Patient und Ärtzin im Gespräch

Neue Empfehlungen nach leichtem Schlaganfall

Nach einem leichten Schlaganfall oder der Vorstufe davon, einer Transitorisch-ischämischen Attacke (TIA), ist das Risiko eines schweren Schlaganfalls deutlich erhöht. Doch jetzt gibt es wirksamere Präventionsempfehlungen.

Um einen größeren Gefäßverschluss im Gehirn zu verhindern, werden Patienten nach einem solchen leichten Ereignis bisher mit einem so genannten Thrombozyten-Aggregationshemmer behandelt, meist Aspirin. Doch doppelt hält besser, so die einhellige Meinung der Experten, weil so die Rate wiederholter Schlaganfälle einschließlich Hirnblutungen deutlich reduziert wird. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) empfehlen für eine begrenzte Zeit eine Kombinationstherapie mit den zwei Blutplättchenhemmern Aspirin und Clopidrogrel.

Etwa neun von zehn Schlaganfällen sind ischämischer Natur, es kommt durch den Verschluss oder die Verengung eines hirnversorgenden Blutgefäßes aufgrund eines Blutgerinnsels zur Minderversorgung eines Hirnareals mit Sauer- und Nährstoffen. Infolgedessen kann es zu neurologischen Ausfällen wie etwa Sprachstörungen oder Lähmungen kommen. Wenn ischämische Schlaganfälle auftreten, ist es entscheidend, die Blutgerinnsel mit Medikamenten möglichst schnell aufzulösen und eine weitere Verklumpung von Blutplättchen zu verhindern.

Unter einer solchen Behandlung können sich die neurologischen Ausfälle bei leichten Schlaganfällen zurückbilden, bei einer transitorischen ischämischen Attacke sogar innerhalb von 24 Stunden. „Diese Ereignisse sind in der Regel gut behandelbar. Doch das Risiko für einen zweiten, schweren Schlaganfall ist bei den Betroffenen als hoch einzustufen“, erklärt Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener aus Essen, Pressesprecher der DGN. „Die Vorbeugung ist daher gerade bei diesen Patienten, die vermeintlich gut weggekommen sind, von besonders großer Bedeutung.“

Ende Dezember 2018 ist im renommierten Fachjournal BMJ eine Praxisempfehlung für eine duale Plättchenhemmung mit den gerinnungshemmenden Medikamenten Aspirin und Clopidrogrel publiziert worden. „Diese Kombinationstherapie sollte mindestens 24 Stunden nach dem Einsetzen der ersten Schlaganfallsymptome erfolgen und über zehn bis 21 Tage andauern“, sagt Professor Dr. med. Armin Grau, 1. Vorsitzender der DSG und Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen.

Die Autoren berufen sich dabei auf eine im August im New England Journal of Medicine (NEJM) publizierte Studie. Sie zeigte, dass die Kombination von Aspirin und Clopidrogrel der derzeit üblichen Aspirin-Monotherapie im Hinblick auf die Vermeidung eines Folge-Schlaganfalls überlegen ist. Die Studie wurde sogar vorzeitig beendet, da sich frühzeitig ein klarer Vorteil für die Kombinationstherapie abzeichnete. Unter der Kombinationstherapie erlitten 25 Prozent weniger Patienten einen erneuten Schlaganfall. Die Empfehlung wird in Kürze Eingang in die „Leitlinie Sekundärprävention des Schlaganfalls“ der DGN finden.