisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsunfähig bin?


Empfehlenswert ist das Internetportal www.medizinethik.de. Es beschreibt das Thema weitgehend wertfrei, weil es wenig eigene Informationen veröffentlicht, dafür aber eine umfassende und sehr gut strukturierte Sammlung von Quellen und Links zu allen Fragestellungen rund um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht bietet.

Muster von Patientenverfügungen

 

Exemplarisch finden Sie hier drei unterschiedliche Muster einer Patientenverfügung:

 

 

 

Aufbewahrung

Wo sollten Sie Ihre Patientenverfügung und Ihre Vorsorgevollmacht aufbewahren? Wichtig ist, dass die Papiere im Ernstfall schnell auffindbar sind. Dabei kann ein Hinweis helfen, den Sie in Ihrer Geldbörse oder bei Ihren Papieren mit sich führen. Idealer Weise sollten die nächsten Angehörigen davon wissen.

Beratungen zur Patientenverfügung

  • Beraten lassen können Sie sich vor Ort häufig bei Hospizvereinen. Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. bietet in seinem Internetportal eine Suchmaschine für Palliativstationen, Hospize und Hospizvereine
     
  • Auch Betreuungsvereine bieten häufig Beratungen an. Es gibt sie mittlerweile in großer Zahl in ganz Deutschland. Adressen in Ihrer Nähe erhalten Sie über eine einfache Internet-Suche: Betreuungsverein + Ihren Wohnort oder die Region eingeben
     
  • Auch manche Hausärzte bieten diesen Service an. Fragen Sie nach in Ihrer Praxis!
     
  • Eine Beratung bieten auch manche Rechtsanwälte an. Meist haben sie einen Schwerpunkt in Sozial- und Medizinrecht.

 

Ein Hinweis zum Schluss

Information ist wichtig, doch lassen Sie sich bei ihren Eigenrecherchen nicht blenden. Um ein Beispiel zu nennen: Sie werden vielleicht auf die „Bundeszentralstelle Patientenverfügung" treffen. Hierbei handelt es sich nicht um eine offizielle Einrichtung der Bundesregierung, wie der Titel suggerieren könnte, sondern um eine Internetseite des Landesverbands Berlin-Brandenburg e. V. des Humanistischen Verbands Deutschland. Wie so oft im Zeitalter des Internets ist das Problem nicht die Verfügbarkeit von Informationen, sondern ihre Bewertung. Auch dies spricht eindeutig für den Appell der Fachleute: Lassen Sie sich fachkundig beraten!

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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

„Mein Recht auf Selbstbestimmung"

Immer mehr Menschen regeln nicht nur ihren Nachlass, sondern treffen auch Vorsorgeregelungen für eine schwierige medizinische Lebenslage, in der sie nicht mehr selbst für sich sprechen können. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht heißen die entsprechenden Instrumente. Wer sollte sie abschließen und warum? Im Umfeld von Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag sind viele Menschen sensibilisiert für die existenziellen Fragen am Ende des Lebens. Mario Leisle sprach mit Dr. Klaus Kobert.

 

Immer mehr Menschen regeln nicht nur ihren Nachlass, sondern treffen auch Vorsorgeregelungen für eine schwierige medizinische Lebenslage, in der sie nicht mehr selbst für sich sprechen können. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht heißen die entsprechenden Instrumente. Wer sollte sie abschließen und warum? Im Umfeld von Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag sind viele Menschen sensibilisiert für die existenziellen Fragen am Ende des Lebens. Mario Leisle sprach mit Dr. Klaus Kobert. Der Mediziner und Bioethiker blickt auf langjährige Erfahrungen als Notarzt und Intensivmediziner  zurück. Seit 2005 ist er hauptamtlicher KIinischer Ethiker in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

  • Herr Dr. Kobert, was sind die wichtigsten Gründe, eine Patientenverfügung zu machen?

Das wichtigste Argument ist, dass man dort seinen Willen festhalten kann für den Fall, dass man ihn später selber nicht mehr zum Ausdruck bringen kann. Es geht um mein Recht auf Selbstbestimmung, das ich hier wahrnehmen kann. Es hat auf der anderen Seite auch große Vorteile für die gesetzlichen Vertreter, die dann etwas haben, woran sie sich orientieren können. Das gilt ebenso für die behandelnden Ärzte. Die können in der Regel nicht wissen, was das für ein Mensch ist, der vor ihnen liegt. Wie er denkt und was sich in dieser Situation wohl wünschen würde.
 

  • Inwiefern ist der Arzt an eine Patientenverfügung gebunden?

