Schlaganfall-Lotsen bald auch in Ansbach

Schlaganfall-Patienten in Stadt und Landkreis Ansbach können künftig noch besser versorgt werden. Zwei professionelle Schlaganfall-Lotsinnen sollen Patienten und ihre Angehörigen/ Betreuer rund ein Jahr lang nach dem Schlaganfall begleiten und beraten.

Kooperationspartner und Unterstützer stellten jetzt das Projekt „Schlaganfall-Lotse“ in der Ansbacher Karlshalle vor. Entwickelt hat das Modell der Schlaganfall-Lotsen die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Impulsgeber vor Ort ist Dr. Udo Feldheim, niedergelassener Neurologe und Past Präsident des Rotary Clubs Ansbach.

Bereits Schlaganfall-Helfer sind sehr erfolgreich

Feldheim hat bereits mit großem Erfolg die ehrenamtlichen Schlaganfall-Helfer der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe eingeführt. Umgesetzt wird das Projekt durch die Neurologische Klinik des Klinikverbunds ANregiomed unter Leitung von Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Matthias Elstner und das Fürther Unternehmen clinic@home GmbH. Unterstützt werden die Akteure durch den Kreisverband Ansbach des Bayerischen Roten Kreuzes und den Rotary Club Ansbach.

Schlaganfall-Lotsen helfen, eine bestmögliche Rehabilitation zu ermöglichen

Pro Jahr erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Es ist die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Etwa 60 Prozent der Patienten sind längerfristig auf Unterstützung, Therapie, Hilfsmittel und/oder Pflege angewiesen. Gleichzeitig haben sie ein deutlich erhöhtes Risiko für einen wiederholten-Schlaganfall und benötigen Unterstützung bei der Umstellung ihres Lebensstils. Professionelle Schlaganfall-Lotsen sollen künftig die Patienten im ersten Jahr nach dem Schlaganfall unterstützen, um eine bestmögliche Rehabilitation zu ermöglichen und einen weiteren Schlaganfall zu verhindern.

Um die Lebensqualität der Patienten zu erhalten, hat ein starkes Konsortium aus Unterstützern das Schlaganfall-Lotsen-Projekt in der Stadt und dem Landkreis Ansbach ins Leben gerufen. Schlaganfall-Lotsen sind professionelle „Case Manager“. Sie verfügen über eine Grundausbildung im medizinischen Bereich und eine Weiterbildung, die sie bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe absolviert haben. In Ansbach finden die professionellen Berater besonders gute Voraussetzungen vor. Sie können auf die Unterstützung vieler ehrenamtlicher Schlaganfall-Helfer setzen, die bereits erfolgreich durch Dr. Udo Feldheim eingeführt wurden.

In Stadt und Landkreis Ansbach erleiden jährlich ca. 800 Menschen einen Schlaganfall. Dieser kann in jedem Alter auftreten. Zwar ist etwa die Hälfte der Betroffenen über 75 Jahre alt, aber mehr als 15 % der Patienten sind jünger als 45 Jahre. Viele Betroffenen und ihre Angehörigen sind dieser Situation überfordert. Sie benötigen Unterstützung im Bereich der Nachsorge, um z.B. Rezidive zu vermeiden, eine bessere Erholung zu erreichen und das vorhandene therapeutische Netz nutzen zu können.

Das Pilotprojekt für das Land Bayern „Ausbildung und Zertifizierung von Ehrenamtlichen Schlaganfall-Helfern/innen" hat im Stadt und Landkreis Ansbach eine sehr große Resonanz gefunden. Von circa 300 Schlaganfall-Helfern in 19 Standorten in Deutschland, sind 75 in Ansbach und dem Landkreis ausgebildet worden. Viele davon stehen auch regelmäßig für Patienteneinsätze zur Verfügung.

Die Idee, schwerkranken Menschen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen, bewegte Dr. Udo Richter schon lange Jahre. Es ist ihm wichtig der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Aktuell gibt es für schwerkranke Menschen keine vollumfängliche Unterstützung, die alle Lebensbereiche miteinbezieht. Das ist allerdings etwas, was diese Menschen benötigen. Damit keine Verunsicherungen diesbezüglich entstehen, wurde hierfür die eigene Firma clinic@home gegründet, in der das Schlaganfall-Losten Projekt umgesetzt wird.

Sabine Will und Viktoria Lehr sind die künftigen Schlaganfall-Lotsinnen. Sie verfügen bereits über viel Erfahrung mit dem Krankheitsbild Schlaganfall. Beide arbeiteten bisher als care:manager® im Gesundheitswesen und wurden durch die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zu Schlaganfall-Lotsinnen ausgebildet.

Die Aufgaben der Schlaganfall-Lotsinnen

„Zum vielfältigen Aufgabengebiet der Lotsinnen gehört, dass sie helfen, sich im komplexen Gesundheitssystem zurechtzufinden, Risikofaktoren im täglichen Leben der Patienten zu erkennen und in den Griff zu bekommen und so einem möglichen weiteren Schlaganfall vorzubeugen.
 
„Wir lernen die Patienten zunächst in der Klinik auf der Stroke Unit kennen und arbeiten dann mit ihnen eine Art „Zielplanung“ aus. Wir besuchen sie in der Reha und halten im ersten Jahr nach dem Vorfall regelmäßig Kontakt, nicht nur mit den Betroffenen, sondern beispielsweise auch mit dem behandelnden Hausarzt. Wenn dann auffällt, dass der ausgearbeitete Therapieplan nicht funktioniert, nehmen wir gemeinschaftlich Anpassungen vor“, erklärt Viktoria Lehr die übliche Vorgehensweise hierbei.

Modellprojekt Schlaganfall-Lotsen in Ostwestfalen-Lippe

In ihrer Heimatregion Ostwestfalen-Lippe führt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe derzeit ein großes Modellprojekt mit Schlaganfall-Lotsen durch. 2.000 Patienten werden dort betreut und wissenschaftlich begleitet. Der Bund und Gesundheitsminister Jens Spahn stecken hohe Erwartungen in das Modell und fördern das Projekt mit 7 Millionen Euro. Verläuft es erfolgreich – worauf kleinere Pilotprojekte im Vorfeld bereits hindeuten – sollen Schlaganfall-Lotsen künftig bundesweit eingeführt und durch die Krankenkassen finanziert werden. „Je mehr Kliniken und Einrichtungen mitmachen, desto besser wird uns das gelingen“, sagt Dr. Michael Brinkmeier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.