Fachforum zu den unsichtbaren Schlaganfall-Folgen

Fachforum zu unsichtbaren Folgen

Zum diesjährigen „Tag gegen den Schlaganfall“ gab es eine Premiere: Zum ersten Mal richtete sich die Stiftung mit ihrer Veranstaltungsreihe „Forum Schlaganfall“ vorrangig an Fachleute. Es drehte sich alles um die unsichtbaren Folgen eines Schlaganfalls.

Zahlreiche Ärzte, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten aus der Region Gütersloh waren der Einladung gefolgt. Passend zum Motto des Tags gegen den Schlaganfall „Ich spüre was, was du nicht siehst“, drehte sich alles um die unsichtbaren Folgen der Erkrankung. Während Einschränkungen wie halbseitige Lähmungen oder Sprachstörungen schnell offensichtlich sind, machen sich viele neuropsychologische Folgen bei den Betroffenen erst nach und nach bemerkbar, zum Beispiel Aufmerksamkeits- und Gedächtnisschwierigkeiten, mangelnde Planungsfähigkeit, Gesichtsfeldausfälle, Neglect oder emotionale Veränderungen.

Ärzte und Therapeuten müssen Schwierigkeiten berücksichtigen

Für Fachleute ist es wichtig, die neuropsychologischen Folgen des Schlaganfalls zu kennen und diese bei der Therapie entsprechend zu berücksichtigen. Dr. Rüdiger Buschfort, Chefarzt der Neurologischen Abteilung an der Aatalklinik Bad Wünnenberg, erklärte beispielhaft: „Ein Physiotherapeut erklärt einem betroffenen, wie die Bremen am Rollator funktionieren und zehn Minuten später hat er es wieder vergessen. Wenn ein Patient sich die Anweisungen nicht merken kann, wirkt sich das selbstverständlich auch auf die motorischen Fortschritte aus.“

Die Leiterin der Neuropsychologischen Forschungsambulanz an der Universität des Saarlands, Dr. Caroline Kuhn, hat die Erfahrung gemacht, dass die Schwierigkeiten bei jüngeren Betroffen häufig erst bei der Rückkehr ins Berufsleben deutlich werden. Mit ihrem Arbeitspensum von früher sind sie plötzlich überfordert. Anhand der Geschichte einer Betroffenen machte sie deutlich, wie die Testung, die Diagnose und die Therapie verschiedener Störungen verlaufen kann. „Die junge Frau hatte unter anderem Schwierigkeiten, Treppen herunterzulaufen, weil sie Distanzen und Winkel schlecht abschätzen konnte. Heute geht sie sogar wieder ihrem Hobby nach und tanzt Jazz-Dance.“

Dr. Caroline Kuhn im Video-Interview

Strategien für den Alltag entwickeln

Neben Neuropsychologen sind es häufig Ergotherapeuten, die Betroffene mit neuropsychologischen Störungen therapieren. Ergotherapeutin Tanja Cordtomeikel berichtete, wie wichtig es ist, dass die Betroffenen sich ihrer durch den Schlaganfall erworbenen Schwächen bewusstwerden. Anfangs verdrängten viele die Schwierigkeiten. „Deswegen begeben wir uns gezielt in Alltagsituationen, bewegen uns mit dem Betroffenen zum Beispiel im Straßenverkehr und machen sie auf ihre Wahrnehmungsstörungen aufmerksam, damit wir dann Strategien dagegen entwickeln können.“

Die Therapie von neuropsychologischen Störungen dauert meist viele Monate oder Jahre, doch kann die Lebensqualität und Selbstständigkeit der Betroffenen deutlich verbessern.