Das ist im Gesetz klar geregelt. Ein Arzt ist an die gemachten Verfügungen gebunden, wenn sie die konkrete Situation präzise erfassen. In der Praxis sieht es natürlich so aus, dass eine Verfügung selten hundertprozentig auf die Situation zutrifft, die man als Patient erlebt. Dann muss man sich zusammensetzen mit Ärzten, Pflegenden, Angehörigen oder dem gesetzlichen Vertreter und gemeinsam überlegen, wie man die Patientenverfügung im Sinne des Patienten zu deuten hat. Ich erlebe seit vielen Jahren eine klare Entwicklung, dass immer weniger Ärzte Vorbehalte gegen Patientenverfügungen haben. Zu wissen, was Wille des Patienten ist, gibt auch dem Arzt Sicherheit.
 

  • Was kann ich denn machen, wenn sich ein Arzt nicht daran hält?

Idealerweise sollten Sie Vorsorgebevollmächtigter sein, damit Sie auch einen rechtlichen Status haben und gleichberechtigt mit einem Auftrag ausgestattet sind. Dann müssen Sie mit dem behandeln Arzt oder dem Behandlungsteam ins Gespräch gehen. Wenn die Positionen gar nicht zueinander finden, gibt es als letzte Möglichkeit den Weg zum Betreuungsgericht. Meine Erfahrung ist, dass es soweit nicht kommen muss. In unseren Kliniken und Einrichtungen machen wir in schwierigen Situationen stets ein klärendes ethisches Fallgespräch mit allen Beteiligten. In den 400 Fallgesprächen, die wir bisher hatten, endete lediglich ein Fall vor dem Betreuungsgericht.
 

  • Gibt es Menschen, die keine Patientenverfügung machen sollten?

Letztendlich ist sie grundsätzlich für jeden volljährigen, einwilligungsfähigen Menschen empfehlenswert. Ich erlebe aber auch, dass sich Menschen intensiv mit dem Thema auseinander setzten und beraten lassen und am Ende sagen: ´Es tut mir leid. Ich kann mir nicht vorstellen, was ich wirklich wollen würde, wenn es mir einmal so schlecht ginge´. Das sind ganz oft gebildete, intelligente Menschen. Wenn man sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat und feststellt, dass man sich nicht festlegen kann, dann sollte man es lassen.
 

  • Was kann, soll oder muss in einer Patientenverfügung stehen?

Man muss vor allem präzise formulieren, Situationen benennen. Wenn ich zum Beispiel in einem Wachkoma liege, wenn ich einen Demenzprozess durchlaufe oder mich im Endstadium einer unheilbaren Krebserkrankung befinde, was möchte ich dann und was möchte ich nicht. Möchte ich wiederbelebt werden oder möchte ich das nicht? Möchte ich intensivmedizinische Maßnahmen oder eine Operation? Das geht bis hin zu den Fragen nach künstlicher Ernährung und Flüssigkeitszufuhr. Es ist natürlich illusorisch, dass man alle Möglichkeiten, in die man geraten kann, aufschreiben kann. Deshalb sollte man drei, vier Situationen konkret benennen, von denen sich etwas ableiten lässt. Ich empfehle auch, dass in einer Patientenverfügung Grundeinstellungen festgehalten werden. Was bin ich für ein Mensch, was ist mir wichtig im Leben? Damit andere sich im Ernstfall ein Bild dieses Menschen machen können für die Fragen, die offen bleiben.
 

  • Ist es ratsam, für eine Patientenverfügung zum Notar zu gehen?

Eine Patientenverfügung ist von vielen Fachdisziplinen berührt. Wenn man viele juristische Fragen sauber klären möchte, ist der Notar sicher eine gute Adresse. Ist viel Medizinisches zu bedenken, wäre vielleicht der Hausarzt eher angeraten. Wichtig ist auch, zu wem ich am meisten Vertrauen habe. Bei der Vorsorgevollmacht ist es in manchen Fällen unabdingbar, zum Notar zu gehen, zum Beispiel wenn man auch den Bereich Immobilien und Grundbesitz erfasst haben möchte. Ich empfehle immer eine fachkundige Beratung.
 

  • Gehören Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zwingend zusammen?

Es ist ratsam, denn dann ist im Ernstfall sofort jemand da, der für mich eintreten kann. Die Vorsorgevollmacht ist natürlich ein wirkungsvolles Mittelmit weitreichenden Konsequenzen für  das eigene Leben. Wenn Sie keinen Menschen mehr haben, dem Sie voll und ganz vertrauen, sollte man keine Vorsorgevollmacht ausstellen. In dem Fall wird eine gesetzliche Betreuung eingerichtet, was sicher auch eine gute Lösung ist.
 

  • Wo bewahre ich beides auf?

