Tipp des Monats von Miriam Hilker

Schützt ein soziales Netzwerk wirklich vor einem Schlaganfall?

Einsamkeit macht krank. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Auch das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist bei einsamen Menschen um mehr als 30 Prozent erhöht. Miriam Hilker, Präventionsexpertin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe sagt: "Jeder kann helfen, dieses Risiko zu verringern."

  • Das Motto der Schlaganfall-Hilfe zum „Tag gegen den Schlaganfall“ am 10. Mai lautet: „Erst einsam, dann krank – Kümmern schützt vor Schlaganfall“.  Schützt ein soziales Netzwerk wirklich vor einem Schlaganfall?

Hilker: Die Forschung hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend mit der Einsamkeit als Risikofaktor beschäftigt. Egal, wie die Studien aufgebaut sind, sie kommen meist zum gleichen Ergebnis: Wer sich einsam fühlt hat oft schlechtere Blutwerte, mehr Stresshormone und ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Ein Schlaganfall kann jeden treffen, aber ein gutes soziales Netzwerk kann das Risiko messbar reduzieren.

  • Was macht ein gutes soziales Netzwerk aus?

Hilker: Das Gefühl von Einsamkeit oder sozialer Verbundenheit definiert jeder anders für sich. Habe ich jemanden, der sich im Notfall um mich kümmern würde? Habe ich Familienmitglieder oder Freunde, an die ich mich mit meinen Sorgen wenden kann? Gibt es jemanden, der sich wirklich für mich interessiert und sich Zeit für mich nimmt? Das Gefühl, mit anderen Menschen verbunden zu sein, ist wohl für jeden wichtig – dafür reichen meist wenige nahestehende Personen.

  • Was kann jeder dazu beitragen, Einsamkeit zu verhindern?

Hilker: Sich um jemanden anderen kümmern! Jeder kennt Menschen, die kaum soziale Kontakte haben. Der Kassierer im Supermarkt kennt den älteren Herrn, der jeden Tag kommt, nur, um unter Menschen zu sein. Die Kinderärztin weiß, dass sich die junge Mutter nach der Trennung allein fühlt. Jeder kann dagegen aktiv werden – entweder selbst oder die Vermittlung entsprechender Angebote. Wichtig ist, die Augen offen zu halten und das Thema aus der Tabu-Zone zu holen.

  • Corona macht es nicht einfacher, Kontakte zu pflegen...

Hilker: Es gibt so viele kreative Ideen. Selbsthilfegruppen organisieren Telefonketten. Kinder schicken Briefe in Seniorenheime. Senioren üben in Videokonferenzen mit Migranten Deutsch. Schlaganfall-Helfer treffen sich mit Betroffenen zum Spazieren gehen. Die Liste ist endlos. Und: Von dem Engagement profitieren nicht nur anderen. Auch die Kümmerer sind glücklicher – das ist ebenso wissenschaftlich bewiesen.