Eine Frau spricht in ein Mikrophone.

Formen und Auswirkungen der Aphasie

Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die nach einer Schädigung der sprachdominanten Hirnhälfte (meistens links) zustande kommt. Unter den Patienten mit einem erstmaligen Schlaganfall weisen etwa 30 Prozent eine Aphasie auf. 

Sprachstörungen gehören zu den häufigsten Folgen von Schlaganfällen. Etwa 30 Prozent aller Betroffenen, die das erste Mal einen Schlaganfall erleiden, haben eine Sprachstörung – also eine Aphasie. Doch die muss nicht von Dauer sein: Viele Patienten können innerhalb von vier Wochen wieder fast normal sprechen und verstehen. 

Sind die Sprachstörungen auch nach den vier Wochen noch vorhanden, sinkt die Chance, dass die Symptome spontan wieder verschwinden. Dennoch: Nach sechs Monaten sind mehr als 40 Prozent der Betroffenen mit einer anfänglichen Aphasie wieder symptomfrei.

Symptome und Typen von Aphasie

Bei aphasischen Personen sind fast immer alle sprachlichen Leistungen, also Sprechen und Sprachverstehen, Lesen und Schreiben betroffen. Häufig treten Aphasien zusammen mit weiteren Kommunikationsstörungen auf. Bei Aphasien, die eine Gefäßerkrankung oder eine klar umschriebene Hirnverletzung im Bereich des Sprachzentrums als Ursache haben, ergeben sich häufig typische „Fehlerbündel“, die man Standardsyndrome der Aphasie nennt. Die vier Standardsyndrome:

Globale Aphasie

Die globale Aphasie ist die schwerste Form der Aphasie. Den Betroffenen fällt es schwer, Inhalte zu verstehen oder selbst in ganzen Sätzen zu sprechen. Häufig sprechen Global-Aphasiker nur einzelne Wörter oder immer wiederkehrend die gleiche Redefloskel. Das Sprachverständnis ist stark eingeschränkt. Die Erkrankten können meist nur die Bedeutung einzelner Worte verstehen, nicht einen komplexeren Zusammenhang.

Wenicke-Aphasie

Menschen mit einer Wernicke-Aphasie produzieren häufig lange, verschachtelte Sätze, in denen sich Satzteile oder ganze Sätze wiederholen. Schwerer Betroffene können scheinbar flüssig sprechen, der Inhalt ergibt jedoch wenig oder keinen Sinn. Die Wahl von passenden Wörtern oder Lauten fällt Menschen mit Wernicke-Aphasie häufig schwer. Das Sprachverständnis ist meist stark beeinträchtigt.

Broca Aphasie

Menschen mit einer Broca-Aphasie sprechen häufig in kurzen, einfachen Sätzen oder reihen inhaltstragende Wörter einzeln aneinander. Das Sprechen ähnelt einem „Telegrammstil". Der Sprachfluss ist häufig stark verlangsamt und angestrengt. Die Suche nach passenden Wörtern erschwert das Sprechen zusätzlich. Das allgemeine Verstehen von Sprache ist vergleichsweise gut erhalten.

Amnestische Aphasie

Die amnestische Aphasie ist die leichteste Form der Aphasie. Betroffene zeigen in der Spontansprache und beim direkten Benennen von Gegenständen Wortfindungsstörungen. Diese werden durch die Verwendung von Redefloskeln oder das Umschreiben von Wörtern umgangen. Selten ersetzen die Betroffenen auch das gewünschte Wort durch ein inhaltlich ähnliches Wort (zum Beispiel Blume anstatt Baum). 

Abgrenzung zu anderen Kommunikationsstörungen

Für die Therapie ist die Abgrenzung der verschiedenen Kommunikationsstörungen wie Aphasie, Dysarthrie und Sprechapraxie wichtig, auch wenn dies nicht immer einfach ist.

Dysarthrie

Bei einer Dysarthrie ist die Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen beeinträchtigt. Alle an der Artikulation beteiligten Muskelgruppen wie Atemmuskulatur, Kehlkopfmuskulatur oder Zungen- und Lippenmuskulatur können von der Bewegungsstörung betroffen sein. Dies kann dazu führen, dass die Sprechatmung, die Sprechstimme, die Artikulation, die Betonung oder Tonfall beeinträchtigt sind. Dysarthrische Menschen sprechen häufig langsam und mit einer deutlich sichtbaren Anstrengung.  Je nach Schwere der Störung ist die Sprache leicht oder völlig unverständlich. Das Sprachverständnis ist bei einer Dysarthrie nicht beeinträchtigt.

Sprechapraxie

Die Sprechapraxie ist eine Planungs- und Programmierungsstörung der Sprechbewegungen, die sehr komplex und unterschiedlich ist. Die Symptome können einzelne Sprachlaute, den Redefluss, die Akzentuierung, die Intonation oder das Sprechverhalten betreffen. Häufig sind die Fehler unbeständig und wechselhaft. Die Betroffenen zeigen mit den Lippen und der Zunge artikulatorische Suchbewegungen, um die passenden Laute zu bilden. Es kann jedoch auch zu Phasen kommen, in denen die Sprachproduktion störungsfrei ist. Das Sprachverständnis ist häufig gut erhalten.

Avatar

Kontakt zu Service- u. Beratungszentrum