Die Vorsorgevollmacht muss im Original vorgelegt werden. Das heißt, der Bevollmächtigte muss im Bedarfsfall daran kommen. Weiterhin kann man eine Vorsorgevollmacht bei der Bundesnotarkammer registrieren lassen kann. Das kostet 10 bis 20 Euro. Dann gibt es die Möglichkeit, dass man sich eine Karte im Scheckkartenformat zulegt, auf der steht, wo alles zu finden ist. Das empfehle ich immer. Bei der Aufnahme in ein Krankenhaus oder ein Heim ist es natürlich wichtig, die Dokumente vorzulegen. Ich würde dort Kopien hinterlegen.
 

  • Im Internet gibt es unzählige Vordrucke von Patientenverfügungen. Welche sollte man nehmen?

Ja, es gibt so um die 270 allein in deutscher Sprache. Darunter sind auch weniger gelungene. Man sollte eine finden, die zur eigenen Weltanschauung passt.
 

  • Das ist nicht leicht.

Richtig. Ich empfehle deshalb, das nicht allein zu Hause zu machen. Am Ende hat man etwas verfügt, was man gar nicht so gemeint hat. Es geht um Fragen von Leben und Tod. Da rate ich ganz dringend zu fachkundiger Beratung.
 

  • An wen wendet man sich dafür?      

Hospizvereine sind die erste Anlaufstelle. Die gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Betreuungsvereine machen es auch öfter, ebenso manche Hausärzte, Rechtsanwälte und Notare.
 

  • Reicht es aus, die Patientenverfügung zu schreiben und dann zur Seite zu legen?

Vom Gesetz her ja. Meine persönliche Empfehlung ist, in zweijährigen Abständen wieder hineinzuschauen. Im Laufe des Lebens ändern sich manche Ansichten. Da sollte man ab und zu überprüfen, ob das, was man damals geschrieben hat, noch Abbild seiner Persönlichkeit und seines Wertesystems ist.
 

  • Darf ich auch verfügen, dass Ärzte mich von meinem Leid erlösen?

Hineinschreiben dürfen Sie alles, es sollte aber mit geltendem Recht vereinbar sein. Die Diskussion um Sterbehilfe ist ja wieder sehr aktuell. Fakt ist: aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Wenn ich einen solchen Wunsch in meine Patientenverfügung schreibe, wird der auf keinen Fall befolgt.
 

  • Klären Sie als Mediziner uns auf: Wie weit dürfen Ärzten am Ende des Lebens gehen?

Das ist ein schwieriges Feld. Ärzte dürfen heute schon sehr viel, wenn es der Situation angemessen ist und dem Willen des Patienten entspricht. Wenn ein Mensch beispielsweise schwer krebskrank ist im Endstadium und er verfügt hat, er will in dieser Situation keine lebensverlängernden Maßnahmen, dürfen Ärzte alle Maßnahmen beenden. Das schließt auch lebenserhaltende Maßnahmen wie künstliche Beatmung, Dialyseverfahren oder Bluttransfusionen ein, bis hin zur künstlichen Ernährung.
 

  • Kann das nicht zu noch mehr Leid führen?

Wenn der Patient es so will und es angemessen ist, darf man ihm auch eine Art Narkose verabreichen. Das nennt sich palliative Sedierung. Dann schlafen diese Menschen über Tage, oft bis sie sterben. Man kann sie auch aufwachen lassen und schauen, ob es nicht vielleicht doch besser geworden ist. Auch das ist erlaubt, man kann unbeabsichtigt das Leben dadurch sogar verkürzen. Das ist dann eine Wirkung, die man in Kauf nimmt, wenn diese Vorgehensweise dem Willen des Patienten entspricht.
 

  • Das hört sich kompliziert an.

Ist es auch, und vieles von dem, was derzeit die Medien berichten, ist falsch oder unscharf. Aber diese Thematik sollte in einer Patientenverfügung keine Rolle spielen. Dort geht es um meine ganz persönlichen Einstellungen.

Haben Sie vielen Dank für dieses Gespräch.

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Für die intensive Erörterung

Weiterführende Informationen

Möchten Sie sich gleich intensiver mit Inhalten einer Patientenverfügung beschäftigen, empfehlen wir Ihnen das Erklärungsheft des Ev. Krankenhauses Bielefeld.
Lesen Sie weiter oder laden Sie es hier herunter.

Pressemeldung, Interview und Servicetext haben Ihnen bereits eine gute Erstinformation gegeben sowie weiterführende Quellen zum Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht genannt.

Möchten Sie sich gleich intensiver mit Inhalten einer Patientenverfügung beschäftigen, empfehlen wir Ihnen das Erklärungsheft des Ev. Krankenhauses Bielefeld, das unter der Federführung des Ethikers Dr. Klaus Kobert entstand.

Erklärungsheft des Ev. Krankenhauses Bielefeld Hier ist der Download (3 MB).

 

Unsere Broschüre "Zukunft gestalten", in der Sie auch eine Vorlage für Ihre Patientenverfügung finden, können Sie in unserem Online-Shop bestellen.